Jasmin Tabatabai

* 8. Juni 1967 in Teheran, Iran • Schauspielerin, Sängerin • Biographie • Interviews • Filmografie • Discografie •

Biographie Jasmin Tabatabai ist Perserin und sie ist Deutsche; sie ist Schauspielerin und sie ist Musikerin; sie kann laut sein und ganz schüchtern, und dass all diese Gegensätze bei ihr keine Widersprüche sind, mag an ihrem Sternzeichen liegen, das allein für sich schon ein doppeltes ist: Zwilling. Geboren ist Jasmin Tabatabai als Jüngste von vier Geschwistern in Teheran. Ihre Eltern hatten sich ein paar Jahre zuvor auf dem Münchner Oktoberfest kennen gelernt, ineinander verliebt, und Jasmins Mutter war diesem schönen Perser, der ein bisschen aussah wie Erroll Flynn kurzerhand in den Iran gefolgt.

Dort wuchs Jasmin Tabatabai als jüngste von vier Geschwistern auf, machte erste Bühnenerfahrungen in Schulmusicals wie "Struwwelpeter" und hatte eine wunderschöne friedliche Kindheit unter der warmen Sonne des Orients.

1979 wurde alles anders. Im Iran brach die Islamische Revolution aus, Khomeini kam an die Macht, die Zukunft des Landes war ungewiss. Wie so viele andere verließ auch Jasmins Mutter mit den Kindern das Land, der Vater blieb, man dachte, es sei eine Trennung von kurzer Dauer.

Dass es anders kommen und sie das Land ihrer Kindheit für immer hinter sich lassen sollte, wusste Jasmin nicht, als sie mit zwölf Jahren nach Krailling in Bayern kam. Hier sagte man "Grüß Gott", man durfte nicht auf Rasen spielen und nach 22 Uhr war Bettruhe. Kein warmer Wind, kein Grillenzirpen, eine fremde neue Welt.

In der Schule war sie bald die Außenseiterin. Dunkelhaariger als die anderen und lauter und frecher, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Mit 16 Jahren flog sie wegen Aufsässigkeit aus der Schulband, mit 17 war sie Schulsprecherin. Man muss nicht den Mund halten, um Karriere zu machen.

1988 schrieb sich Jasmin Tabatabai an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart ein und entdeckte dort ihre große Liebe für die Musik. Sie war eine der Mitbegründerinnen der schauspielschul-internen Cover-Band Goodbye Strasberg; sie sang bei der schwäbischen Jazz-Funk-Band Eskimo's Ecstasy, für die sie auch erste eigene Songtexte schrieb und auf deren CD Eskimo's Ecstasy sie zu hören ist. Nebenbei machte sie ihr Studium und hatte ganz nebenbei 1992 ihre erste große Hauptrolle im Kinofilm Kinder der Landstraße, ein Kritiker attestierte ihr darin "hohe Sensibilität und Anziehungskraft".

Nach dem Studium spielte Jasmin Tabatabai zunächst Theater. Erst in Stuttgart, es folgte ein Engagement am Hans-Otto-Theater in Potsdam und damit der Umzug nach Berlin. Seitdem, seit 1992, lebt sie in Berlin-Kreuzberg und ist mit diesem Stadtteil inzwischen so verbunden, dass man sie von dort nur schwer weg denken kann.

In Kreuzberg war auch der Proberaum der mittlerweile fast schon legendären Country-Trash-Band Even Cowgirls Get The Blues, die Jasmin Tabatabai mitgründete. Sie war Sängerin und schrieb Songs für diese Mädchenband, die sich über alle Klischees über Cowboys und Westernmusik lustig machte. Die Cowgirls gaben zahllose Konzerte, sie veröffentlichten die Singles Sugartown und Little redhaired girl, die EP Yeehaw, sowie das Album It all ends in smoke.

Der Film Bandits stellte 1997 einen Höhepunkt in Jasmin Tabatabais Karriere, sowohl als Schauspielerin als auch als Musikerin dar. Sie war eine der Hauptdarstellerinen, Sängerin und Hauptkomponistin des Film-Soundtracks, einem Musikfilm von Katja von Garnier.

Dafür erhielt sie neben glänzenden Kritiken die Goldene Schallplatte, den Bayrischen Filmpreis für Musik, den RSH Gold Publikumspreis und hatte mit über 600.000 verkauften Einheiten einen der erfolgreichsten Originalsoundtracks Europas gemacht. Immer öfter wurde Jasmin Tabatabai in Interviews nun eine Frage gestellt, die für sie nicht zu beantworten ist: "Sehen Sie sich eher als Schauspielerin oder als Musikerin?"

"Ich will immer ungewöhnliche, starke, nicht unbedingt toughe Frauen darstellen", begründet Jasmin Tabatabai ihre sparsam wirkende Rollenwahl. Und: "Ich erlaube mir, nur die Sachen zu spielen, auf die ich verrückt bin".

1999 gründete sie ihr erstes Musikstudio, das Studio Jasmin, mit Sitz in Kreuzberg. Sie drehte Filme wie Gierig (1998), Late Show (1999) und Die Unberührbare (2000).

2000 kam dann wieder ein Film ins Kino, in dem Jasmin Tabatabai auch singt: In Gripsholm spielt sie eine verruchte jüdische Nachtclubsängerin und ist auf dem Soundtrack mit ihrer Interpretation von vier Kurt Tucholsky-Liedern zu hören, neu komponiert von der international bekannten Schweizer Klezmer-Band Kol Simcha.

Im Sommer 2002 sang Jasmin Tabatabai an der Bonner Oper: In Alzheimer 2000 mit Musik von FM Einheit stand sie in der Rolle der Ulrike Meinhof auf der Bühne.

Mit dem Gedanken, eine eigene Platte aufzunehmen, hatte Jasmin Tabatabai schon lange gespielt - schnell war ihr allerdings klar geworden, dass ihre Vorstellungen mit denen der Plattenfirmen nicht überein stimmten. Sie wollte die absolute Kontrolle über ihre Musik, und sie hatte nicht vor, zu Promotionszwecken in sexy Kleidchen in jeder Talkshow ihr Album in die Kamera zu halten.

Im deutschen Musikgeschäft offenbar eine ungewöhnliche Haltung. Also gründete Jasmin Tabatabai 2001 kurz entschlossen ihr eigenes Plattenlabel Polytrash, eröffnete die Polytrash Studios in Berlin-Kreuzberg - und machte sich an die Arbeit.

Anfang 2002 brachte sie dann ihr erstes Soloalbum heraus: Only love. Es sind ausschließlich Liebeslieder, wunderbare Songs über das Verlassenwerden, und Jasmin Tabatabai singt sie zart und so ehrlich, dass man sofort Liebeskummer haben möchte, weil es so wunderschön traurig ist. Die Kritik war begeistert.

Das Album sei eine gelungene "Mischung von Stärke und Gebrochenheit", hieß es, Jasmin Tabatabais Stimme habe einen "natürlichen Charme" - "ein bezauberndes Album," fand der Rolling Stone. Am besten könne man ihre Musik vielleicht als Indie-Pop bezeichnen, sagte Jasmin Tabatabai selbst, und: "Was man auf der Platte hört, das bin zu hundert Prozent ich."

Die Platte hielt sich wochenlang im vorderen Viertel der Charts, die "Only Love"-Tour durch Deutschland und Österreich war vollends ausverkauft, krönender Abschluss: das letzte Konzert, gewissermaßen ein Heimspiel, am 26. März 2002 in der übervollen Columbia-Fritz-Halle in Berlin.

Mit einemmal standen da plötzlich alle drei Bandits-Hauptdarstellerinnen auf der Bühne - Jasmin Tabatabai hatte Katja Riemann und Nicolette Krebitz im Publikum entdeckt und auf die Bühne gebeten - und sangen ihre Hits in frischen Versionen. An diesem Abend dauerten die Zugaben etwa so lange wie das gesamte Konzert, und der Schlussapplaus beinahe noch einmal so lange.

Und am 27. Januar 2003 war er endlich da, der Live-Mitschnitt dieses Konzerts: Only Live. Darauf auch die größten Bandits-Hits in frischen Versionen, es ist das erste Mal überhaupt, dass es neue Versionen dieser Titel gibt. Und wenn man hört, wie das Publikum den Text mitsingt, wie es jede Silbe, jeden Ton auswendig kennt, wird klar: Die Musik wird den Film überdauern.

Songs wie Catch Me, Puppet on a string, Photograph oder If I were God klingen heute, in diesem Live-Mitschnitt, fast noch besser, noch kraftvoller als vor fünf Jahren - Jasmin Tabatabai macht richtige Hymnen daraus. Only love eben - live und: mit Liebe.

Demnächst ist sie in dem Kinofilm Sams in Gefahr von Ben Verbong zu sehen. Auch als Synchronsprecherin war Jasmin Tabatabai bereits tätig. In Disneys Zeichentrickspaß Hercules lieh sie der frechen Meg ihre deutsche Stimme.


Interviews
Filmografie
  • 1991: Kinder der Landstraße
  • 1992: TV-Film: Dann eben mit Gewalt
  • 1994: TV-Film: Lemgo
  • 1994: Die Mediocren
  • 30. Juli 1995: TV-Serie: Tatort: Herz As
  • 1995: TV-Film: Unbeständig und kühl
  • 1995: TV-Film: Bandagistenglück
  • 10. Oktober 1996: Die Putzfraueninsel
  • 3. Juli 1997: Bandits
  • 1997: Verspielte Nächte
  • 20. November 1997: Hercules (Synchronstimme)
  • 1998: TV: Gomez - Kopf oder Zahl
  • 12. November 1999: Der Eisbär
  • 25. Februar 1999: Late Show
  • 1999: Umnachtung
  • 1999: TV-Film: Rendezvous mit dem Teufel
  • 3. Februar 2000: Gierig
  • 20. April 2000: Die Unberührbare
  • 16. November 2000: Gripsholm
  • 25. Oktober 2001: Mondscheintarif
  • 24. Juli 2003: Sinbad - Der Herr der sieben Meere (dt. Synchronstimme Marina)

Discografie
  • Januar 2002: Only Love
  • 27. Januar 2003: Album: Only Live
Jasmin Tabatabai
Jasmin Tabatabai in 'Die Putzfraueninsel'
Jasmin Tabatabai in 'Bandits'
Filmplakat zu 'Hercules'
Filmplakat zu 'Der Eisbär'
Jasmin Tabatabai in 'Late Show'
Jasmin Tabatabai in 'Gierig'
Filmplakat zu 'Die Unberührbare'
Jasmin Tabatabai in 'Gripsholm'
Jasmin Tabatabai in 'Mondscheintarif'
Marina in 'Sinbad'

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