Interview mit Jan Fehse
Jan Fehse Jan Fehse führte in dem Film Tattoo Kamera Frage: Wie hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Ihnen gestaltet?

Jan Fehse: Die Zusammenarbeit mit Robert Schwentke war außergewöhnlich intensiv. Wir haben uns im Vorfeld der Dreharbeiten auf eine erzählerische Kamera festgelegt. Dadurch entsteht zwangsläufig eine sehr enge Anbindung des Kameraführenden an die Regie, da die Kamera aktiv in das Geschehen eingreift. Die Tatsache, dass Robert Schwentke und ich uns sehr intensiv vorbereitet, das heißt die einzelnen Filmbilder detailliert aufgelöst hatten, wirkte sich dann beim Drehen sehr positiv aus.

Frage: Wie würden Sie den speziellen Look von Tattoo beschreiben?

Jan Fehse: Die Kamera wird erzählerisch eingesetzt: Erst beobachtet sie und bewegt sich dann eigenständig auf die Gegenstände zu. Bisher habe ich noch keinen Film gemacht, bei dem sich die Kamera so viel bewegt. Im Vorfeld haben wir uns für einige wenige Stilmittel entschieden. Zum Beispiel wollten wir viel mit Spiegelungen arbeiten. Die Optik des Films ist aber auch entscheidend vom Verfahren der digitalen Postproduktion beeinflusst worden. Mittels dieses Verfahrens lässt sich die Farbgebung der Bilder nachträglich modifizieren und notfalls korrigieren. Das Farbkonzept des Films tendiert im Allgemeinen sehr zur Monochromie. Wir verwenden zum Beispiel überhaupt kein Blau. Die Räume, in denen sich die Handlung abspielt, wirken alle sehr dunkel und unbunt. Die reduzierte Farbgebung soll das Kalte und Deprimierende der Handlungsorte unterstreichen.

Frage: Eine Sequenz des Films wurde im unterirdischen Kanalisationssystem gedreht. Welchen logistischen Aufwand erforderte dies?

Jan Fehse: Zunächst waren wir ziemlich ratlos, wie wir diese Szene angemessen in den Kasten bekommen sollten. Dann aber verlegten wir uns auf ganz einfache Mittel, und - siehe da - es funktionierte. Unsere einzige Lichtquelle waren zwei Taschenlampen, mit denen August Diehl durch den Kanalisationstunnel läuft. Wir haben die Wände nass gemacht und nur mit reflektiertem Licht gedreht. Der Effekt ist fantastisch. Aufwendig gestalteten sich dabei allerdings die Kamerafahrten. Dafür haben wie extra Schienen an die Decke geschraubt, um Zufahrten auf den Darsteller drehen zu können.

Frage: Welche Filmszene stellte die größte Herausforderung an Sie dar?

Jan Fehse: Frank Schoubyas Tattoo-Galerie war die größte Herausforderung. Insgesamt spielen acht Minuten unseres Films in diesem Setting. Wir mussten dort ein sehr universelles Licht setzen, das bei den klassischen Spielszenen realistisch wirkte, das aber auch die Flammen in der Brandszene zur Geltung kommen ließ. Da wir in der Galerie mit Steadycam drehen wollten, musste der Raum außerdem zu 360° bespielbar sein. Wir konnten darin also keine Lampen aufstellen. Gelöst haben wir dieses Problem, indem wir die Lampen außerhalb des Raumes aufstellten und das Licht über auf dem Fußboden liegende Spiegel in ihn hinein reflektierten. Dieses trickreiche Verfahren erzeugte eine ganz unwirkliche Lichtstimmung in der Galerie. Die ganze Szene war für mich ein echtes Stück Pionierarbeit, weil ich dabei auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen konnte.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit den Darstellern?

Jan Fehse: Die Atmosphäre bei den Dreharbeiten empfand ich als sehr familiär. Die Beziehung zwischen den Schauspielern und dem übrigen Team war sehr freundschaftlich und herzlich.

Dirk Jasper FilmLexikon
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