Interview mit Max Tidof

"Joseph Goebbels habe ich seit zehn Jahren im Kopf."

Max Tidof spielt in dem TV-Film "Zwischen zwei Männern - Die Liebe einer Frau" die Hauptrolle des Drogenfahnders Jo Hoffmann; der Film läuft 1995 auf Sat.1.

Frage: Herr Tidof, Sie spielen den Drogenfahnder Jo Hoffmann, der verfolgt, verdächtigt, gehetzt wird und bei einem Ehepaar auf einer Insel Unterschlupf findet - was hat Sie an der Rolle gereizt?

Max Tidof: Jo ist ein Sauberer, der manchmal über die Grenzen des Erlaubten hinweggeht. Er ist bei seiner Flucht völlig auf sich allein gestellt - und dann platzt er in eine Ehe hinein. Er kümmert sich plötzlich mehr um die Frau als um seine eigenen Probleme. Zwei Menschen entblättern sich am Ende und geben ihren wahren Gefühlen eine Chance. Der ganze Film hat mich gereizt. Jo ist eine durch und durch gespaltene Figur.

Frage: Zwischen Ihnen und Katja Flint entspinnt sich eine erotische Beziehung - wie schmecken Filmküsse?

Max Tidof: Das kommt drauf an. Es gibt Menschen, mit denen ich gut kann und diejenigen, mit denen ich weniger gut kann. Wenn ich jemanden küssen muss, den ich überhaupt nicht mag, schmecken die Küsse überhaupt nicht gut. Katja Flint kenne ich seit über 15 Jahren. Ich mag sie.

Frage: Kann überhaupt eine erotische Spannung aufkommen, wenn die Filmcrew drumherumsteht und zuschaut?

Max Tidof: Einen Liebesakt zu spielen, ist eher eine gymnastische Geschichte. Man muss sich auf tausend Dinge konzentrieren - und bestimmt nicht auf Sex. Dabei kann's natürlich passieren, dass man sich verliebt. Ich kenne die Geschichte eines Schauspieler-Ehepaares, das eine Liebesszene in einem Puff spielen musste. Als die Kamera ausging, blieben die beiden in dem Zimmer - und waren danach für ein paar Jahre ein Liebespaar.

Frage: Jo verknallt sich in eine verheiratete Frau - was würden Sie einem Freund raten, der in eine derartige Situation gerät?

Max Tidof: Ein Problem wird es dann, wenn sich ein Freund in die Freundin seines Freundes verliebt. Aber wenn Liebe auf Gegenliebe stößt, dann kann die Beziehung mit dem bisherigen Partner auch nicht in Ordnung sein. Ich halte mich bei solchen Sachen lieber 'raus. In Liebesdingen muss jeder selbst wissen, welchen Mist er verbockt. Gefühle kann man nicht beeinflussen.

Frage: Jo kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Haben Sie private Erfahrungen?

Max Tidof: Diverse Male. Einmal saß ich sogar im Knast - für ein paar Wochen. Der Anlass war eine Bagatelle, aber ich hatte keinen festen Wohnsitz. Ich wurde in Abwesenheit verurteilt - und da keiner wusste, wo ich wohne, erging ein Haftbefehl. Ich bin so ein Typ, der immer in Konflikte gerät und angehalten wird - egal, was ich anhabe oder wie ich aussehe. Es sei denn, meine Frau ist dabei. Eigentlich sehe ich ganz Vertrauen erweckend aus, aber die Polizei hat da anscheinend einen anderen Blick.

Frage: Was war das Gefängnis für eine Erfahrung?

Max Tidof: Ich wusste ja von Anfang an, was auf mich zukommt. Da das Ganze zeitlich begrenzt war, war's nicht so schlimm. Um das Gefängnis zu umgehen, hätte ich einen Anwalt einschalten müssen, aber damals hatte ich nicht einen einzigen Pfennig Geld.

Frage: Sie boxen - wollen Sie sich ausleben?

Max Tidof: Schau'n Sie mal: Ich rauche zwischen 40 und 80 Gitanes am Tag und trinke zwischen ein und vier Flaschen Wein. Und dann muss ich, sobald es die Zeit erlaubt, den ganzen Mist aus dem Körper rausprügeln. Ich will, dass mein Körper noch ein bißchen länger funktioniert. Boxen ist neben Fechten das härteste, was man machen kann. Boxen ist Fechten mit der Faust. Es macht Spaß und hält den Körper im Gleichgewicht.

Laufen ist todeslangweilig und Fahrrad fahren bringt's überhaupt nicht. Wenn ich auf den Speicher gehe und zwei Stunden auf einen Sandsack eintrümmere, bin ich danach vollkommen fertig. Boxen mit einem Partner ist - auch eine schöne Form von Vereinigung.

Frage: Sie haben heimlich geheiratet.

Max Tidof: Nicht heimlich, aber ich habe keine Presse eingeladen. Eine Knalltüte hat's dann einer Zeitung erzählt. Ich hab' mich fürchterlich geärgert, weil ich ihn eingeladen hatte.

Frage: Lisa Seitz, Ihre Ehefrau, ist auch Ihre Managerin. Wie klappt's, Beruf und Privatleben zu verquicken?

Max Tidof: Wir machen ja nicht den gleichen Job. Die Erfahrung zeigt, dass reine Schauspielerehen meistens in die Brüche gehen. Als meine Managerin weiß sie, was ich will, wann's langt und was ich brauche, um mit dem Job zufrieden zu sein - deswegen können wir bestens zusammenarbeiten. Zwischen uns gibt es keine Missverständnisse.

Frage: Gibt es für Sie eine Traumrolle?

Max Tidof: Joseph Goebbels habe ich seit zehn Jahren im Kopf, weil ich es einfach unglaublich faszinierend finde, dass dieser Mensch durch und durch böse war.

Frage: Was halten Sie von Hollywood?

Max Tidof: Nichts! Ich hätte keine Lust, dorthin zu gehen und Fuß zu fassen, wenn ich noch nicht einmal überall rauchen dürfte. Es gibt nur zwei deutschsprachige Menschen, die es drüben geschafft haben trotz Akzent - Arnold Schwarzenegger und Marlene Dietrich. Alle anderen dürfen eigentlich nur böse Ausländer spielen.

Jürgen Prochnow spielt teilweise schöne Sachen, aber er kommt ja nicht umsonst immer wieder zurück, um hier zu drehen. Ich habe in Australien zwei Filme gedreht, aber irgendwann gelangt man auch immer an eine sprachliche Barriere, durch die ich nicht so spielen kann, wie ich es gerne will.

Frage: Möchten Sie sich irgendwann einen Lebenstraum erfüllen?

Max Tidof: Ich hätte noch einen Berufswunsch: Weingutbesitzer im Bordeaux-Gebiet.

Frage: Was raten Sie Ihren Töchtern (14 und 5 Jahre), damit sie glückliche Menschen werden?

Max Tidof: Es gibt nur eine Sache, die wirklich scheiße ist - und das ist Lügen. Die Grundvoraussetzung, wenn man zusammen lebt, ist sich nicht anzuscheißen. Sauber bleiben - darauf baut alles auf.

Max Tidof. Foto: Sat.1

Dirk Jasper FilmLexikon

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