Jackie Chan
* 6. April 1954 in Shan Dong, VR China, als Chan Kong • Schauspieler, Regisseur, Produzent, Sänger • Biographie • Interviews • Filmografie • Foto-Galerie • Hören Sie einen Gruß von Jackie Chan (5 Sekunden, WAV-Datei, 224 KB) •
Jackie Chan Biographie Jackie Chan wurde 1954 als Chan Kong geboren. Um den ärmlichen Verhältnissen in ihrer Heimat, der nordostchinesischen Provinz Shan Dong zu entkommen, emigrierten seine Eltern, ein Koch und eine Putzfrau, 1961 nach Canberra, Australien. Weil der Arzt der Familie nicht überzeugt werden konnte, die Obhut des Jungens gegen einen kleinen, von ihm zu entrichtenden Obolus zu übernehmen, wurde Jackie im Alter von sieben Jahren an die Honkonger China Drama Academy des bekannten Peking-Opern-Meisters Yu Shanyuan "vermietet" - eine im China jener Tage durchaus gängige Maßnahme. Als Gegenleistung für ein Dach über dem Kopf und eine solide klassische Ausbildung in der Kunst der chinesischen Opern musssten die Jungen an den Aufführungen der Schule teilnehmen.

In den nächsten zehn Jahren standen 19 lange Stunden täglichen Trainings auf Jackies Stundenplan. Die Peking Oper ist eine anspruchsvolle Kunstart, die in ihrer Ausbildung in Akrobatik, Kampfsport, Gesang, Tanz und mimischen Studium weit über eine vergleichbare westliche Bühnenausbildung hinausgeht.

Als das Kino in den 60er Jahren in China an Popularität gewann und der Peking Oper zunehmend den Rang abzulaufen begann, sah sich auch Meister Yu gezwungen, auf die veränderten Umstände zu reagieren. Bereits im Alter von acht Jahren kam Jackie Chan so im Jahr 1962 unter dem Namen Yuan Lou zu seinem Leinwanddebüt in Big And Little Huang Tianba. Weitere kleinere und größere Rollen folgten, ohne dass die schauspielerischen Engagements für Jackie Chan mehr waren als reine Nebenjobs.

Das sollte sich mit dem Beginn der 70er Jahre ändern, als das Fernsehen dem Kino mehr Konkurrenz machte und die Filmindustrie mit einer ganzen Flut erfolgreicher Kung-Fu-Filme den Weg aus der Misere anzutreten versuchte. Während sich Bruce Lee als erster Superstar des Hongkong-Kinos etablierte, begann Jackie Chan als Stuntman bei der aufstrebenden Firma Golden Harvest zu arbeiten und trat in dieser Funktion unter dem Namen Yuan Lou in einer ganzen Reihe von Klassikern auf. Bereits 1971 erhielt der 17jährige seine erste Hauptrolle in Master With The Cracked Fingers, doch der Durchbruch blieb ihm versagt. Ein Umstand, für den der Regisseur Lou Wei verantwortlich zu machen ist, der Jackie unter dem Künstlernamen Cheng Long als neuen Bruce Lee aufbauen wollte, ohne dessen eigentliche Talente zu erkennen und zu fördern.

Nach einigen weiteren Flops war Jackie Chan im Jahr 1976 gar so weit, endgültig das Handtuch zu werfen. Obwohl er weiterhin vertraglich an Luo gebunden war, besuchte der junge Mann seine Eltern in Australien. Von den Mißerfolgen entmutigt, lieh Luo seinen Schützling einstweilen an die neugegründete Seasonal Films von Ng Sze-Yuen aus, der Jackie an den erfahrenen Martial-Arts-Arrangeur und Jungregisseur Yuen Wo vermittelte. Der erkannte schließlich die wahren Talente des glücklosen Schauspielers. Die Unbesiegbaren der Shaolin (1978) und Ein Hallelujah für zwei Schlitzohren (1979) avancierten zu internationalen Erfolgen. Jackie Chans schier unglaubliches Körpergeschick und sein einnehmendes, lausbübisches Wesen ließen ihn schnell zum Megastar in Asien werden. Mit seinem Partner Raymond Chow gründete er die Produktionsfirma Golden Way. Jackie Chan gelang es, das festgefahrene Genre des Kung-Fu-Films zu entrümpeln und zu modernisieren.

1980 gab der Star in Meister aller Klassen sein Debüt als Regisseur. Im selben Jahr führten ihn die Dreharbeiten zu Die große Keilerei erstmals in die USA. In seiner Heimat bastelte Chan indes weiter an seinem unaufhörlichen Aufstieg und avancierte dort mehr und mehr zum absoluten Idol.

Er erkannte, dass das Genre der Kostüm-Kung-Fu-Filme in den letzten Zügen lag. Inspiriert von den Klassikern Buster Keatons wandte sich Chan zeitgenössischen Actionkomödien zu, die den vorangegangenen Erfolgsproduktionen in punkto Rasanz und Witz in nichts nachstanden, die Kampfsequenzen jedoch mit atemberaubenden Stunts und unvergleichlicher Artistik ersetzten. Damit ebnete die Ein-Mann-Industrie Jackie Chan aufstrebenden Talenten wie John Woo oder Tsui Hark den Weg. Chan selbst gab sich allein mit der Produktion von Filmen nicht mehr zufrieden. Er rief eine Gewerkschaft für Stuntmen ins Leben, gründete Firmen, die für die Herstellung von Filmequipment zuständig sind und startete mit Jackie's Angels eine eigene Künstleragentur. In den 90er Jahren ist Jackie Chan erfolgreicher denn je - und sogar der ihm lange versagt gebliebene Sprung nach Hollywood scheint ihm endlich gelungen zu sein.


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