John Boormann
* 1933-01-18 in Shepperton, London, England, UK • Regisseur, Produzent, Autor • Biographie • Oscars • Filmografie • Adresse: John Boorman, 21 Thurley Square, GB-London W1 •
John Boormans Biographie Wer von John Boormans irischem Gangsterfilm Der General einen Bogen schlagen will zu den Anfängen seiner Karriere als Filmregisseur Mitte der 60er Jahre, hat es nicht schwer, gelang doch dem Engländer der internationale Durchbruch mit eben diesem Genre.

Die MGM-Produktion Point Blank, zugleich das Hollywood-Debüt des arrivierten BBC-Dokumentaristen, erwies sich als beinharter Thriller, "meisterhaft und mit eisiger Kälte inszeniert" (film-dienst), der, nicht zuletzt wegen seiner blendenden Kameraführung und verschachtelten-Erzählstruktur, prompt in den Rang eines Kultklassikers erhoben wurde und den damals 34-jährigen Boorman zum "Quentin Tarantino seiner Generation" (Empire) machte.

Boormans Vorliebe für ebenso exotische wie strapaziöse "Locations" zeigte sich erstmals bei seinem Kriegsfilm Die Hölle sind wir, in dem er Lee Marvin, den einsamen Rächer aus Point Blank, und den Japaner Toshiro Mifune auf einer Tropeninsel während des Zweiten Weltkriegs zum Zweikampf antreten ließ.

Der Abenteuerfilm Beim Sterben ist jeder der Erste, ein Höhepunkt in Boormans Karriere, erzählt die erschütternde Geschichte von vier Großstädtern (darunter Jon Voight und Burt Reynolds), die in der Wildnis der Apalachen zu einem Kanutrip aufbrechen, um als echte Machos ihr Stehvermögen unter Beweis zu stellen, wobei sie ein schlimmes Ende nehmen. Beim Sterben ist jeder der Erste, zugleich Boormans Debüt als Produzent, wurde 1972 für drei Oscars nominiert, darunter für die beste Regie und den besten Film.

Rückblickend sollten sich die 70er jedoch nicht als Boormans Blütezeit erweisen. So lehnte der gefragte Regisseur reihenweise Angebote mit Titeln wie Dirty Harry oder Rocky ab, -um stattdessen den Fantasystreifen Zardoz (mit einem Sean Connery in Steinzeit-Badehose), oder das Sequel Exorzist II - Der Ketzer zu inszenieren. Nach vierjähriger Leinwandabstinenz kehrte der Ex-Hollywood-Regisseur jedoch pünktlich Anfang der 80er Jahre mit seinem vielleicht größten kommerziellen Erfolg ins Rampenlicht zurück. Der Fantasyfilm Excalibur, eine liebevolle, bildgewaltige Nacherzählung der Legenden um König Arthus, gedreht in irischen Wäldern, wie sie grüner nicht sein können, traf den Nerv der Zeit und löste eine Flut von Kopien aus.

Von der grünen Insel, seiner Wahlheimat, zog es den Globetrotter dann an den Amazonas, wo er unter extremen Bedingungen (nachzulesen in seinem Survival-Report Money Into Light) die kritische Dschungeloper Der Smaragdwald drehte, in der Hauptrolle, als entführter / adoptierter Weißer unter edlen Wilden, sein Sohn, Charley Boorman. Autobiographische Züge trug dagegen die mit fünf Oscar-Nominierungen (darunter "Bester Film") bedachte tragikomische Rückschau auf den Luftkrieg gegen London, Hope And Glory, die den Alltag während des Blitzkrieges aus der Perspektive eines zehnjährigen Jungen zeigt und dabei überraschende Entdeckungen zu Tage fördert.

Erneut sollte jedoch dem Hoch in Boormans Karriere ein Tief folgen, denn weder seine US-Satire Die Zeit der bunten Vögel, in den Hauptrollen Dabney Coleman, Uma Thurman und Joanna Cassidy, noch sein in Burma angesiedelter Politthriller Rangoon mit Patricia Arquette fanden den Beifall der Kritik oder die Beachtung des Publikums.

Mit seinem irischen Gangsterepos Der General meldete sich John Boorman nun "in Hochform" (The New York Times) zurück.


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