Interview mit Katja Studt
Katja Studt Balzac - Ein Leben voller Leidenschaft, 2. und 3.1.2000, 20.15 Uhr Frage: musssten Sie überhaupt zögern, als Sie das Angebot bekamen, mitzumachen?

Katja Studt: Nein, nicht eine Sekunde. Das Drehbuch war erstklassig. Die Besetzung extrem gut. Das ganze Projekt war für mich eine große Herausforderung. Es gab keinen einzigen Grund, nein zu sagen.

Frage: Worin lag diese schauspielerische Herausforderung?

Katja Studt: Ich durfte mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Fach verstehen. Die das absolute Talent haben und ihre Arbeit lieben. Diese Herausforderung kann man natürlich auch in Deutschland haben, aber nicht in einer fremden Sprache. Für mich war es wichtig, dies auszuprobieren.

Frage: Können Sie gut französisch sprechen?

Katja Studt: Sicher nicht perfekt, es reicht nicht für politisch anspruchsvolle Gesprächs-Runden, aber um die Texte zu sprechen und sich am Set zu verständigen. Natürlich habe ich meine Kenntnisse vorher aufzufrischen versucht, z. B. indem ich französisches Fernsehen geguckt und ein paar Vokabeln gelernt habe. Nach zwei, drei Tagen kommt man wieder 'rein.

Frage: Sie spielen die Stieftochter Balzacs. Haben Sie sich mit seinen Werken auseinandergesetzt?

Katja Studt: Ich habe wie Katja Riemann ein Buch von Stefan Zweig über Balzac gelesen - und zwei Werke von ihm: ,Paris' und Kurzgeschichten.

Frage: Wie empfanden Sie seine Werke?

Katja Studt: Wunderschön, aber ich habe sie - leider - auf Deutsch gelesen. In den Übersetzungen, so denke ich, geht immer viel verloren.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit in einer so großen Produktion?

Katja Studt: Es gibt gut organisierte und durchdachte Projekte - und Chaos-Produktionen mit Menschen, die einfach überfordert sind. Bei ,Balzac' haben Menschen mitgewirkt, die sehr viel Erfahrung haben - in jeder Hinsicht, so dass alles reibungslos über die Bühne ging.

Frage: Wie war es mit Depardieu?

Katja Studt: Wir hatten ja nur eine große Szene miteinander. Gedreht haben wir anderthalb Tage, davon werden ungefähr vier Minuten zu sehen sein - es war toll. Wir haben uns einen Tag vorher zusammengesetzt und sind die Szenen Stück für Stück durchgegangen. Das war seine Idee. Er sagte, er wisse, wie es ist, nicht in seiner Muttersprache drehen zu müssen - eine tolle Geste! Beim Spielen guckt er einen an, spricht einen an, dreht sich nicht nur um sich selbst. Er hat mich beim Spielen unterstützt.

Frage: Haben Sie von ihm etwas lernen können?

Katja Studt: Auf jeden Fall. Ich kann von jedem Menschen etwas lernen, der eine solche Persönlichkeit ist wie Depardieu.

Frage: Sie hatten ja nicht gerade die einfachsten Drehbedingungen in Tschechien - mit Schnee und Kälte.

Katja Studt: Es war richtig hart. An zwei Tagen hatten wir minus 15 Grad. Ich hätte mich eigentlich bewegen wollen, konnte es aber natürlich nicht. Jeder hat gefroren, ich war nicht die einzige. Irgendwann war das Stadium erreicht, dass ich nichts mehr gefühlt habe. Wir hatten Moonboots unter den Kleidern an. Überall standen diese Heizschirme wie in Straßencafés. Die Lippen haben die ganze Zeit geschlottert, die Zähne geklappert. Aber in dem Moment, wo du spielst, vergisst du das alles.

Frage: Depardieu und Balzac - beides Männer, die die Frauen betören. Auch Typen für Sie?

Katja Studt: Ich mag Menschen, die leben und nicht nur existieren. Die neugierig sind, die extrem sind, um Dinge herauszufinden. Die versuchen, weiter zu wachsen. Gérard Depardieu ist, was das angeht, wahnsinnig interessant. Als Mann ist er für mich zu alt.

Frage: Balzac hat sinngemäß gesagt, dass Liebe und Glück unvereinbar seien. Was denken Sie?

Katja Studt: Nein, absolut nicht. Liebe und Glück gehören zusammen. Wenn man jemanden liebt, der einen genauso liebt, ist es ein Glück, dass man ihn gefunden hat. Es ist auch ein Glück, dass man dies erleben darf. Und da ist dann dieses Glücksempfinden, diese Wärme im ganzen Körper, die einen inspiriert und aufblühen lässt. Das gibt Kraft.

Frage: Sind Sie verliebt?

Katja Studt: Ja, frisch verliebt seit drei Jahren.

Frage: Und glücklich?

Katja Studt: Jaaa!

Frage: Kennt man ihn?

Katja Studt: Nein, das soll auch so bleiben. Nur soviel: Er ist kein Schauspieler.

Frage: Sie wurden schon mit 13 von Dieter Wedel entdeckt. Haben Sie jemals den Schritt bereut, Schauspielerin zu werden?

Katja Studt: Es gab eine Zeit, in der ich mehrmals desillusioniert wurde. Ich habe am Anfang relativ viel gedreht, so weit es die Schule erlaubt hat. Ich war nicht vorbelastet, meine Eltern haben ganz andere Jobs. Für mich war das alles eine andere Welt, ein Traum. Für mich war das Geld ja auch völlig uninteressant. Es war sowieso lächerlich wenig. Mir hat das alles sehr viel Freude bereitet. Als ich dann auch noch den Max-Ophüls-Preis für die 'Tödliche Maria' bekam, war es perfekt. Nur habe ich dann sehr viele Rollen angenommen, bei denen ich merkte, dass es nur darum ging, schnell etwas zu drehen, viel Geld mit geringem Aufwand zu verdienen. Da dachte ich: Wenn ich so weitermache, macht mich das auf Dauer nicht glücklich. Heute mache ich auch viele Low- und No-Budget-Projekte, die mich innerlich erfüllen, aber auch beruflich weiterbringen.

Frage: Sind Sie durch den schnellen Schritt in den Beruf schneller erwachsen geworden?

Katja Studt: Erwachsen vielleicht nicht, aber mit Sicherheit reifer. Ich habe allerdings viele Erfahrungen nicht machen können, weil ich in den Schulferien und in der Freizeit gedreht habe. Schon im frühen Alter habe ich mit vielen unterschiedlichen Erwachsenen zusammengearbeitet. Ich habe sie beobachtet und versucht, daraus zu lernen. Das hat mich mit Sicherheit geprägt und mir schon früh Reife gegeben.

Frage: Haben Sie einen beruflichen Traum?

Katja Studt: Nicht einen, viele. Ich möchte viele verschiedene gute Projekte machen, die Spaß bringen. ,Balzac' war so ein Traum. Die Möglichkeit, bei der Arbeit in einer anderen Sprache zu denken, sich auszudrücken. Die Melodie der Sprache aufzugreifen.

Frage: Haben Sie jemals über Hollywood nachgedacht?

Katja Studt: Jeder denkt über Amerika nach, aber im Grunde ist jegliche Film-Industrie gleich. Ich bin generell offen für alles, aber es musss nicht Hollywood sein, sondern könnte Holland oder England sein - vor kurzem habe ich in Norwegen gedreht. Die wenigsten Deutschen sprechen ein akzentfreies Englisch. Also werden sie für die immer gleichen Rollen besetzt.

Frage: Und ein privater Traum - gibt es den?

Katja Studt: Nein, nur viele kleine Ziele. Ich möchte mehr Erfahrungen machen, mich nicht abschrecken lassen von schlechten Erfahrungen. Ich möchte meine Neugierde und meinen Mut erhalten.

Dirk Jasper FilmLexikon
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