"Um den Schlager im Film ..."
Interview mit Dr. Karl Heinz Busse
Karl Heinz Busse Dr. Karl Heinz Busse ist Produzent (MusicHouse) des Films ... denn die Musik und die Liebe in Tirol. Das Gespräch fand im Sommer 1963 während der Dreharbeiten zu diesem Film statt. Frage: Was veranlasst Sie, Herr Dr. Busse, in unseren Tagen besonders den Unterhaltungsfilm zu pflegen?

Dr. Karl Heinz Busse: Die Erfahrungen, die ich mit den Filmen "Wenn die Musik spielt am Wörthersee" und "Übermut im Salzkammergut" gemacht habe, brachten die Bestätigung, dass im Publikum nach dem modernen Unterhaltungsfilm immer noch eine echte Nachfrage besteht. Die genannten Filme, die man nach ihren Titeln zunächst dem Sektor des Heimatfilms zuzuordnen gewillt ist, bemühen sich, echte Ferienstimmung zu vermitteln: durch Humor, einen optisch reizvollen Hintergrund und beschwingt Musik. Genau das will die Jugend im Filmtheater sehen und erleben.

Auch unser neuester Film "... denn die Musik und die Liebe in Tirol" trägt dieser Erfahrung wieder Rechnung. Ganz bewusst wurden als Mitwirkende neben reinen Sprechschauspielern wie Claus Biederstaedt, Corny Collins, Gunther Philipp oder Hubert von Meyerinck und singenden Stars wie Vivi Bach, Hannelore Auer und Trude Herr, Plattenlieblinge wie Peppino di Capri, Billy Mo, Teddy Parker und Gitta Walther herangezogen.

Frage: Sie sind nicht nur Film-, sondern auch Schallplattenproduzent. Gibt es da Wechselwirkungen, die Ihren Filmprojekten zugute kommen?

Dr. Karl Heinz Busse: Selbstverständlich. Als Schallplattenproduzent betreue ich etwa 25 namhafte Interpreten, mit denen ich im Jahr rund 100 Titel herausbringe - in eigener Gesellschaft oder bei anderen Unternehmen. Hier erlebe ich sehr deutlich, wer ankommt und was die Jugend bevorzugt. Schlagerplatten werden im wesentlichen von den 12- bis 22jährigen gekauft. Diese stellen sicher auch den Stamm für den Unterhaltungsfilm - nicht zuletzt deshalb, weil viele von ihnen einmal dem heimischen Fernsehschirm im Kreise der Familie entkommen wollen.

Unterhaltungsfilme, die am Rande den modernen Schlager in der Interpretation von beliebten Plattenstars pflegen, haben deshalb heute echte Erfolgschancen - trotz der so oft zitierten Filmkrise.

Frage: Gibt es irgendwelche Grundsätze, die heute für den Schlager - als Platte und im Film - Richtung weisend und Erfolg verheißend sind?

Dr. Karl Heinz Busse: Erfolgsrezepte aufzustellen, ist immer schwer. Vorsichtig darf vielleicht gesagt werden, dass Text und Melodie für den heutigen Schlager weniger wichtig sind als die klare rhythmische Form, unter der er sich präsentiert. Nicht der "sound" entscheidet, sondern die prägnante, rhythmische Idee, deren Motorik ins Unterbewusstsein dringt.

Je stärker es gelingt, Schlager zu formen und zu finden, die dem Rhythmus das Postulat einräumen, um so größer dürfte ihre Anziehungskraft auf die Jugend sein. Dies gilt nicht nur für den Erfolg einer Schallplatte, sondern ganz deutlich auch für jenen Film, der sich neben einer reizvollen Handlung bewusst dem Musikalischen, eben dem Schlager, verschreibt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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