Interview mit Käpt'n Blaubär
Käpt'n Blaubär Käpt'n Blaubär über Käpt'n Blaubär - Der Film Frage: Käpt'n Blaubär - eine Fernsehserie, ein Roman und jetzt auch noch ein abendfüllender Spielfilm - muss das alles sein?

Käpt'n Blaubär: Ja! Das sind nur kleine Teile meines Welteroberungsplans! Gestern die arglosen Fernsehzuschauer, heute das Bildungsbürgertum und morgen die ganze Welt! Nur mit einem Film kann man den ganzen Planeten beherrschen. Hahahaha! (lacht manisch und anhaltend)

Frage: Verwechseln Sie da nicht etwas? Ist das nicht der Part Ihres Gegenspielers, des größenwahnsinnigen Dr. Feinfinger, den Sie da gerade geben?

Käpt'n Blaubär: (reißt sich zusammen) Stimmt. Ich muss zugeben, dass ich auf diese Rolle etwas neidisch bin. Die Bösewichter haben immer die besten Dialoge.

Frage: Höre ich da so etwas wie Verbitterung heraus? Verbitterung darüber, zur familienfreundlichen Serienfigur abgestempelt zu sein?

Käpt'n Blaubär: Das können Sie laut sagen. Als ich beim Fernsehen mit Käpt'n Blaubär anfing, hatte ich keine Ahnung, dass dies mein künstlerisches Schicksal sein würde. Ich hatte größeres vor - nämlich Erwachsenenunterhaltung.

Frage: Shakespeare? Hollywood?

Käpt'n Blaubär: Titanic! Ich habe bei James Cameron vorgesprochen. Er bescheinigte mir monströses Talent, hielt mich für die Liebhaberrolle aber für ungeeignet. Ich hätte den Kapitän spielen können. Kapitän der Titanic! Das habe ich natürlich abgelehnt. Da sehen Sie, was meine Fans mir angetan haben.

Frage: Sie beschimpfen Ihre Fans?

Käpt'n Blaubär: Ich verachte sie. Sie haben mich dazu verdammt, eine wandelnde Witzfigur zu sein. (schluchzt heftig)

Frage: Zurück zum Film: Wie war die Zusammenarbeit mit Hayo Freitag, dem Meisterregisseur, den Sie den Stanley Kubrick des Zeichentrickfilms nennen?

Käpt'n Blaubär: Den verachte ich auch. Er hat mich gequält. Manche Einstellungen mussten wir zweihundert Mal drehen. Einmal musste ich vierundsiebzig Mal denselben Satz sagen, weil ihm ein Glas Orangensaft im Hintergund nicht gelb genug war! Wissen Sie, wie ungemütlich die Arbeitsbedingungen bei Zeichentrickfilmen sind? Man wird zwischen zwei Glasplatten eingeklemmt und mit Halogen-Scheinwerfern geblendet. Da herrschen teilweise bis zu fünfzig Grad Celsius. Und dann soll man auch noch möglichst einen Oscar gewinnen.

Frage: Zeichentrickfiguren gewinnen keine Oscars.

Käpt'n Blaubär: Sehen Sie! Sehen Sie! (schluchzt wieder)

Frage: War denn wenigstens die Zusammenarbeit mit Ihrem Erfinder und Drehbuchautor Walter Moers zu Ihrer Zufriedenheit?

Käpt'n Blaubär: Ich werde in einen tätigen Vulkan geworfen, von Piranhas gebissen, von einem Geisteskranken mit Riesenwellen und Seeschatten und Krokodil-Piraten und Vieläugigen Grauenfelsdämonen und Wellen-zwergen verfolgt und muss mich auch noch die ganze Zeit mit Hein Blöd rumschlagen - das nennen Sie ein Drehbuch? Ich nenne das Körperverletzung. Ich habe diesen Schmierfinken verklagt.

Frage: Verklagt? Auf wieviel?

Käpt'n Blaubär: Auf eine Phantastillion.

Frage: Eine Phantastillion? Ist das nicht ein bißchen übertrieben?

Käpt'n Blaubär: Ich neige zur Übertreibung. Das ist eines meiner Stilmittel.

Frage: Käpt'n Blaubär, eine Frage zum Abschluß: Gibt es etwas in Zusammenhang mit diesem Film, das Sie nicht verachten?

Käpt'n Blaubär: Mein Honorar. Das war nicht zu verachten. Hahaha! (fängt wieder an, manisch zu lachen)

Frage: Vielen Dank für das Interview.

Käpt'n Blaubär: Hahahahaha! Haaa! Hahahahaha! Haaa!

Dirk Jasper FilmLexikon
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