Interview mit Lavinia Wilson
"Privat hasse ich es, in der Stadt Auto zu fahren"
Lavinia Wilson Still und starr ruht der See - es sei denn, man weckt ihn! Eine ausgelassene Segelclub-Party am beschaulichen Wannsee wird in dem Sat.1-TV-Movie 'Der Wannsee-Mörder' zum Ausgangspunkt einer Reihe grausamer Morde unter Teenagern, und zur Reise in die dunkle Vergangenheit ihrer Eltern. Die geborene Münchnerin Lavinia Wilson spielt in dem Film die Hauptrolle der Johanna.

Frage: Weißt du, was deine Eltern in den wilden 70ern gemacht haben?

Lavinia Wilson: Ich fürchte, das ist nicht so aufregend wie in dem Film. Meine Mutter rühmt sich noch heute, schon immer gegen Schlaghosen gewesen zu sein. Mein Vater war in Afrika, in Paris, ist durch die ganze Welt gegondelt. Morde haben beide aber nicht begangen, ganz sicher.

Frage: Johanna wird gleich mit mehreren Morden konfrontiert - und mit dem Verdacht, dass ihr Vater in den Mord von 1975 verstrickt sein könnte.

Lavinia Wilson: Sie hat ihren Vater sehr lieb, auch wenn sie ihm das - vielleicht repräsentativ für Mädchen in diesem Alter - nicht immer zeigen kann. Um so schlimmer ist es für sie festzustellen, dass sie jemanden, der ihr so nahe steht, offenbar gar nicht kennt. Der Regisseur Jörg Lühdorff und ich haben versucht, Johanna nicht als strahlende Heldin, sondern als ganz normales Mädchen zu zeigen, das in Extremsituationen zwar die Nerven behält, aber auf keinen Fall ungerührt an den Leichen ihrer Freunde vorbei läuft.

Frage: Johanna ist Autodesignerin. Interessiert sich Lavinia auch für Autos?

Lavinia Wilson: Die Rolle war interessant, privat hasse ich es aber, in der Stadt Auto zu fahren - auch, weil ich nicht einparken kann. Ansonsten ist ein Auto für mich Mittel zur Fortbewegung, mehr nicht.

Frage: Konnte dich das rote Cabrio aus dem Film auch nicht umstimmen?

Lavinia Wilson: Damit zu fahren, hat schon Spaß gemacht. Am ersten Drehtag stand es blitzend und blinkend an einem plätschernden Brunnen vor dem Schloss, in dem wir untergebracht waren. Das Problem war nur, dass es lauf Buch als und fertig aussehen sollte. Wir haben ständig überlegt, wie man das hinkriegen könnte. Aber jedes Mal, wenn wir einen Tag abgedreht hatten, hat es der Besitzer wieder frisch poliert und gewienert. Das war zwar schlecht für die Anschluss-Szenen, aber ziemlich lustig.

Frage: Johanna wird von einigen aus der Clique ganz schön angezickt. Kennst du so was aus deiner Vergangenheit?

Lavinia Wilson: Unter Mädels soll das vorkommen. Neid und Eifersucht, weil ich Filme mache, gab es aber bei mir nicht. Das hat in der angeblich elitären Schule, in die ich in München ging, auch niemanden interessiert.

Frage: Hattet ihr schon Klassentreffen?

Lavinia Wilson: Ja, kurz nach dem Abi vor zwei Jahren, aber ich bin nicht hingegangen. Die Freunde, die mir lieb sind, sehe ich auch so. Ein Klassentreffen reizt mich erst, wenn zehn Jahre vergangen sind.

• Dirk Jasper FilmstarLexikon
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Das Interview führte Jörg Kanzler © 2002 Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper