Jean Richard ?
* 18. April 1921 in Bessines, Deux-Sèvres, Frankreich • ? 12. Dezember in Senlis bei Paris, Frankreich • Schauspieler • Biographie • Filmographie •
Jean Richard Biographie Jean Richard wurde als Sohn eines Pferdehändlers im westfranzösischen Bessines geboren. Richard war ein Multitalent: Er begann als Zeichner und Karikaturist, stand aber bereits als 18-jähriger auf den Kabarett-Bühnen in Lyon. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in den französisch besetzten Gebieten Deutschlands als Theaterschauspieler in der Truppenbetreuung tätig. Er sang auch in Operetten, schrieb Bücher und wirkte in über 100 Kinofilmen sowie als Kommissar Maigret in der wohl erfolgreichsten französischen TV-Serie mit. Er gründete einen Zoo, einen Zirkus und einen Erlebnispark. Seine eigene TV-Serie über "Diese Tiere, die man Bestien nennt" schlug eine Bresche für Tierschützer und Ökologen.

Auch in Deutschland fanden die "Maigret"-Filme mit Richard - typisch mit Pfeife und Filzhut - in den 70er und 80er Jahren ein Millionenpublikum und gehörten zu den populärsten Krimiserien. Die weltberühmte Figur des nachdenklichen, stillen Kommissars hatte der belgische Schriftsteller Georges Simenon (1903 - 1989) geschaffen. Richard ist wohl der einzige Schauspieler, der von sich sagen konnte, dass er alle Maigret-Geschichten (insgesamt 92 Romane) fürs Fernsehen verfilmt hat.

Erstmals stand er 1967 als Maigret vor der Kamera. Den legendären, unaufgeregten, aber intelligent-spürsicheren Simenon-Kriminalkommissar mit Pfeife und Filzhut verkörperte Richard das erste Mal 1967. Die letzte der 92 Episoden wurde im Juni 1990 im französischen Fernsehen ausgestrahlt. Autor George Simenon hatte ihn selbst für die Rolle ausgesucht, die er dann verkörperte.

Richard war bereits der zwölfte Maigret; unter seinen illustren Vorgängern befanden sich Charles Laughton, Michel Simon und Heinz Rühmann. Er war nicht der definitive Maigret, das ist und bleibt Jean Gabin. Aber Richard drehte vier, fünf Folgen im Jahr, erhielt für jede umgerechnet 22.500 Euro, er engagierte sich für den Tierschutz und behielt genug Zeit übrig für seine große Leidenschaft, den Zirkus.

Werbeschild für den Zirkus von Jean Richard 1973 erlitt Richard einen schweren Autounfall, von dem er sich nur mühsam wieder erholte. Für ihn ein Grund, sich auch anderen Dingen zu widmen. Er gründete in diesem Jahr seinen eigenen Zirkus, den Pinder - Jean Richard, den er bis 1978 leitete, ging mit Löwen, Pferden und Elefanten auf Wanderschaft und trat als Raubtierdompteur in der Manage auf. Und er baute an seinem Wohnsitz Ermenonville nördlich von Paris Le Mer de Sable (das Sandmeer), den ersten französischen Freizeitpark, lange vor Euro-Disney.

Jean Richard bei Dreharbeiten zu 'Maigret' 24 Jahre und 92 "Maigret"-Folgen lang ging seine TV-Kommissar-Karriere gut, bis Richard 1990 aus der Zeitung erfuhr, dass sein Sender den Kommissar in den Ruhestand versetzt habe, fristlos, ohne Abfindung. Sein Vertrag hatte ihm in den letzten Jahren verboten, andere Film- oder Fernsehrollen anzunehmen, und plötzlich stand Richard mit 1.400 Euro Rente da - und einem Privatzoo, den er schnellstens verkaufen musste. Man hatte versprochen, vier alte "Maigrets" pro Jahr auszustrahlen, was vier Mal 4.000 Euro Wiederholungshonorar bedeutet hätte, doch 1991 wurde Bruno Cremer als neuer Kommissar angeheuert, und alte Folgen verstauben im Archiv, um dem aktuellen Maigret keine Konkurrenz zu machen. Cremer erhielt pro Folge 115.000 Euro.

Jean Richard war mit der Schauspielerin Annick Tanguy verheiratet, die auch mal an seiner Seite als Madame Maigret im Fernsehen zu sehen war. Jean Richard starb im Alter von 80 Jahren an Krebs. Wie die Familie mitteilte, erlag Richard der Krankheit in einem Krankenhaus in Senlis nördlich von Paris.


Filmographie
Dirk Jasper FilmLexikon
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