Interview mit Jason Statham

Mein Auswahlkriterium für meine Rollen ist die Affinität, die ich für den Charakter empfinde. Ich muss also etwas psychologisch und physisch sein!

Jason Statham spielt in dem Film The Transporter die Hauptrolle Frage: Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

Jason Statham: Mein Agent, Steve Chasman, ist auch der Agent von Jet Li. Er hat schon für Luc Besson bei Kiss of the Dragon gearbeitet. Luc hat gesagt, dass er wahrscheinlich eines Tages mit mir zusammenarbeiten würde. Ehrlich gesagt, auch wenn ich enorm Lust hatte, ich habe mir keine großen Hoffnungen gemacht: Luc ist jemand so Wichtiges ...

Und dann eines Tages, hat er mich gebeten, zu kommen, wir haben uns am Flughafen getroffen. Ich hab's kaum glauben können. Wir haben viel geredet, er hat mir das Drehbuch gegeben, ich hab's geliebt und sechs Monate später war der Film fertig!

Frage: Können Sie uns ihre Rolle vorstellen?

Jason Statham: Ich spiele Frank, er ist ein junger Mann mit militärischer Vergangenheit, aber darüber weiß man nicht viel. Diese Ausbildung hilft ihm nur, sich aus den gefährlichsten Situationen zu retten.

Er will weder Bindung, noch Probleme. Er lebt in Südfrankreich. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, transportiert er alles, was die Post nicht mitnimmt! Er stellt keine Fragen, er braucht nur die Adresse und einen guten Batzen Geld, das ist alles. Der Rest ist nicht sein Problem.

Aber bei dieser Mission fängt er an, sich Fragen zu stellen. Ich glaube, dass Frank ein guter Typ ist, der einen Reifeprozess durchmacht. Dieser Auftrag stößt ihn zum Denken an und lässt ihn entscheiden, welcher Seite er angehört. Zum ersten Mal spürt er etwas: aus dem einfachen, starken, bezahlten "Händler" wird ein Mensch, der sich entscheidet, zu handeln.

Frage: Sie bevorzugen Rollen, die das Physische mit dem Psychologischen verbinden, trifft das auch dieses Mal zu?

Jason Statham: Ich habe viele verschiedene Dinge gespielt. Ich habe gelernt, im Kontakt mit dem Publikum zu spielen, indem ich mich überall produziert habe, in den Straßen, im Theater. Ich hatte schon viel gespielt, bevor ich zum Film gegangen bin. Dort habe ich meine Erfahrungen gemacht.

Ich habe nicht wirklich einen Plan für meine Karriere, ich mag es einfach, zu verkörpern. Mein Auswahlkriterium für meine Rollen ist die Affinität, die ich für den Charakter empfinde. Ich muss also etwas psychologisch und physisch sein! Mit der Rolle von Frank ist der Schritt noch entschiedener. Es ist das erste Mal, dass ich eine so differenzierte Rolle übernehme. Die Komplexität dieses Charakters ist reell.

Auch wenn es ein Action-Film ist, wo alles schnell geht, wo man kämpft, schnell fährt, verfolgt man die Entwicklung einer Person. Frank am Anfang des Films zu spielen, ist ganz und gar nicht dasselbe wie am Ende. Er verändert sich, er entwickelt sich, er findet sich. Es ist der Weg von jemandem durch ein einmaliges Abenteuer. Zwangsläufig hinterlässt das einige Spuren ...

Frage: War dies eine besonders schwere Rolle, was das Körperliche angeht?

Jason Statham: Das Drehbuch lässt keinerlei Raum zum Verschnaufen und selbstverständlich spürt man das bei den Anforderungen während des Drehs. Es gibt Kämpfe, Kaskaden, wir hatten Glück, einen der besten Koordinatoren für Kampfszenen zu haben, die es gibt, Cory Yuen, aber um ihre Frage zu beantworten, ja, ich habe ganz schön gekeucht!

Ich habe mir ein paar ordentliche Kinnhaken eingefangen, bin gefallen, ich habe mir Glieder verstaucht, Gelenke verrenkt, mich ständig verletzt. Man musste eben alles geben! Ich habe schon immer viel Sport gemacht, das mag ich, ich habe also nicht nur das eingesetzt, was ich vorher schon hatte, ich musste mich noch weiter treiben. Wir hatten keine Zeit, vor dem Dreh ein Trainingsprogramm durchzuführen. Ich musste gleich loslegen.

Frage: Wie sind Sie bei den Kämpfen vorangekommen?

Jason Statham: Zu 99 Prozent war ich unerschrocken. Ich habe viel parallel zum Dreh trainiert. Wir wurden außergewöhnlich gut geführt. Das war auch nötig, da die Konfrontationen heftig waren, die Kämpfe lang, sie verbanden die Figuren und Effekte in der Inszenierung.

Ich hatte immer mehrere Gegner, in manchmal winzigen Orten, die alles noch komplizierter machten. Das setzt eine hervorragende Mannschaft voraus. Dank derer bin ich noch nicht tot!

Frage: Frank ist ein Fahr-Experte, ist das ein Aspekt, den sie mit ihm teilen?

Jason Statham: Nicht in dem Maß! Ich liebe Autos, ich liebe es, Auto zu fahren. Dieser Film ist ein Traum jedes kleinen Jungen: Es gibt die dicksten Autos, die schnellsten, wir haben unglaubliche Szenen in wunderschönen Landschaften gedreht, auf der Croisette in Cannes, in der Altstadt Nizzas. Ich habe probiert, so viel wie möglich selbst zu fahren, wenn ich es konnte und wenn die Versicherungen es mir erlaubten. Letztendlich musste ich mehr als die Hälfte fahren.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Louis Leterrier und Cory Yuen?

Jason Statham: Sie haben sich ergänzt. Sie haben direkt zusammengearbeitet, aber ihre Bereiche waren klar definiert. Es hat gleich zwischen Louis und mir gefunkt. Er ist jung. Er hat eine echte Begabung, sich Dinge vorzustellen.

Er hat den Film auf seine Schultern genommen. Er hat es ermöglicht, dass wir unsere Arbeit unter den besten Umständen machen konnten. Er ist neugierig, er kann zuhören, er entscheidet schnell, ich glaube, er hat eine große Zukunft vor sich.

Luc und ich haben zunächst über meine Rolle geredet, über Franks Vergangenheit, seine Reaktionen, die Art und Weise, wie ich ihn empfinde. Sobald gedreht wurde, hat Louis mir komplette Freiheit gelassen.

Er war immer da, wenn ich einen Zweifel oder eine Frage hatte. Es ist nicht einfach, einen so technischen Dreh mit dem Spiel der Schauspieler zu verbinden. Er hat niemals das eine auf Kosten des anderen vernachlässigt.

Frage: Was für einen Unterschied gibt es zwischen einem englischen und einem französischen Dreh?

Jason Statham: Hollywood ist eine große Maschine. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Typen dort unnötig herumstehen und nur am Drehort sind, um Honig um den Bart zu schmieren, ohne jemals wirklich ehrlich zu sein.

In den Vereinigten Staaten sollte man sich davor hüten, jemanden zu beleidigen, der einen zerstören könnte. In Frankreich ist es alles familiärer. Man redet, man verbringt Zeit miteinander, man tauscht Meinungen aus. Man kann mit jedem am Set reden, die Menschen sind weniger künstlich, sie sind wärmer.

Ich erinnere mich an Filme, bei denen ich nicht mehr, als eine Schachfigur war, mit der der Regisseur gespielt hat. Bei diesem hier habe ich wirklich das Gefühl, dass ich etwas in einer Gruppe geschafft habe. Es ist sehr befriedigend, menschlich gesehen, und man merkt es der Qualität des Films an.

Frage: Wie ist der Dreh verlaufen?

Jason Statham: Die Atmosphäre war phantastisch. Jeder hat sich Mühe gegeben, mit mir englisch zu reden. So sehr, dass es mir fast peinlich war, dass ich kein französisch sprechen konnte. Die ganze Mannschaft war sehr offen. Ich fühlte mich sehr willkommen.

Wir haben wunderbare Momente geteilt. Wir haben an einigen der schönsten Plätze Südfrankreichs gedreht. Wir waren mit nur einem Problem konfrontiert: Es war kalt! Wir haben mitten im Winter gedreht, von Dezember bis Februar, ich hatte häufig nur ein T-Shirt an, und sobald eine Einstellung zu Ende war, habe ich mich schnell in meine Daunenjacke eingehüllt.

Es hat was surreales, wenn man einen Typen mit freiem Oberkörper agieren sieht, während um ihn herum alle mit Handschuhen und Mütze dastehen ...

Frage: Können Sie uns von Ihren Filmpartnern erzählen?

Jason Statham: Shu Qi ist eine absolut liebenswerte, junge Frau. Sie ist ebenso keck wie einschüchternd. Sie kann alles spielen. Sie kann sich in eine junge, ängstliche Frau verwandeln und im nächsten Moment ist sie eine leidenschaftliche Militantin, und das alles vollkommen unschuldig oder umwerfend sexy. Es war eine Freude, mit ihr zu spielen.

François Berléand ist ein sehr guter Dreh-Begleiter. Er ist ein Mann, der es versteht, zu leben. Er hat mir zwei, drei Dinge auf französisch beigebracht, wir haben wirklich gute Momente miteinander verlebt. Er ist ein großer Schauspieler, der niemals vergisst, die Dinge leicht zu nehmen.

Matt Schulze spielt meinen Feind. Wir sollten uns nicht miteinander verstehen, es sei denn außerhalb der Dreharbeiten. Ich finde, er spielt den Bösen großartig.

Frage: Welches Gefühl bleibt Ihnen, jetzt wo der Film fertig ist?

Jason Statham: Der Eindruck, dass man zu einer Gruppe gehörte, die wirklich Lust hatte, eine unterhaltsame, spektakuläre und sehr aktuelle Geschichte zu erzählen. Wir waren alle da, um Kino zu machen, das scheint logisch, aber wir sind weit davon entfernt, dass es immer so ist ...

Jason Statham
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Dirk Jasper FilmLexikon

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