Interview mit Merab Ninidze
Merab Ninidze Merab Ninidze spielt die Hauptrolle in dem Film Nirgendwo in Afrika

Frage: Was hat Sie an der Rolle des Walter Redlich besonders gereizt?

Merab Ninidze: An der Figur hat mich besonders fasziniert, dass Walter so ein überzeugter Idealist ist, er besitzt einen unerschütterlichen Glauben an die Menschlichkeit. Mich beeindruckt, dass er intelligent und pragmatisch mit seinem Schicksal umgeht. Seine Offenheit macht sein Leben als unerwünschter Fremder für ihn erträglicher.

Frage: Worin liegen für Sie die größten Persönlichkeitsunterschiede zwischen Jettel und Walter?

Merab Ninidze: Jettel hängt lange Zeit an ihren Ängsten, sie lehnt ab, bereut. Sie vermisst ihre bürgerliche Umgebung und überlegt verzweifelt, ob es eine glücklichere Variante ihres Lebens geben könnte. Walter dagegen ist ein intellektueller Stadtmensch. Denken und analysieren war sein Beruf. Afrika macht ihn vielleicht anfangs zu einem Verlierer, doch er tut alles, um diese Opferrolle nicht zu übernehmen. Er versucht, sich mit dem "Jetzt" zu arrangieren.

Frage: Sie leben selbst nicht in Ihrem Geburtsland, sondern in Wien. Können Sie auf Grund Ihrer eigenen Erfahrungen - in einem fremden Land zu leben - Walter besonders gut verstehen?

Merab Ninidze: Nur teilweise, weil unsere Zeit so anders ist. Ich war nie gezwungen, meine Heimat zu verlassen, ich habe diesen Entschluss freiwillig getroffen. Da ich oft nach Georgien reise, habe ich kein Heimweh in dem Sinne. Ein Außenseiter zu sein, empfinde ich nicht so negativ wie Walter. Dennoch habe ich durch meine Emigration ähnliche Erfahrungen wie Walter gemacht, ich habe gelernt, immer nach vorne zu schauen, auch wenn man manchmal nostalgisch in die Vergangenheit blicken möchte.

Frage: Wie haben Sie die Dreharbeiten in Kenia erlebt?

Merab Ninidze: Die gesamte Drehzeit in Kenia war eine sehr intensive und inspirierende Erfahrung voller einmaliger Erlebnisse. Die Anstrengungen habe ich erst gefühlt, als ich wieder zurück nach Wien kam. Mich hat vor allem als Mensch das Land sehr bewegt. Ich konnte auch einen Blick in den Alltag der Menschen dort werfen. Dank der Freundschaft zu Sidede Onyulo habe ich mich dort überall zu Hause gefühlt und nach 2 ½ Monaten war mir diese Kultur gar nicht mehr fremd. Manchmal vermisse ich das Zeltleben, die afrikanischen Landschaften, den Markt in Nanyuki, die Tanzpartys im Kenia National Theater und vor allem die Menschen. Ihre Art zu leben und zu denken. Ich werde sehr bald wieder nach Kenia reisen und möchte zusammen mit Sidede Onyulo ein gemeinsames Theaterprojekt realisieren.

Dirk Jasper FilmLexikon
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