Interview mit Jennifer Nitsch

"Kostüm kann für eine Rolle so viel ausmachen."

Jennifer Nitsch spielt die weibliche Hauptrolle der Franziska Reitmann in dem TV-Film "Am Ende die Wahrheit", der am 15. Oktober 2002 um 20.15 Uhr auf Sat.1 gesendet wird: Ihr Bruder wurde ermordet, weil er zu viel wusste. Eine Frau im scheinbar aussichtslosen Kampf für den Sieg der Wahrheit über das Verbrechen ... Hundert Prozent Jennifer Nitsch, hundert Prozent Spannung! Zickig und schwierig soll sie sein. Dabei sagt Jennifer Nitsch nur ihre Meinung. Auch in diesem Interview über ihre Rollenfigur Franziska und deren Recherchen in Jennifers Vergangenheit.

Frage: Sie sind Schütze, gelten als resolut, selbstbewusst, aber auch eigensinnig. Das klingt nach großer Übereinstimmung mit Franziska Reitmann.

Jennifer Nitsch: Ich bin 1966 geboren, also Feuerpferd, was das Ganze noch verdoppelt. Mein Antwort: ein klares "Ja"!

Frage: So mancher Artikel über Sie beginnt mit den Worten "Es war einmal eine Kostümbildnerin ...". Wie wichtig ist Ihnen dieser Lebensabschnitt heute noch?

Jennifer Nitsch: Absolut wichtig. Ich achte heute noch ganz genau auf die Kostüme. Kostüm kann für eine Rolle so viel ausmachen. Genauso naiv, wie Franziska dauernd hin- und herläuft, ist sie auch gekleidet, das passt.

Frage: Auch der alte Ford Taunus, den sie fährt?

Jennifer Nitsch: Klar, den fand ich spitzenmäßig! Ich fahre seit 18 Jahren Mini, British Elend, wie man sagt, und habe eine Schwäche für alte Autos.

Frage: Können Sie die auch reparieren?

Jennifer Nitsch: Nein, dafür habe ich Costa, einen netten Griechen. Aber einen Reifen könnte ich trotzdem wechseln.

Frage: Stimmt es, dass Ihr Vater Top-Manager bei Ford war?

Jennifer Nitsch: Ja. Die Szenen, in denen Franziska in die Halle mit den Flugzeugteilen reinläuft und das Ersatzteil klaut, wurden in den untersten Etagen des Ford-Werkes gedreht, in dem mein Vater damals gearbeitet hat. Ich denke viel an meine Eltern, aber dieser Dreh hat mich ganz besonders berührt.

Frage: Trifft das auch auf Franziskas Abschied von ihrem Bruder zu?

Jennifer Nitsch: Ich liebe meinen eigenen Bruder sehr. Er ist zwar älter als ich, nennt mich aber "seine große Schwester". Die Szene, in der Franziska um ihren toten Bruder weint, habe ich ohne Proben gedreht und dabei nur geadcht: Wenn meinem Bruder was zustoßen würde! Franziska weint weder im Krankenhaus noch auf der Beerdigung, bringt alle noch ins Bett. Am Ende des Tages setzt sie sich, klein wie ein Häschen in der Grube, allein vors Haus und weint. Für mich ist das eine der wichtigsten Szenen des Films, die ihr Kraft gibt, für ihren Bruder und die Wahrheit zu kämpfen.

Frage: Leiden Sie unter Flugangst?

Jennifer Nitsch: Nein, gar nicht, Platzangst schon eher. Von Flugangst bin ich seit den Drehs zur Urlaubsserie "Glückliche Reise" geheilt.

Frage: Sind Sie ein Workaholic?

Jennifer Nitsch: Ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Wenn das Workaholic heißt, bitte. Aber ich kann nur gut in meinem Beruf sein, wenn es auch privat stimmt.

Frage: Wie kritisch gehen Sie mit Ihrer eigenen Arbeit um?

Jennifer Nitsch: Sehr kritisch. Fakt ist: Ich verdiene mit meiner Arbeit viel Geld, trage aber auch eine große Verantwortung. Ob Kino oder Fernsehen, internationale oder deutsche Produktion: Ich denke, man sieht, dass ich mich auf meine Rollen vorbereite.

Frage: Sind Ihnen solche bodenständigen Rollen wie Franziska näher als glamouröse Damen der Gesellschaft?

Jennifer Nitsch: Beides gefällt mir gut, aber natürlich bin ich im Herzen bodenständige Kölnerin. Während einer Drehpause habe ich die Jungs bei Ford gefragt, ob sie mir beibringen können, wie man einen Gabelstapler fährt. Erst hieß es, das geht nicht aus Versicherungsgründen. Ich habe es trotzdem probiert: Ich kann jetzt bei Ford Gabelstapler fahren. Das ist ein guter Satz, schreiben Sie den mal auf!

Corinna Harfouch in 'Am Ende die Wahrheit'
'Am Ende die Wahrheit': Szenenfoto. Foto: Sat.1
'Am Ende die Wahrheit': Szenenfoto. Foto: Sat.1
'Am Ende die Wahrheit': Szenenfoto. Foto: Sat.1
'Am Ende die Wahrheit': Szenenfoto. Foto: Sat.1
'Am Ende die Wahrheit': Szenenfoto. Foto: Sat.1
'Am Ende die Wahrheit': Titelbild Presseinfo

Dirk Jasper FilmLexikon

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