Interview mit Maja Maranow
Maja Maranow Maja Maranow ist die Darstellerin der Ärztin Dr. Halm im Sat.1-TV-Film "Natascha - Wettlauf mit dem Tod"

Frage: Frau Maranow, was hat Sie gereizt, im Film "Natascha - Wettlauf mit dem Tod" mitzuwirken?

Maja Maranow: Ich wollte unbedingt einmal mit dem Regisseur Bernd Böhlich zusammenarbeiten. Ich habe frühere Produktionen von ihm gesehen und fand sie gut. Der Filmstoff ist heikel, aber ich war überzeugt, dass Böhlich ihn seriös behandeln würde. Außerdem wußte ich mich mit den anderen Darstellern in guter Gesellschaft.

Frage: Sie spielen das erste Mal eine Ärztin. Haben Sie sich speziell vorbereitet?

Maja Maranow: Zwei meiner Bekannten sind Ärzte - bei ihnen habe ich mich über die fachlichen Details wie Wilms-Tumor und Chemotherapie informiert. Und am Set waren medizinische Berater dabei. Nur ein Beispiel: Bei einer Szene auf Mallorca musste ich der kleinen Natascha eine Spritze geben. Mit dem Arzt habe ich die Szene so lange geprobt, bis sie professionell aussah und dann haben wir gedreht.

Frage: Haben Sie im Sommer 1995 die Ereignisse um das Krebs-Kind Olivia verfolgt?

Maja Maranow: Ja, man kam ja nicht umhin, die Presse war voll davon. Eine furchtbare Geschichte. Man kann nur hoffen, dass sie wieder gesund wird.

Frage: Nach dem großen Erfolg von Dieter Wedels "Der Schattenmann" haben Sie in der SAT.1-Produktion "Die Frau des Anwalts" wieder mit ihm zusammengearbeitet.

Maja Maranow: Wedel ist ein sehr guter Regisseur, ein genauer Beobachter. Das Schöne ist, dass er sich auch für winzige Szenen die erforderliche Zeit nimmt. Und wenn's der Pförtner ist, der nur für Sekunden aus seiner Loge guckt - Wedel pfeilt, bis es perfekt ist.

Frage: Sie stehen jetzt seit 12 Jahren vor der Kamera. Kann Sie da noch etwas überraschen?

Maja Maranow: Eigentlich fange ich bei jedem Film wieder von vorne an. Es ist tödlich für einen Schauspieler zu sagen: "Ich bin fertig, ich habe keine Zweifel mehr." Ich bin oft noch unzufrieden, wenn ich mich im Fernsehen sehe. Andererseits gibt es aber auch Szenen, bei denen ich beim Dreh ein schlechtes Gefühl hatte, die aber nach der Fertigstellung wunderbar aufgehen.

Frage: Zieht es Sie manchmal noch zum Theater?

Maja Maranow: Nein, ich habe nur ganz kurz nach meiner Ausbildung an der Hedi-Höpfner-Schule und bei Anne Marks-Rocke am Theater gearbeitet. Wenn ich jetzt zur Bühne zurückkehren würde, wäre ich wieder eine totale Anfängerin. Ich habe auch im Moment keine Ambitionen Regie zu führen, aber möglich ist alles.

Frage: Hegen Sie den Traum vom Sprung über den großen Teich? Maja Maranow: Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Allerdings gibt es drüben hervorragende Schauspieler wie Sand am Meer. Ich möchte an guten Projekten mitarbeiten - und dann ist es mir egal, ob sie in der Lüneburger Heide oder in Hollywood produziert werden.

Frage: Wie viele Rollen-Angebote flattern Ihnen im Monat ins Haus?

Maja Maranow: Wenn ich alle Rollen annehmen würde, die mir angeboten werden, könnte ich mir eine goldene Nase verdienen. Die Gefahr des Verschleißes ist unheimlich groß. Ich beschäftige mich sehr eingehend mit den Büchern, lese sie mehrmals, bevor ich entscheide. Es gibt natürlich auch Bücher, die landen nach der ersten Seite im Papierkorb. Rückseite - Faxpapier!

Frage: Nach welchen Kriterien wählen Sie dann die Rollen aus?

Maja Maranow: Ich will Rollen, die Fleisch haben, differenzierte Charaktere. Leider sind Rollen für Männer oft besser als die für Frauen - meistens schreiben ja auch Männer die Bücher. Die Frauenfiguren führen zwar oft durch den Film, aber die Gestalten bleiben blaß. Ich lehne prinzipiell Angebote ab, bei denen ich das Gefühl habe, die Frauenrolle ist lediglich zur Dekoration da.

Frage: Und in der drehfreien Zeit ...

Maja Maranow: Ausschlafen, ganz wichtig. Dann kämpfe ich mich durch die Papierberge auf meinem Schreibtisch. Im Anschluß kommen die angenehmen Dinge wie Kino, Theater, Freunde treffen, Lesen. Ich reise auch gern - Leben aus dem Koffer macht mir nichts aus. Ganz oben aus dem Zettel steht Irland, da wohnen Freunde von mir. Aber meistens dauert es nicht lange, bis ich wieder mit den Hufen zu scharren beginne ...

Frage: Würden Sie den Beruf für eine Familie an den Nagel hängen?

Maja Maranow: Es gibt genug Kollegen, die kriegen Kind und Beruf unter einen Hut. Ein Kind möchte ich haben - das ist überhaupt keine Frage. Aber den Beruf gebe ich nicht auf, dafür gefällt er mir zu gut. Es muss auch nicht sein, meine Mutter hat es mir vorgelebt.

Frage: In welcher Produktion stehen Sie als Nächstes vor der Kamera?

Maja Maranow: Zusammen mit Günter Strack spiele ich im SAT.1-Film Der König von St. Pauli, eine Produktion von Dieter Wedel. Alles Weitere sind ungelegte Eier.

Das Interview führte Bettina Gries.

Dirk Jasper FilmLexikon
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