Martin Scorsese
* 17. November 1942 in Flushing, New York, USA • Regisseur, Produzent, Autor, Schauspieler • Biographie • Oscars • Filmografie •
Martin Scorsese Biographie Auch ohne eigenen Oscar und ohne Megahits: Martin Scorsese zählt zu den bedeutendsten aktiven Filmemachern der USA.

Im Jahre 1942 wurde er als Sohn italienischer Einwanderer in New York geboren. Bereits als Kind litt er aber an Asthma und musste die meiste Zeit zu Hause verbringen - ein Grund für ihn, am liebsten vor dem Fernseher zu hängen. Auch im lokalen Kino wurde er schnell Stammgast, es gab kaum einen Film, den er nicht sah, die angeschlagene Gesundheit machte ihn geradezu süchtig nach Filmen.

Mit 14 Jahren beschloß er allerdings, Priester zu werden. Zum Glück für die Cineasten dieser Welt wurde er im College seiner Wahl nicht aufgenommen - so wurde für ihn der Weg frei, um zu seiner tatsächlichen Berufung zu finden: dem Filme machen.

Der Italo-Amerikaner Martin Scorsese absolvierte sein Studium an der New York University und schrieb sich währenddessen für die Filmkurse ein. Er arbeitete nach dem Studium als Cutter und drehte einige Kurzfilme, die bereits Auszeichnungen erhielten. Sein erster Langfilm Who's That Knocking At My Door (1969) mit Harvey Keitel erregte die Aufmerksamkeit von Roger Corman, der ihn bat, bei Die Faust der Regel ("Boxcar Bertha", 1972) die Regie zu führen.

Inzwischen war Scorsese Dozent für Filmgeschichte an der New Yorker Universität. Nebenbei arbeitete er als Regieassistent und Cutter für Michael Wadleighs Woodstock-Dokumentation.

Von John Cassavetes ermuntert, überarbeitet Scorsese ein Skript aus seinen Studententagen und dreht in New York Hexenkessel (1973). Mit dieser Geschichte über das harte Leben in den Straßen von Manhattan (mit den hervorragenden Darstellern Robert de Niro und Harvey Keitel in den Hauptrollen) gelingt Scorsese der große Durchbruch bei der Filmkritik - er wird zum führenden Mitglied des "New Hollywood". Dieser Film zählt bis heute zu den stilbildenden Filmen des neuen US-Kinos.

Ein Jahr später dreht er mit Alice lebt hier nicht mehr (1974) seine erste Studioproduktion, für die seine Hauptdarstellerin Ellen Burstyn einen Oscar erhält. Nach einer kurzen Dokumentation über seine Eltern folgt mit Taxi Driver ein Kultfilm, in der Robert de Niro als frustrierter Vietnam-Veteran Travis Bickle eine schauspielerische tour-de-force abliefert. Der Film (Drehbuch Paul Schrader) wird für fünf Oscars nominiert und bekommt in Cannes die Goldene Palme.

Im darauffolgenden Jahr drehen Scorsese und Robert de Niro mit New York New York eine liebevolle Huldigung an die Ära der Big Bands der 40er Jahre. Es folgt The Last Waltz (1978), eine Dokumentation über das Abschlußkonzert von Bob Dylans Begleitband The Band.

Einen neuen Höhepunkt erreicht Scorseses Karriere mit der Boxersaga Wie ein wilder Stier (1980). Robert de Niro bekommt einen Oscar für seine Darstellung des Jack la Motta, Thelma Schoonmaker einen Oscar für den Schnitt. Der Film erhält sechs weitere Nominierungen, darunter für den Besten Film, für die Beste Regie und für Joe Pesci als Bester Nebendarsteller. In zahlreichen Rückblicken auf die 80er Jahre wird Wie ein wilder Stier zum besten Film der Dekade, Scorsese zum besten Regisseur gewählt.

Mit seiner Showbiz-Satire King Of Comedy (1982) engagierte Scorsese einmal mehr seinen Hauptakteur Robert de Niro für die Hauptrolle. Mit Humor geht es zwei Jahre später weiter mit Die Zeit nach Mitternacht, für die es in Cannes den Regie-Preis gibt.

Mit seinem Spieler-Streifen Die Farbe des Geldes, einer Forsetzung von Robert Rossens The Hustler, vereint Scorsese Paul Newman und Tom Cruise auf der Leinwand - für Paul Newmangibt es dafür endlich seinen ersten Schauspieler-Oscar.

Nachdem er für Michael Jackson das Video Bad (1987) inszenierte, sorgt Scorsese mit Die letzte Versuchung Christi 1988 nicht nur beim Filmfest von Venedig für große Kontroversen. "Ich habe ihnen gesagt, dass dieser Film für mich wie Beten ist", äußerte sich er Regisseur über seine Bibel-Saga.

In Zusammenarbeit mit Woody Allen und Francis Ford Coppola entstand 1989 der Episodenfilm New Yorker Geschichten, zu dem Scorsese die Episode Lebensstudien beisteuerte, eine virtuose Betrachtung über einen Kunstmaler, gespielt von Nick Nolte.

Ein Jahr später folgte der Mafia-Streifen Goodfellas, wieder mit Robert de Niro und Joe Pesci - der für seine Rolle als Killer einen Oscar erhält. Mit dem Remake von Kap der Angst (1991) präsentiert Scorsese die junge Juliette Lewis als schmollmundigen Teenie, der vom rachsüchtigen Ex-Häftling Robert de Niro bedroht wird. Zwei Jahre danach spielen Michelle Pfeiffer und Winona Ryder die Hauptrollen im obsessiven Kostümdrama Zeit der Unschuld.

Auch vor der Kamera ist Martin Scorsese zu sehen: Neben Kurzauftritten in einigen seiner eigenen Filme - u. a. Taxi Driver - agiert er in dem russischen Streifen Anna Pavlona, in Bertrand Tavernieres Um Mitternacht, in Irwin Winklers Schuldig bei Verdacht sowie als Vincent van Gogh in Akira Kurosawas Träume.

Als Produzent fungierte er bei The Grifters, Sein Name ist Mad Dog, Naked In New York und Search And Destroy. Zuletzt hat er Spike Lees Clockers produziert sowie (als ausführender Produzent) Grace Of My Heart von Allison Anders.

Sein ungewöhnlicher Dokumentarfilm A Personal Journey With Martin Scorsese Through American Movies (Co-Autor und Co-Regisseur ist der Filmhistoriker Michael Henry Wilson), den das Britische Filminstitut in Auftrag gegeben hatte, lief 1998 sogar in den US-Kinos. Der zweite dieser Reihe mit dem Titel Il dolce Cinema, ein Streifzug durch die italienische Filmgeschichte, soll 1999 entstehen.

Viel Zeit investiert Scorsese in die Restauration alter Filme. Er ist Gründungsmitglied der Film Foundation, einer Organisation, die sich bei Studios und Archiven für die Erhaltung und Restaurierung alter Filme einsetzt.

1992 gründete er die Martin Scorsese Presents, ein Unternehmen, das sich der Restaurierung und dem Verleih von Filmklassikern widmet. Scorsese kümmert sich ebenso um die Förderung junger Filmemacher wie um die Produktion von anderen Filmen. Scorsese fungierte 1998 als Präsident der Jury des Internationalen Filmfestivals von Cannes und wurde im Jahr zuvor vom American Film Institute für sein Lebenswerk ausgezeichnet.


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