Interview mit Juliane Köhler
Juliane Köhler Juliane Köhler spielt die Hauptrolle in dem Film Nirgendwo in Afrika Frage: Fanden Sie Jettel von Anfang an sympathisch, als Sie das Drehbuch zu Nirgendwo in Afrika zum ersten Mal lasen? Inwieweit beeinflusst das Leben in Kenia ihre Entwicklung?

Juliane Köhler: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, war ich sehr gerührt von Jettel, wie sie, als eine relativ naive Frau, eine Gesellschaftsdame aus Breslau, diese Einsamkeit in der Wüste meistert. Das Leben in Kenia ist vollkommen fremd für sie. Sie hatte bis dahin wahrscheinlich noch nie schwarze Menschen gesehen, oder auf einer Farm ohne Wasser und Strom gelebt. Im Laufe der neun Jahre in Kenia öffnet sich Jettel mehr, als sie je von sich geglaubt hätte und das macht sie sehr stark.

Frage: "Wir reisen eine weite Strecke miteinander, aber was im Anderen drin ist, wissen wir nicht", sagt Walter über seine Beziehung zu Jettel. Wie sieht Jettel die Beziehung und was glaubt sie, spielt sich im Inneren ihres Mannes ab?

Juliane Köhler: Jettel war sehr jung, als sie heiratete. Walters Verhalten in Kenia ist ihr zunächst fremd, weil er nicht mehr der ihr so gewohnte "starke Mann an ihrer Seite" ist. Sie kann sich nicht mehr in ihn hineinfühlen und distanziert sich von ihm. Am Ende entdeckt sie durch ihre eigene Erfahrung in Kenia ihre Liebe zu ihm neu.

Frage: Lässt Jettel Kenia als Zwischenstation hinter sich, als die Familie zurückkehrt, oder ist das Land doch nicht mehr nur nirgendwo in Afrika, sondern eine zweite Heimat geworden?

Juliane Köhler: Für Jettel ist Afrika zweifellos ein Stück Heimat geworden. Sie hat die Sprache gelernt und einige enge Beziehungen aufgebaut. Sie hat Erfahrungen gemacht, die sie in ihrer alten Welt nie hätte machen können - nicht nur wegen des Krieges, sondern weil sie in der Gesellschaft einen Stand hatte, aus dem sie nie ausgebrochen wäre. Das ist ihr bewusst und erschwert den Abschied.

Frage: Wie haben Sie die Dreharbeiten auf dem fremden Kontinent Afrika erlebt? Gab es Begegnungen in Kenia abseits der Touristenpfade, die Sie selbst verändert haben?

Juliane Köhler: Für mich waren die Dreharbeiten sehr spannend und aufregend! Abgesehen von der Herausforderung des Stoffes für uns Schauspieler, war es aufregend in einem Zelt, zwischen Antilopen und Giraffen im Busch zu nächtigen. Ich habe aus unserer Crew Kenianer kennen gelernt, die mir viel von ihrem Land zeigen konnten. Dies waren unvergessliche Erlebnisse für mich.

Dirk Jasper FilmLexikon
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