Louis Malle ?
* 30. Oktober 1932 in Thuméries, Frankreich • ? 24. November 1995 in Kalifornien, USA • Regisseur • Biographie • Oscars • Filmografie •
Louis Malle Biographie Louis Malle wurde als Sohn einer französischen Industriellenfamilie im nordfranzösischen Thuméries geboren. Wegen Herzrhythmussstörungen musste Malle als Jugendlicher das Internat verlassen. Die Filmkamera, die ihm sein Vater zum Trost schenkte, sollte seinen Lebensweg bestimmen. Malle studierte auf Wunsch seiner Eltern zuerst politische Wissenschaften an der Sorbonne in Paris, wechselte aber schon bald auf die Pariser Filmhochschule, die er 1953 ohne Abschluß verließ und als Assistent beim Tiefseeforscher Jacques Yves Cousteau anheuerte.

Malle begleitete ihn drei Jahre als Assistent, unter anderem auf einer zweijährigen Reise des Forschungsschiffes "Calypso", während der Cousteaus berühmter Dokumentarstreifen Die Welt des Schweigens entstand. Der Film, bei dem er als Co-Regisseur fungierte, wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. 1956 assistierte er Robert Bresson. Danach war er für "einige Tage" Kameramann bei Jacques Tati Mon Oncle.

Durch den Krimi Fahrstuhl zum Schafott mit Jeanne Moreau kam für Malle 1957 der internationale Durchbruch. Weitere Filme, darunter Die Liebenden festigten seinen Ruf als Neue Welle-Regisseur in einer Reihe mit Claude Chabrol, Jean-Luc Godard und Francois Truffaut. Aber anders als diese, die als Filmkritiker von der Theorie herkamen, war er selbst der Handwerker, der Praktiker. Krimis, Dramen, Komödien, Action-Filme und Dokumentarstreifen zeigten Malle immer von neuen Seiten. In Vie privee gewährte Brigitte Bardot Einblicke in ihr Privatleben. Viva Maria mit Brigitte Bardot und Jeanne Moreau nannte er selbst einen Western in Röcken. In Der Dieb von Paris war Jean-Paul Belmondo der Star.

Die bis Mitte der 70er Jahre entstandenen Werke zeigten Malle als vielseitigen Regisseur, der scheinbar mühelos zwischen den Gattungen hin- und herpendelte. Dabei war er stets auf der Suche nach dem für das jeweilige Thema angemessenen filmischen Ausdruck, ohne sich dabei jedoch auf gewagte Experimente einzulassen.

1970 wurde Malles Film Herzflimmern über das heikle Thema Inzest ein internationaler Erfolg. Es folgten Streifen wie Lucien Lacombe, in dem er ein düsteres Kapitel der Besatzungszeit aufarbeitete; Auf Wiedersehen Kinder, die tragische Geschichte eines jüdischen Mitschülers; Komödie im Mai mit Michel Piccoli, eine köstliche Satire über die 68er Unruhen.

Mitte der 70er Jahre nahm Malle ein Angebot der Paramount Studios an. Ganz anders waren jetzt seine US-Streifen. Pretty Baby, ein Film über Kinderprostitution mit Brooke Shields, verursachte einen Skandal. Klamauk gab es in Crackers, in dem verarmte Weiße in den Südstaaten einen Überfall auf ein Pfandhaus planen. In der Tragikomödie Atlantic City spielte schließlich Burt Lancaster einen alternden kleinen Gangster.

Louis Malle war seit 1980 mit der US-Schauspielerin Candice Bergen verheiratet. Nach seinem Herzinfarkt im Jahre 1992 hatte er schon befürchtet, sein Liebesdrama Verhängnis nicht mehr zu Ende drehen zu können. Trotzdem leitete er 1993 die Jury des Filmfestivals in Cannes. Zuletzt wollte er in den USA das Leben von Marlene Dietrich verfilmen.

Louis Malle ließ sich als Regisseur nie auf einen Erzählstil oder ein Genre festlegen. Immer wieder verstand er es, mit der Wahl brisanter Themen zu provozieren, oft noch mit einem Augenzwinkern. Mit seinem ersten Film, Fahrstuhl zum Schafott gelang Louis Malle gleich ein Meisterwerk der französischen Nouvelle Vague. In den USA konnte er als einer von wenigen Regisseuren aus Frankreich Fuß fassen. Der bedeutende Regisseur starb am 24. November 1995 im Alter von 63 Jahren in Kalifornien an Krebs, an dem er bereits seit einigen Jahren litt.


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