John Schlesinger ?
* 16. Februar 1926 in London, England, als John Richard Schlesinger • ? 24. Juli 2003 in Palm Springs, Florida, USA • Regisseur, Schauspieler, Produzent, Autor • Biographie • Oscars • Filmografie •
John Schlesinger Biographie Der britische Oscar-Preisträger und Regie-Veteran John Schlesinger hat seit Beginn seiner Karriere mit Asphalt-Cowboy oder Darling keinen Zweifel daran gelassen, dass er in jedem Genre zu Hause ist.

So verwundert es nicht, dass er Ein Freund zum Verlieben als jüngstes Projekt vornehmlich wählte, weil "die Stärke der Story in den wunderbar divergierenden komödiantischen wie dramatischen Aspekten liegt. Zu viele Stoffe beschränken sich auf einen Tonfall. Diese Geschichte aber kombiniert leichten Humor und echtes Drama, Herz und Härte von Menschen - ganz so, wie wir es doch eigentlich aus dem echten Leben gewohnt sind".

Weiterhin gibt der Filmemacher zu Protokoll: "Das Script mochte ich aus dem Bauch heraus, da alle Themen und zwischenmenschlichen Beziehungen vielversprechend für eine mitreißende Leinwand-Umsetzung schienen. Denn ohne Frage sind interessante und auch gern ein bißchen irrsinnige Freundschaften und Verhältnisse der Figuren zueinander sehr wichtig für mich - das kann man in jedem Film sehen, den ich bisher gedreht habe.

Hinzu kam in Ein Freund zum Verlieben die sehr glückliche Fügung, mit einem äußerst talentierten Ensemble arbeiten zu dürfen. Amerikaner wie Madonna oder Benjamin Bratt zusammen mit Briten wie Rupert Everett oder meiner alten Freundin Lynn Redgrave - ich muss schon sagen, dass dies eines der besten Casts war, die ich je hatte."

John Schlesinger wurde 1926 in London geboren und drehte seinen ersten Amateurfilm in Diensten der Royal Engineers während des Zweiten Weltkrieges, bevor er nach 1945 zur Oxford University Dramatic Society ging. Von 1952 bis 1957 arbeitete Schlesinger in England und Australien als Schauspieler und nahm fünf Kinofilme und rund zwanzig Theaterstücke in sein Resümee auf.

Dann wurde durch ein Treffen mit Regisseur Roy Boulting seine erste Liebe für die Kamera erneut entfacht, so dass er den Dokumentarfilm Sunday in the Park drehte, was wiederum zu verschiedenen Aufträgen bei der BBC führte. Einer dieser Jobs war ein Film über einen Tag an der Londoner Waterloo Station - Schlesinger lieferte Terminus und wurde prompt weltberühmt, denn die Doku-Produktion kam nicht nur englandweit in die Kinos, sondern erhielt 1961 auch den Goldenen Löwen von Venedig sowie einen BAFTA.

Von diesem Erfolg motiviert drehte der Regisseur ein Jahr später mit A Kind of Loving und Alan Bates seinen ersten Spielfilm - der ihm den Goldenen Bären in Berlin einbrachte und prompt in die vorderste Reihe britischer Filmemacher katapultierte. Es kamen Hits und Klassiker in Reihe, angefangen mit Billy Liar, der Julie Christie in ihrer ersten Hauptrolle zeigte. Gefolgt von Darling sowie Far From the Madding Crowd, beide wiederum mit Christie kongenial und die Sixties filmisch definierend besetzt - und nicht zuletzt äußerst erfolgreich, wofür Schlesinger im Falle von Darling mit einem New York Film Critics Award und seiner ersten Oscar-Nominierung honoriert wurde.

1969 dann drehte der Regisseur mit Dustin Hoffman und Jon Voight seinen Meilenstein: Asphalt-Cowboy, ein bis heute zeitgenössisches Drama über New Yorker Strassenträumer und -stricher; und der erste und einzige Film in der Academy Awards-Geschichte, der trotz eines X-Ratings als bester Film prämiert wurde.

Zudem bekam Schlesinger einen Oscar, einen BAFTA und einen Directors Guild of America Award als bester Regisseur des Jahres. Durch Midnight Cowboy wurde nahezu automatisch des Regisseurs Hollywood-Karriere lanciert, und in den Siebzigern drehte er in den Staaten ganz große Werke wie Sunday, Bloody Sunday (wiederum eine AA-Nominierung), The Day of the Locust mit Donald Sutherland und Karen Black, Marathon Man mit Dustin Hoffman und Sir Laurence Olivier oder Yanks mit Richard Gere.

Seither sind aus seiner Filmographie unter anderem hervorzuheben: der Thriller The Falcon and the Snowman mit Sean Penn und Timothy Hutton, das Shirley MacLaine-Paradestück Madame Sousatzka, die Ian McEwan-Adaption The Innocent mit Isabella Rossellini und die Satire Cold Comfort Farm; letztere fürs britische Fernsehen gedreht, aber anderswo wie in Deutschland im Kino veröffentlicht.

Überhaupt arbeitete Schlesinger immer wieder auch fürs englische TV und drehte etwa An Englishman Abroad, Seperate Tables oder den BAFTA-prämierten Fernsehfilm A Question of Attribution. Für die Bühne inszenierte der Mann überdies Produktionen von Timon of Athens, Heartbreak House, Julius Caesar und von Sam Shepards True West.

Und auch als Opern-Regisseur war Schlesinger tätig - so setzte er in London Hoffmanns Erzählungen mit Placido Domingo, am Royal Opera House Der Rosenkavalier und 1989 in Salzburg Verdis Un Ballo in Maschera in Szene. John Schlesinger wurde 1970 von Königin Elizabeth II. zum Commander of the British Empire (CBE) erhoben.

John Schlesinger lebte die letzten 30 Jahre bis zu seinem Tod im Juli 2003 mit seinem Lebensgefährten, dem Fotografen Michael Childers, in Palm Springs.


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