Interview mit Jan Josef Liefers
"Ein anspruchsvoller Dreh, nichts für Warmduscher."
Jan Josef Liefers Jan Josef Liefers führt Regie und spielt die Hauptrolle in dem Sat.1-TV-Film "Die Frauenversteher - Männer unter sich". Frage: Herr Liefers, sind Sie ein Frauenversteher?

Jan Josef Liefers: Unbedingt! Jedenfalls im direkten Vergleich mit einem Neandertaler. Übrigens ist es wie mit Gott: Was ein Mann nicht versteht, betet er vorsichtshalber an. Man kann nie wissen. Ein wahrscheinlich weiser Mensch hat mal gesagt, dass Männer nicht so sehr versuchen sollten, ihre Frauen zu verstehen, sie dafür aber etwas mehr zu lieben. Und Frauen sollten versuchen, ihre Männer etwas weniger zu lieben, sie dafür aber mehr zu verstehen! Das verstehe, wer will.

Frage: "Jack's Baby" liegt jetzt rund zwei Jahre zurück. Wie kam es, dass Sie für "Die Frauenversteher" wieder mehrere Funktionen übernahmen?

Jan Josef Liefers: Na ja, so lange hat es wohl gedauert, zu vergessen, worauf ich mich da einlasse. Inzwischen kann der Liefers dem J. J. nichts mehr vormachen, und umgekehrt wird der J. J. von Liefers sehr nüchtern betrachtet. Die beiden haben sich jegliche Schonung aberkannt und so hatte ich schon mal zwei zu allem bereite Mitarbeiter auf meiner Seite. Im Gegensatz zu "Jack's Baby" hatten wir bei "Die Frauenversteher" ein viel größeres Pensum an Einstellungen zu drehen, um nachher im Schnitt das rasante Tempo der ersten Stunde des Films sicher zu stellen. Hinzu kam das aufgrund der Jahreszeit sehr begrenzte Tageslicht. Alles erforderte eine sehr sportive Einstellung des ganzen Teams.

Ich bin diesmal viel leichter von der Regie ins Spielen geglitten und umgekehrt, habe mir und dem Team damit wertvolle Zeit erspart. Zeit, die wir dringend brauchten, um so viel wie möglich von den geplanten Einstellungen zu schaffen. Es war ein sehr anspruchsvoller Dreh, nichts für Warmduscher, es herrschte gelegentlich ein ziemlich rauer Ton und die Reserven des Teams wurden restlos beansprucht. Die Tatsache, dass ich dieses Los mit allen teilte und mich genauso wenig schonte, was jeder jeden Tag sehen konnte, war mitunter eine wichtige Auffrischung der allgemeinen Motivation. Ich würde sagen, die Doppelfunktion war sinnvoll, weil sie dem Film und der Art, wie er entstanden ist, geholfen hat.

Frage: Apropos: Sie arbeiten mit phantastischen, fast comic-haften Elementen. Wie entstand die Idee dazu und welche Absicht steckt dahinter?

Jan Josef Liefers: Die Idee entstand im Frühling 2001 während der letzten beiden Bearbeitungen des Drehbuchs. Es zeigte sich bald, dass genau diese Elemente eine der Besonderheiten des Films ausmachen. Als ich viel später, gegen Ende unserer Dreharbeiten, den Film "Amelie" im Kino sah, musste ich lachen. Dort stolperte ich nämlich über ein ähnliches Konzept: Wie sähe es aus, wenn man das Unsichtbare sichtbar machen könnte? Also zum Beispiel Dinge wie schlechtes Gewissen, ängstliche Befürchtungen, großes Glück, schreckliche Niedergeschlagenheit ...

Die Absicht war, den Film aus diesem nichts sagenden "Fernseh-Movie-Naturalismus" zu befreien, ihm Luft unter die Flügel zu geben, damit er fliegen kann und im eigentlichen Sinne des Worte sehenswert wird. Die alte "Mann-trifft-Frau"-Geschichte wird die Menschen noch bis in alle Ewigkeiten interessieren, aber nicht, wenn sie wie von einer Kuh immer wieder gleichwarm wiedergekäut wird. So habe ich einige Phantasien aus dem Kopf der Hauptfigur auf die Mattscheibe verlagert, und nun können wir bestimmte Momente durch die Augen unseres Helden erleben, denn seinen Phantasien nehmen Gestalt an.

Frage: Ihre Lebensgefährtin Anna Loos spielt Linda, die Ihnen gleich zweimal ein Veilchen verpasst. Musste die Szene oft wiederholt werden oder saß das gleich beim ersten Mal?

Jan Josef Liefers: Oh ja, Lindas harte Rechte. Wir haben das ein paar Mal gedreht, aber ich war nie in Gefahr. Anna verfügt über ausgezeichnete Techniken im Abstoppen von Faustschlägen. Es gehört zu den Besonderheiten ihrer Figur, dass sie schon mal hinlangt, wenn ihr Worte sinnlos erscheinen. Linda wollte früher lieber ein Junge sein und hat sich entsprechende Verhaltensweisen zugelegt. Sie ist sehr stolz und arbeitet als Pilotin, wie früher ihr amerikanischer Vater. Sie hält sich recht und schlecht über Wasser mit touristischen Rundflügen über Berlin. Ihre Leidenschaft aber ist das Kunstfliegen. Martin hingegen leidet an tief sitzender Flugangst.

Frage: Ist es mitunter nicht schwierig, mit jemandem zusammen zu arbeiten, der einem privat nahe steht?

Jan Josef Liefers: Nicht, wenn man sich professionell anstellt. Der Umstand, dass man sich sehr gut kennt, kann vieles erleichtern. Wir haben beide mit dieser Professionalität gekämpft und so hat es großen Spaß gemacht, gemeinsam zu arbeiten. Anna hat bei dieser Produktion sehr viel mehr geleistet, als ihre Rolle zu spielen. Sie war jeden Tag am Set und hat diesen Film genauso zu ihrem Schicksal gemacht wie ich. Sie hat mich unterstützt und dafür gesorgt, dass es mir trotz des Stresses gut geht.

Grundsätzlich arbeite ich gern mit Freunden und nahen Bekannten zusammen, wenn das zu meinem Plan vom Film passt. So gehören auch die Darsteller Aleksandar Jovanovich, Oscar Ortega Sanchez und Simon Schwarz, um nur einige zu nennen, zu diesem Kreis. Ebenso mein Kameramann Clemens Messow. Ohne das sehr motivierte und kompetente Team, die geduldige und nervenstarke Produktionsleitung, die Rückendeckung der Produktionsfirma und meinen außergewöhnlichen Cutter wäre dieser Film nicht so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Immer, wenn es in die Grenzbereiche des Zumutbaren geht, erweist sich eine Freundschaft als belastbarer, verglichen mit einem Verhältnis, dass nur auf Vertragsverpflichtungen gründet.

Frage: Ist Martin eine Figur, mit der Sie sich identifizieren können?

Jan Josef Liefers: Es sieht eher so aus, als hätte ich mich mit ihm infiziert. Denn als ich eines schönes Drehtages zwischen Set und Regie-Monitor hin- und herrannte, trat ich ganz in Martin-Manier auf einen kleinen Sandsack und riss mir mal eben die Außenbänder am rechten Fuß. Das bedeutete eine Woche Drehstop und die Bekanntschaft mit den geheimen Methoden ausgebuffter Sportmediziner. Ich habe übrigens am dritten Drehtag aufgehört zu rauchen. Auf einer Packung Zigaretten steht wenigstens: Rauchen gefährdet die Gesundheit. In meinem Vertrag stand nichts davon, dass das auch fürs Regie führen gilt ...

Frage: Mit Ihren Worten: Was erwarten den Zuschauer bei "Die Frauenversteher"?

Jan Josef Liefers: Ein ungewöhnlicher Film. Es ist eine Komödie mit sehr romantischem Humor. Um das Mysterium Frau zu enträtseln und damit ihren Freund Martin aus seiner Melancholie zu reißen, gründen vier Computer-Freaks den Club der Frauenversteher. Dort entwickeln sie abenteuerliche Theorien, wie die, dass Frauen auf die Erde geschickt wurden, um den Mann in den schleichenden Wahnsinn zu treiben. Es folgen mehrere groteske Versuche, die Festung Frau zu erobern, bis schließlich ein besonders uneinnehmbares Exemplar in Person der Kunstfliegerin Linda ins Spiel kommt und Martins Don-Juan-Karriere jäh stoppt. Am Ende siegt natürlich die Liebe über alle Missverständnisse, Vorurteile und auch über die Vernunft. Aber bis dahin bleibt so gut wie niemandem etwas erspart.

Frage: Der Sänger Reinhard Mey ist in einer Nebenrolle zu sehen ...

Jan Josef Liefers: Ja, es zählt zu meinen schönsten Erfahrungen bei diesem Dreh, dass Reinhard Mey in der Rolle des Flugzeugmechanikers Bastel sein Filmdebüt gibt, was ihm nicht einen Moment anzumerken ist. Er hat sich ganz offen und vertrauensvoll "in meine Hände" begeben und wenn man sich den Film ansieht, könnten man denken, er hätte nie etwas anderes gemacht.

Frage: Welche neuen Projekte stehen bei Ihnen an?

Jan Josef Liefers: Ich habe ein Album aufgenommen. Es heißt: "J. J. Liefers 'Oblivion'" und die CD ist seit dem 8. April 2002 im Handel. Darauf sind 13 neue Songs mit der Kraft der zwei Herzen und ich werde nicht eher Ruhe geben, bis jeder in diesem Land diese Album kennt. Denn es lohnt sich. Das heißt, ich bin mit meiner Band im Probenraum und werde, sobald man mich lässt, auf eine Tour durch Deutschland gehen. Dazu gibt es im Moment keine verlockende Alternative.

• Dirk Jasper FilmstarLexikon
Dirk Jasper FilmLexikon
Das Interview führte Christine Beeck für Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper