Jonathan Kaplan
* 25. November 1947 Paris, Frankreich • Regisseur, Schauspieler, Produzent, Autor • Biographie • Oscars • Filmografie •
Jonathan Kaplan Biographie Dreht seit mehr als 25 Jahre Filme. Charakteristisch für seine Werke ist die Kombination von populärer Unterhaltung und Themen mit sozialer Relevanz. Für Kaplans Vergewaltigungsdrama Angeklagt erhielt Hauptdarstellerin Jodie Foster ihren ersten Oscar, und Love Field - Liebe ohne Grenzen kritisierte nicht nur die Rassendiskriminierung in den USA der 60er Jahre, sondern brachte Michelle Pfeiffer auch eine Oscar-Nominierung ein. Secondhand Familie mit Glenn Close, James Woods und Mary Stuart Masterson in den Hauptrollen thematisierte den Wandel der Familie und im Thriller Fatale Begierde (mit Kurt Russell, Madeleine Stowe und Ray Liotta) zeichnete er die oftmals dünne Linie nach, die zwischen Kriminellen verläuft und denjenigen, die Recht und Ordnung schützen sollen. Seine Fähigkeit, gerade weiblichen Stars Höchstleistungen in einfühlsamen Dramen von Sozialer Explosionskraft zu entlocken, machte Brokedwon Palace zum idealen Projekt für den erfahrenen Regisseur.

Der in Paris geborene Jonathan Kaplan stammt aus einer Showbusiness-Familie. Seine Mutter Frances Heflin war nicht nur die Schwester von Western-Mime Van Heflin, sondern gehörte auch zur Stammbesetzung des US-Soap-Klassikers All My Children. Sein Vater, der erfolgreiche Komponist Sol Kaplan, landete während der Kommunistenhatz der McCarthy Ära auf der schwarzen Liste und verlor seinen Job.

Sein Sohn startete die Showbizkarriere schon mit elf Jahren. Seine Mutter nahm ihn mit zu Regisseur Elia Kazan, in dessen Broadway-Fassung von The Dark At The Top Of The Stairs sie die Ersatzdarstellerin für die Hauptrolle war. Kazan engagierte Jonathan als Ersatz-Bühnensohn gleich mit. Als eine Windpockenepidemie die Stammbesetzung ans Krankenbett fesselte, fanden sich Mutter und Sohn gemeinsam auf der Bühne wieder.

Nachdem Kaplan als Student wegen der Teilnahme an Anti-Vietnam-Protesten von der Chicagoer Universität geflogen war, schrieb er sich am Institut für Film der Universität in New York ein, wo unter anderen Martin Scorsese als Dozent lehrte. Sein Kurzfilm Stanley Stanley gewann 1970 den Hauptpreis des nationalen Stundenten-Filmfestivals und Kaplan arbeitete die nächsten beiden Jahre als Beleuchter für Bill Grahams Fillmore East und als freiberuflicher Cutter für Werbe-, Industrie-, und Fersehfilme.

1972 wurde Produzent Roger Corman auf das Regietalent aufmerksam und engagierte ihn für Night Call Nurses, der in nur 13 Tagen für ein Budget von 75.000 Follar entstand. Das Ergebnis überzeugte Corman davon, es Kaplan mit einem weiteren Film, The Student Teachers probieren zu lassen. Für Cormans Bruder Gene drehte Kaplan dann The Slams, ein Film über einen Gefängnisausbruch, dessen Hauptrolle Jim Brown spielte und dessen Budget immerhin 300.000 Dollar betrug. Nicht viel mehr kostete auch Chikago Poker mit Isaac Hayes, der kommerziell ebenso erfolgreich war.

In der Zwischenzeit hatten Kaplan und sein Kommilitone Ken Friedman die Idee zu einer modernen Western-Story mit Trucks anstatt Pferden entwickelt. Unter dem Titel "Strasse der Gewalt" kam die packende Geschichte über Korruption in der Speditionswirtschaft 1975 in die Kinos. Mit einem Budget von 1,5 Millionen Dollar gedreht, spielte sie weltweit über 50 Millionen Dollar ein. Kein Wunder, dass der folgende Film den vielsagenden Titel "Mister Billion" trug. Leider fielen die nächsten beiden Projekte fast den Unwägbarkeiten des Filmvertriebs zum Opfer: Obwohl von der Kritik hochgelobt, wollte niemand "Wut im Bauch" (1979) sehen, Kaplans Vorstadtdrama um desillusionierte Teenager, in dem Matt Dillon sein Leinwanddebüt feierte.

Erst als Joseph Papp es für eine Woche in New Yorks Public Theatre spielte und der einflußreiche Kritiker Vincent Canby Wut im Bauch auf seine Top-Ten-Liste setzte, bekam der Film Rückenwind. 1983 brachte "Twentieth Century Fox" die Rennfahrerstory ...und wenn der letzte Reifen platzt zum zweiten Mal in die Kinos, nachdem die erste Marketingkampagne erfolglos geblieben war. Der Film landete öfter auf sämtlichen Besten-Listen als irgendein anderer in diesem Jahr, und Hauptdarstellerin Bonnie Bedelia wurde für einen Golden Globe nominiert.

Vier Jahre später drehte Kaplan den Thriller Project X mit Matthew Broderick und Hellen Hunt und zuletzt den Frauenwestern Bad Girls mit Madeleine Stowe und Drew Barrymore. Außerdem führte Jonathan Kaplan bei zahlreichen Fernsehfilmen Regie, unter anderem der Truman-Capote-Adaption Kaltblütig und etlichen Folgen von Emergency Room. An der erfolgreichen Krankenhausserie ist er ebenso als Produzent beteiligt wie an Musikvideos für Barbra Streisand, Rod Stewart, John Mellencamp und Paula Abdul.


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