"Sie oder Gottschalk - wer hat die schönere Nase?"
Interview mit Ingolf Lück
Ingolf Lück Ingolf Lück, 42, ist der Hauptdarsteller der Comedy-Serie "Der Doc" Frage: Endlich Ihre eigene Comedy-Serie. Sind Sie nervös?

Ingolf Lück: Nein, von der 'Wochenshow' und anderen Formaten bin ich es gewohnt, Projekte als prominenter Name mit anzuschieben. Trotzdem bin ich absoluter Teamspieler und auch beim 'Doc' einer von fünf gleichberechtigten Charakteren. Die Serie sehe ich als logische Fortführung meiner beiden, parallel entwickelten Karrierestränge als Schauspieler und Komödiant. Ich habe immer versucht eine Serie zu lancieren, und das ist jetzt im Konzert von Brainpool und SAT.1 und natürlich auch mit den Credits, die sich 'Die Wochenshow' beim Publikum erarbeitet hat, möglich geworden.

Frage: Warum haben Sie sich die Welt der Ärzte für Ihre Comedy-Serie ausgesucht?

Ingolf Lück: Jedes zweite Mädchen in Amerika wünscht sich zu Weihnachten einen neuen Busen. In Deutschland werden über 100 Millionen Mark jährlich für Schönheitschirurgie ausgegeben. Und obendrauf hat Schönheitschirurgie immer noch etwas Mystisches. In diesem Umfeld ist Comedy ideal eingebettet. Hier finden wir die klassische Trias, nämlich das Wahre, Schöne und Gute, und setzen die Menschen dagegen, die sich mit den ewigen Grundfragen des Lebens um Liebe, Kampf, Tod und Eifersucht beschäftigen. Aus diesen Zutaten kann nur Erfolg entstehen.

Frage: Etwas profaner gefragt: Was halten Sie von Silikonbrüsten?

Ingolf Lück: Ich glaube, für mich kommt das nicht in Frage. Aber im Ernst, wenn Sie wissen wollen, ob ich mich operieren lassen würde: Ich warte erstmal ab. Schönheit ist zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gerecht; sie kann erkauft, erlitten oder erhungert werden. Jeder erschafft sich neu. Immer mehr Frauen sagen sich: Ich verzichte auf den Skiurlaub und lasse mir lieber den Busen machen. Wenn sich aber jeder alles erkaufen kann, dann wird die natürliche Schönheit, die im Moment vielleicht als physiognomisch verformt betrachtet wird, irgendwann einmal wieder zum Maßstab. Und dann bin ich ganz vorne dabei.

Frage: Inwiefern halten Sie Ihre eigene Physiognomie für verformt?

Ingolf Lück: Stellen Sie sich vor, letzte Woche hat mir einer gesagt, ich hätte eine große Nase. Ich war vollkommen überrascht. Aber das war wahrscheinlich nur Spaß.

Frage: Viele Leute haben panische Angst vor dem Arzt. Sie auch?

Ingolf Lück: Ich gehöre zu den praktizierenden Pessimisten, die jedes Mal eine Krebs- und Herzinfarktdiagnose erwarten und dann froh sind, wenn eines von beiden nicht eintrifft. Nur beim Zahnarzt komme ich ohne Spritze aus. Trotzdem habe ich mich immer als Hypochonder bezeichnet, bis ich irgendwann von einem Kollegen hörte, der schon fünfunddreißig Mal mit Verdacht auf Blinddarmentzündung eingeliefert wurde und nie etwas hatte. Da sagte ich mir: Schmeiß' die Krücken weg, Du bist gesund.

Frage: Sie sollen als Kind zwei Monate lang Heidelbeerjoghurt gegessen haben, um abzunehmen.

Ingolf Lück: Ja, tatsächlich. Ich hatte damals auch keine andere Wahl. Das ist fast dreißig Jahre her und es gab bei Aldi nur Heidelbeerjoghurt. Ich habe nichts anderes mehr gegessen. Heute nehme ich allein bei dem Wort schon ab.

Frage: Was ist für Sie der allerschlimmste Kunstfehler, den man bei einer Comedy-Serie begehen kann?

Ingolf Lück: Niemand weiß, wie man erfolgreiche Comedy stricken kann, da gibt es keine Schablone. Wir machen keine Haudraufcomedy mit lustiger Mütze und dicker Brille, sondern setzen auf die Komik der zwischenmenschlichen Beziehungen. Ist aber trotzdem schweinelustig.

Frage: Sie haben sich im Rahmen der SAT.1-Nachwuchsförderung "SAT.1-Talents" für den Comedy-Nachwuchs engagiert. Welche Tipps haben Sie für jemanden, der so weit kommen will wie Sie?

Ingolf Lück: Nach wie vor gilt: Die Straße ist die beste Schule. Wer es schafft, an einem vorweihnachtlichen, verkaufsoffenen Samstagnachmittag in einer vollen Fußgängerzone die Menschen für zehn Minuten zum Stehen bleiben und Zugucken zu bewegen, der ist auch für ein großes Fernsehpublikum geeignet.

Frage: Ihre eigene Karriere begann als Straßenschauspieler und -musiker. Was vermissen Sie aus dieser Zeit?

Ingolf Lück: Mir fehlen die schlechten Hotels mit drei Leuten im Zimmer, die abends gleichzeitig ihre dampfenden Socken ausziehen. Mir fehlen die Aldi-Brötchen, die man am Veranstaltungsort bekommt, nicht mal mit Rama beschmiert. Mir fehlt der tägliche Grieche auf Tournee, weil der am längsten auf hat. Genau genommen fehlt mir nix. Das einzige, was mich interessieren würde, ist, die intime Atmosphäre eines kleinen Theaters mit 150 Sitzplätzen. In Köln haben viele Theater montags geschlossen. Da jeden Montag zu spielen, könnte ich mir vorstellen.

Frage: Sie haben ab 1985 "Formel Eins" moderiert. Das war u. a. die große Zeit von Dr. Sommer und Prof. Brinkmann. Wer von beiden hat Sie nachhaltiger beeinflusst?

Ingolf Lück: Eindeutig Prof. Brinkmann, weil der Schauspieler Wussow behauptet hat, er könne nach den vielen Jahren in der Schwarzwaldklinik eine Blinddarmoperation vornehmen. Auch für mich sind nach den Folgen 'Doc' kleinere Eingriffe wie eine Fettabsaugung oder Lidstraffung kein Problem. Das gleiche gilt für unsere Zuschauer: Sie können nach jeder Sendung einfachste Korrekturen an sich selbst vornehmen.

Frage: In der Serie operiert "Der Doc" viele Prominente. Welchen Promi würden Sie gern verschönern?

Ingolf Lück: Von Nina Ruge haben wir bereits ein Dankesschreiben erhalten. Für den Doc ist nichts unmöglich, deshalb könnte Angela Merkel eine große Aufgabe für die ganze nächste Staffel werden.

Frage: Sie parodieren gelegentlich Thomas Gottschalk. Wer von Ihnen beiden hat die schönere Nase?

Ingolf Lück: Wir nehmen uns da nicht viel. Insofern ist das eine sehr dankbare Parodie. Ich weiß auch, dass sie ihm sehr gut gefallen hat. Das ehrt mich, weil er früher zu meinen Vorbildern gehörte. Vielleicht ist meine Nase auch deswegen noch weiter gewachsen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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