Interview mit Joachim Król
Joachim Król Joachim Król ist Hauptdarsteller im Liebesdrama Der Krieger + die Kaiserin. Frage: Wie w.rden Sie Ihre Rolle beschreiben?

Joachim Król: Ich spiele Walter, den Bruder von Bodo. Die beiden sind zwei Männer, die ein ganzes Stück zusammen gegangen sind, nicht nur aus familiären Gründen, sie waren auch zusammen bei der Bundeswehr.

Walter lernen wir in einem Moment kennen, in dem er weiss, dass etwas ganz Entscheidendes passieren musss, damit das Leben wieder in Bewegung kommt. Er hat den Plan, und bringt ihn auch auf den Weg. Gleichzeitig kümmert er sich um seinen Bruder, der durch ein schreckliches Ereignis traumatisiert ist. Der Plan soll die beiden am Ende auf die andere Seite der Erde, nach Australien führen: Ein grösseres Bild für eine radikale Veränderung kann es nicht geben!

Frage: Das hat ja auch so eine märchenhafte Ebene, man denkt an zwei Jungs, die auf dem Schulhof zusammen spielen ...

Joachim Król: Ja, das ist so eine klassische Konstellation: Ich glaube schon, dass sich sowas durch ein ganzes Leben ziehen kann, wenn es in der Kindheit einmal etabliert wurde. In der Geschichte erfährt man ja nicht soviel über den elterlichen Hintergrund, aber vielleicht fing das ja wirklich schon ganz früh an. Als Schauspieler baut man sich so eine Biografie zusammen, und ich denke, dass Walter da schon sehr früh Verantwortung übernommen hat.

Frage: Darf man dieses traumatisierende Erlebnis denn konkreter ansprechen?

Joachim Król: Nein, lieber nicht. Das war ohnehin iemlich schwierig bei diesem Drehbuch. Man kann da gar nicht einfach so über die Geschichte plaudern, da sie sehr komplex ist. Wenn ich da nur meinen eigenen Erzählstrang vertrete, werde ich der Gesamtgeschichte nicht gerecht. Da gibt es beispielsweise noch diese ganze Ebene der Psychiatrie, die noch mal eine ganz andere Geschichte erzählt, in der Walter gar nicht vorkommt. Einfach schnell mal sagen, um was es geht, bringt einen da nicht weiter.

Frage: Zwischen diesen Brüdern herrscht ja ein sehr empfindliches Gleichgewicht: Was ist Walter für seinen Bruder, und umgekehrt?

Joachim Król: Ich glaube, dass Walter bei Bodo für das Zuhause steht. Wir leben in diesem Haus und führen dort ein Leben auf Abruf. Man spürt, dass es ein Provisorium ist, dass wir auf dem Weg sind.

Durch diese schreckliche Geschichte ist Bodo im Grunde heimatlos, und ohne mich, ohne Walter, stünde er ganz schön blöd da. Und für Walter ist Bodo die Restfamilie, es gibt da ja niemanden anderen. Verantwortung ist für ihn ein sehr wertvoller Begriff. Er hat auch den Soldatenberuf so wahrgenommen. Er war Offizier, ein Vorbild, einer, der einfach für seine Leute da war, ohne ein grosses Aufheben drum zu machen.

Frage: Dieses Gleichgewicht wird durch Sissi ja sehr gestört.

Joachim Król: Nach Walters Meinung ist sie die falsche Person, und mit Sicherheit ist es der falsche Zeitpunkt: In dem Moment, in dem sie erscheint, können wir wirklich niemanden gebrauchen, der sich in irgendeiner Weise in unser Leben einmischt. Für die wenigen Begegnungen, die ich mit ihr habe, habe ich mir zwei 'Sub-Texte' zurecht gelegt.

Der eine war: 'Die hat'se nicht mehr alle', und der andere war 'das ist ja ein merkwürdiger Käfer'. Was sie dann aber auslöst durch ihr wiederholtes Auftauchen, hat für uns alle, oder zumindest für Bodo, doch gute Auswirkungen.

Frage: Hat das auch etwas damit zu tun, dass sie eine Frau ist, die in diese Männer-, Brüdergemeinschaft eindringt?

Joachim Król: Nein, das steht nicht im Vordergrund. Vorausgesetzt das wäre zu einer anderen Zeit geschehen, und da wäre eine handfestere Frau gekommen, dann fände Walter das schon gut. Aber das ist sie ja nun absolut nicht, wir werden sie ja erleben!

Frage: Was bringt einen seriösen Bankangestellten dazu, in diesem Provisorium zu hausen?

Joachim Król: Walter arbeitet da ja nur als Wachmann, außerdem ist er erstmal Soldat. Da werden ja auch immer mal wieder Leute auf die Strasse gesetzt, warum das ausgerechnet ihm passiert ist, ist dabei nicht klar, jedenfalls hat er seine Arbeit verloren und hält sich mit diesem Job über Wasser. Die beiden sind im Grunde nicht sehr anspruchsvoll. Sie können gut so leben. Aber nicht bis ans Ende ihrer Tage, die wollen schon noch mal hinaus in die Welt!

Frage: Wuppertal ist ja zunächst mal filmisches Neuland.

Joachim Król: Das ist eine sehr ungewöhnliche Stadt, so ein Städteverbund, wie er in den Siebziger Jahren dann ganz oft gemacht wurde; hier ist das viel früher passiert. Es sind hier auch schon ein paar Filme gedreht worden, Wenders' 'Alice in den Städten' beispielsweise. Sicherlich ist Wuppertal nicht für die Filme bekannt, die hier gedreht wurden, obwohl es eine sehr filmische Stadt ist, mit diesen steilen Steinstrassen, dieser ungewöhnlichen Bahn, und diesem zentralen Sparkassengebäude, von dessen Terrasse wir die ganze Stadt überblicken kinnen. Tom kommt von hier, und es war einfach fällig, dass er hierher zurückkehrt und hier mal einen Film dreht.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Tom Tykwer?

Joachim Król: Das ist unsere dritte Zusammenarbeit, und es macht einfach Spass! Er ist konzentriert, kompetent und leidenschaftlich. Ich kenne ja mittlerweile einige, und jeder hat so seine Qualitäten, aber bei Tom bin ich jedesmal wieder gespannt, was er da macht. Und ich habe immer das Gefühl, einen Teil der Geschichte noch gar nicht verstanden zu haben: Ich freue mich jetzt schon auf die Premiere, und darauf, was sich mir dort noch erschliessen wird. Ich hoffe, dass Tom weiter mit mir plant - ich plane auf jeden Fall weiter mit ihm.

Frage: Sie sind ja ein eher ruhiger, statuarischer Schauspieler. Wie verträgt sich das mit Toms bewegtem Kino?

Joachim Król: Ich bin sicherlich kein Körperschauspieler. Aber Tom wollte das für diese Geschichte haben, dann musss man halt daraufhin arbeiten. Tom hat sich gewünscht, dass insbesondere Bodo und Walter für diesen Film physisch fit sind. Also habe ich gut trainiert. Aber wie das so ist, wenn man etwas plant: Es kommt etwas dazwischen. Drei Wochen vor dem Dreh hatte ich diesen Unfall, einen Bänderriss. Ich bin dann richtig wie ein Fussballprofi behandelt worden, wurde ganz systematisch dahin trainiert, dass ich alles machen konnte, wenn es gebraucht wurde. Am ersten Drehtag, auf dem Dach der Sparkasse konnte ich mich noch kaum rühren. Jeden Tag nach Drehschluss wurde ich dann massiert, therapiert und angeleitet. Auf diese Weise ging's. Ich sollte ja auch diese kleine Taekwondo-Demonstration machen, und es gefiel mir, dass jemand mal sowas von mir wollte!

Frage: Welchem Genre würden Sie den Film zurechnen?

Joachim Król: Da haben wir während der Dreharbeiten oft darüber geredet. Immer wieder fiel das Schlagwort 'modernes Liebesmelodram'. Mit Sicherheit ist es nicht Lola II.

Frage: Welche Gefühle mobilisiert der Film?

Joachim Król: Man ist sehr früh neugierig. Man fragt sich, wohin das führen soll, und was das denn für eine merkwürdige Person ist, denn das sind ja Leute, denen man nicht jeden Tag begegnet. Aber ich kümmere mich in erster Linie um meine Figur und die Situation, in die sie gerät. Die Stimmung und den Look machen dann andere. Auf jeden Fall ist es eine romantische Geschichte, und traurig ist sie sicherlich auch.

Frage: Der Film hat ja einerseits diese märchenhaften Elemente, andererseits handelt er auch von ganz harter Realität.

Joachim Król: Ich glaube, dass die surreale Ebene mehr zu den beiden anderen Figuren gehört. Ich bin da eher die handfeste Abteilung. Walter hat den Plan, und wenn sich der Film von ihm verabschiedet, dann ist der Plan gescheitert, und die beiden anderen fangen eine neue Geschichte an.

• Dirk Jasper FilmstarLexikon
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