Interview mit Meret Becker
Meret Becker Meret Becker ist die Hauptdarstellerin in der Sat.1-Komödie "Diamanten küßt man nicht" Frage: Nach acht Wochen Dreharbeiten in Kanada zurück in Berlin. Wie hat Sie die Stadt empfangen?

Meret Becker: "Ich bin sehr froh, wieder zu Hause zu sein, die eigene Sprache zu sprechen. In Kanada waren zuletzt minus 50 Grad, wenn man nicht aufpaßte, froren einem die Hände an der Türklinke fest."

Frage: Was haben Sie dort gedreht?

Meret Becker:",Prairie Doves' eine englisch/kanadische Koproduktion, die 1870 in einem Bordell im Wilden Westen spielt. Damals gab es keine Frauenberufe wie Verkäuferin oder Kellnerin, und wenn eine Frau keinen Mann oder Land hatte, konnte sie sich nur als Prostituierte über Wasser halten. Ich spiele eine deutsche Einwanderin mit hellseherischen Fähigkeiten."

Frage: Gedeon Burkhard, Ihr Partner in "Kleine Haie", ist 1995 nach Hollywood gezogen, um in amerikanischen Produktionen Fuß zu fassen. Was haben Sie für ein Verhältnis zu Amerika?

Meret Becker: "Die wirklich interessanten Arbeiten sind doch die Filme, die gerade nicht aus Hollywood kommen, wie z.B. Pulp Fiction, ,Taxi Driver' oder ,Arizona Dream'. Wir hatten doch auch mal einen guten Film hier, darauf sollte man sich eher besinnen, als immer über den großen Teich zu schielen. Ein bißchen geradestehen für seine Kultur, sonst geht man immer so gebückt."

Frage: War die Heirat mit Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten im April 1996 in Las Vegas ein Schnellschuß oder von langer Hand geplant?

Meret Becker: "Das war ganz unspektakulär. Wir haben uns gefragt, ob wir uns heiraten wollen, und dann sind wir für vier Tage 'rübergefahren und haben es getan."

Frage: Ihr Mann hat einen Sohn - durch die Heirat sind Sie quasi auch Mutter geworden.

Meret Becker "Stief ist Stief, und das ist sehr gut so. Mein Stiefvater hat für mich gesorgt, obwohl er nicht musste - freiwillig und ehrlich. Für mich ist das noch neu, aber ich hoffe, dass ich es so hinkriege wie er."

Frage: In der SAT.1-Komödie "Diamanten küßt man nicht" spielen Sie die Meisterdiebin und junge Mutter Charlie, ein Engelsgesicht, von dem man nichts Böses erwartet.

Meret Becker: "Charlie ist ein Fabelwesen, eine Diebin aus Passion, wie auch die Rolle ihres Geliebten Robert nicht tiefenpsychologisch ausdeutbar ist. Wir haben ein modernes Märchen verfilmt, das im Stil und durch die Kostüme ein wenig an die 40er Jahre erinnert. Bei einem Film und besonders einer Komödie ist es wichtig, dass man sich für eine Sache entscheidet - in unserem Fall die heile, fröhliche Phantasiewelt."

Frage: Haben Sie auch privat einen Edelstein-Fimmel?

Meret Becker: "Ich wollte mir mal wie Sammy Davis jr. alle Finger mit großen Klunkern behängen - ein Zeichen dafür, dass man nicht arbeiten muss. Dann hatte ich eine Zirkus-Phase, also überall Goldketten. Aber irgendwann ist mir dieser Aufwand zu anstrengend geworden. Wenn man sich selber viel in Zeitungen sieht, kommt man zu einem gewissen Understatement im Privaten."

Frage: Sie haben Ihren Körper mit zwei Tattoos geschmückt. Seit einiger Zeit kursiert Branding. Reizt Sie das auch?

Meret Becker: "Nein, das ist etwas völlig anderes. Tattoos sind wie Malerei, kleine feine Zeichnungen. Ich male sehr gerne - nicht um es an die Wand zu hängen, sondern wegen des Zeichnens - und habe auch mal mit dem Gedanken gespielt, tätowieren zu lernen."

Frage: In Rossini oder der mörderischen Frage, wer mit wem schlief spielen Sie mit der ersten Garde der deutschen Filmschauspieler. Gibt es unter den Schauspielern eine bestimmte Gruppe, der Sie sich zugehörig fühlen?

Meret Becker: "Das war eine bestimmte erste Garde. Ich habe natürlich mehr mit den Berlinern zu tun, aber bewege mich doch eher in Musiker-Kreisen. Jürgen Vogel und Nicolette Krebitz sind einige der wenigen, die ich auch privat treffe."

Frage: Wenn man Ihre bisherigen Arbeiten sieht, hat man den Eindruck, dass Sie Ihren Weg sehr eigensinnig, im besten Sinn des Wortes, gegangen sind. Gibt es Autoritäten, Regeln, die Sie ungesehen akzeptieren?

Meret Becker: "Ich bin altmodisch - ich mag gute Manieren. Und auch den Unterschied zwischen Mann und Frau - man muss ihn einfach respektieren. Es gibt da Regeln, die ich sehr angenehm finde. Aber auch die Brüche sind reizvoll..."

Frage: Sie sind Schauspielerin und Musikerin. Gibt es für Sie eine Wertigkeit unter Ihren künstlerischen Ausdrucksformen?

Meret Becker: "Filme machen Spaß, aber die Arbeit wird sehr stark von außen kontrolliert. Bei der Musik arbeite ich mit Freunden, Kollegen - man ist unter sich, bleibt in seiner normalen Welt. Andererseits ist beim Film reizvoll, dass es eine Vorlage gibt, dass andere Ideen hatten, auf die man selber vielleicht nicht gekommen wäre."

Frage: In Interviews haben sie immer wieder Reichtum und Ruhm als Ziele in Ihrem Leben genannt. Aber Maßstäbe verschieben sich ja oft, je näher man seinem Ziel kommt.

Meret Becker: "Ich habe gemerkt, dass ich zum Show-Biz nur bedingt tauge, ich bin zu ehrlich dafür. Heute sage ich, dass ich die Dinge, die mir am Herzen liegen, auch wirklich durchführen möchte. Dabei reich und berühmt zu werden ist schön, aber ich würde wohl eher den Weg der Lotte Lenya gehen, als den von Marilyn."

Das Interview führte Bettina Gries.

Dirk Jasper FilmLexikon
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