Interview mit Judi Dench

"Ich fühle mich überaus jung und ich lerne ständig."

Judi Dench ist eine der Hauptdarstellerinnen in dem Melodram Tee mit Mussolini. Frage: Welche Rolle spielen Sie in diesem Film?

Judi Dench: Ich spiele eine Frau namens Arabella, die sich selbst für eine Sängerin, Malerin und Tänzerin hält, aber nichts von alledem sehr gut kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sie ein netter Charakter ist oder nicht. Damit hadere ich noch. Doch sie ist eine sehr eingängige Figur, die man sich gut aneignen kann. Sie ist eine der "Skorpione" und kommt in Francos Memoiren vor. Diese Skorpione benahmen sich völlig britisch, mit ihren Sonnenschirmchen, und kontrastierten mit den Italienern. Kaum eine von ihnen machte sich die Mühe, Italienisch zu lernen.

Frage: Wie ist die Arbeit mit einem Regisseur, der seine eigenen Memoiren verfilmt?

Judi Dench: In den 60er Jahren habe ich bei "Romeo und Julia" am 'Old Vic' zum ersten Mal mit ihm zusammen gearbeitet. Ich war die Julia und konnte aus den Augenwinkeln immer beobachten, wie er einen halben Meter entfernt meine Rolle vorspielte - und er machte es so viel besser, als ich es jemals könnte. Dies ist nun ein sehr persönlicher Film für ihn; einige Erinnerungen sind - wohl wie es mit allen Erinnerungen der Fall ist - etwas verzerrt. Doch seine eigene persönliche Erfahrung ist eine wunderbare Quelle für das, was wir in diesem Film tun sollen und für die Rollen, die wir spielen.

Frage: Was macht aus ihm einen guten Regisseur?

Judi Dench: Es kann sich so sehr begeistern und wird selbst davon mitgerissen, das ist sehr attraktiv. Außerdem sagt er einem, wie man die Rolle spielen soll - das ist ebenfalls sehr nett. Enthusiasmus ist bei jedem Menschen eine Kardinaltugend.

Frage: Warum haben sie diese Rolle übernommen?

Judi Dench: Wahrscheinlich war Italien mit ein Grund, warum ich diese Rolle angenommen habe, denn es ist sehr schön, wieder hierher zurückzukommen. Maggie Smith und ich waren für Zimmer mit Aussicht hier, so konnten wir eine alte Freundschaft auffrischen. Ein Aufenthalt von neun Wochen in Italien ist ebenfalls ziemlich unwiderstehlich. Die Hitze oder die schwierigen Arbeitsbedingungen sind unwichtig. Ein einziger Blick auf die Kathedrale in San Gimignano, und man fühlt sich wohl, empfindet es als ein Privileg, hier sein zu können.

Frage: Fühlen Sie sich noch jung und wissbegierig?

Judi Dench: Ich fühle mich überaus jung und ich lerne ständig. Es ist fatal, wenn man denkt, man wüsste schon alles.

Frage: Was halten Sie von Ihrem Co-Star, dem Hund?

Judi Dench: Der Hund im Drehbuch heißt Billyboy, aber der Hund, der Billyboy spielt, ist ein Weibchen namens Nicky. Sie ist etwas launisch und tut nicht immer das, was man von ihr verlangt. Sie ist selbst ein Star in einem Film, der bald in die Kinos kommt.

Frage: Was wird ihrer Meinung nach diesen Film attraktiv machen?

Judi Dench: Das ist immer schwer zu sagen, aber interessant wird sicherlich die wahre Geschichte dieser außergewöhnlichen Frauen bei der Niederlage Deutschlands und der Ankunft der Engländer sein.

Judi Dench
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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