Interview mit Leslie Malton
Leslie Malton Leslie Malton, Dartsellerin in den TV-Film "Ehebruch - Eine teuflische Falle" auf Sat.1

Frage: Sie haben in vorherigen Film- und Fernsehproduktionen oft einen starken Frauentyp verkörpert. Ihre Ausstrahlung signalisierte "Mir kann man nichts anhaben". In "Ehebruch - Eine teuflische Falle" spielen Sie eine junge Frau namens Lena, die einen sehr sensiblen Charakter hat.

Leslie Malton: Auch die Frauenrollen, die ich früher gespielt habe, hatten Schwächen. Die Rolle der Lena habe ich angenommen, weil ich mich mit dieser Frau identifiziere, mich mal in eine andere Richtung bewegen konnte. Aber auch sie ist stark, hat um ihre Familie gekämpft und zum Schluß viel Mut bewiesen.

Frage: Wie empfanden Sie es, mit Ihrem Lebenspartner und jetzigen Ehemann Felix von Manteuffel zusammen vor der Kamera zu stehen?

Leslie Malton: Das war wunderbar! Man trifft sich auf einer ganz anderen Ebene wieder, zum Beispiel siezt man sich plötzlich. Und man kann beim Spielen sehr schnell sehr weit miteinander gehen, da man sich ja gut kennt. Felix ist ein grandioser Schauspieler - ich beobachte ihn gerne.

Frage: Wie war die Arbeit mit Sigi Rothemund, der bei diesem Film ja nicht nur Regie geführt hat, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat?

Leslie Malton: Sigi Rothemund ist sehr offen und dankbar für das, was man ihm als Schauspieler anbietet. Ich habe gute Erfahrungen mit Regisseuren gemacht, die selbst das Drehbuch geschrieben haben, aber sie müssen sich auch vom Skript lösen können. Wir haben z. B. eine Szene gespielt und Sigi war etwas unglücklich damit. Also haben wir sie kurzerhand völlig umgekrempelt - was früher grün war, war jetzt orange. Und es hat funktioniert!

Frage: Wie sind Sie zum Schauspielen gekommen?

Leslie Malton: Das hat sich während meiner Schulzeit langsam entwickelt, aber mit 14 war ich mir in meinem Berufswunsch sicher. Ich habe in Wien dann in kleinen Theatergruppen gespielt und wir sind im Amerika-Haus aufgetreten. Mit 17 hatte ich meine erste Rolle in einem Film von 'United Artists' - und bekam meine erste Gage.

Frage: Aber Sie haben keine klassische Schauspielausbildung.

Leslie Malton: Nein, ich war auf keiner Schauspielschule, habe aber an Seminaren teilgenommen - das mache ich heute noch. Wenn 'The Actors Studio' in Deutschland ist, versuche ich mitzumachen. Das ist eine Chance, ohne Produktionsdruck und mit anderen Kollegen zusammen an sich zu feilen. Es gibt keinen fertigen Schauspieler. Wenn ein Sänger oder Tänzer sich auf eine Rolle vorbereitet, geht er zum Coach, für Schauspieler gibt es solche Möglichkeiten in Deutschland leider nicht. Die Schauspielerei ist eine kollektive Arbeit, bei der man miteinander wächst. Es ist immer wieder fabelhaft, kreative Energien im Kollektiv freizusetzen.

Frage: Wie haben Sie Ihre Zeit mit Klaus Maria Brandauer am Wiener Burgtheater erlebt?

Leslie Malton: Es war sehr aufregend, vier Jahre neben Klaus Maria Brandauer auf der Bühne zu stehen. Ich bin als Schauspielerin gewachsen und möchte es nicht missen. Dort habe ich auch acht Jahre mit Tabori zusammengearbeitet.

Frage: Der große Bellheim" wird in einem Atemzug mit Ihrem Namen genannt. Was bedeutet der Film für Sie?

Leslie Malton: Wedel hat mich im 'Bellheim' gegen meinen eigentlichen Typ besetzt, was für ihn als guten Regisseur spricht. Es war eine sehr anregende Arbeit. Wedel ist penibel und besessen, ein sehr kreativer Mensch.

Frage: Können Sie sich vorstellen, in die USA zurückzugehen und dort Filme zu drehen?

Leslie Malton: Ich war immer mal wieder dort und habe auch gespielt. Aber solange der deutsche Kinofilm so kreativ bleibt, wie er im Moment ist, gibt es keinen Grund umzuziehen. Die deutschen Kinomacher haben Humor bewiesen, jetzt ist es vielleicht an der Zeit, persönliche Schicksale oder dramatischere Stoffe zu verfilmen. Warum sollte ich in die Staaten gehen, dort 'rumsitzen und warten, um irgendwann mal eine kleine Serien-Rolle zu spielen? In Deutschland gibt es zu viele gute Angebote - auch fürs Fernsehen. Und Schauspieler müssen arbeiten!

Frage: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

Leslie Malton: Das ist natürlich abhängig von der Rolle, oft wälze ich jede Menge Sekundärliteratur. Aber bei 'Ehebruch - Eine teuflische Falle' war es eher eine emotionale Auseinandersetzung mit mir. Wie fühle ich mich, wenn jemand, der mir sehr nahe steht in Gefahr ist? Und da ich ja in dem Film eine Werbetexterin spiele, habe ich ein bißchen das Klima einer Werbeagentur geschnuppert.

Frage: Der SAT.1-Film dreht sich um die leidige Eifersucht. Sind Sie auch dafür anfällig?

Leslie Malton: Jeder Mensch ist eifersüchtig. Das ist gesund, gut für die Durchblutung. Aber ich würde nie so weit gehen, Häuser anzuzünden ...

Frage: Sie sind eine vielbeschäftigte Schauspielerin. Wie sieht Ihr Lebensalltag aus, wenn man zwischen Theater- und Filmengagements und verschiedenen Städten hin und her pendelt?

Leslie Malton: Es gibt keinen Alltag, das ist die Regel. Man reist 'rum und lernt, wie man packt - manchmal zu viel, manchmal zu wenig. Aber ich reise gern, sehe gern neue Landschaften, neue Städte und treffe neue Menschen.

Frage: Seit Sie in Deutschland leben, haben Sie Ihr Zuhause in Berlin.

Leslie Malton: Felix und ich haben einen Wohnsitz in Berlin und einen in München. Aber ich liebe Berlin, diese Stadt, die sich innerhalb von nur 50 Jahren zweimal neu aufrappeln musste. Es ist sehr anregend, um die Ecke zu biegen, und da steht plötzlich etwas Neues. Wachstumsschmerzen gehören natürlich dazu.

Frage: Warum sind Sie Vegetarierin geworden? Hat sich Ihr Mann Ihren Eßgewohnheiten angeschlossen?

Leslie Malton: Als ich in Amerika war, hatte ich wenig Geld, konnte mir also kein Fleisch leisten. In Deutschland gibt es am Set immer eine warme Mahlzeit mit Fleisch, das ist eine gewerkschaftliche Auflage. Aber immer wenn ich da Fleisch aß, fühlte ich mich hinterher müde. So habe ich also damit aufgehört. Felix war anfänglich erschrocken, hat aber gemerkt, dass man ohne Fleisch leben kann. Er ißt es nur noch hin und wieder im Restaurant.

Frage: Womit entspannen Sie sich von der Arbeit?

Leslie Malton: Mit dem Leben!

Frage: Haben Sie ein Lebensmotto?

Leslie Malton: Ja, es heißt 'Ehe wir vergessen ...'. Bewußt zu sein - in allen Bedeutungen, die dieses Wort hat.

Das Gespräch führte Bettina Gries für SAT.1.

Dirk Jasper FilmLexikon
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