Interview mit Michael Gwisdek

"Drehen ist Drehen. Es kommt nur darauf an, dass das Buch gut ist."

Michael Gwisdek spielt die Rolle des Erwin in der deutschen romantischen Liebeskomödie Kleinruppin forever.

Frage: Nach Good Bye Lenin! sind Sie erneut in einem Film über die DDR zu sehen. Machen Ihnen diese Filme besonders viel Spaß?

Michael Gwisdek: Nein, das ist Zufall. Drehen ist Drehen. Es kommt nur darauf an, dass das Buch gut ist. Wenn man kein gutes Buch hat, kann man gar nichts machen. Als ich das Skript zu Kleinruppin forever gelesen habe, hat´s bei mir gleich "klick" gemacht.

Frage: Was hat Sie an der Vater-Figur Erwin fasziniert?

Michael Gwisdek: Dem ist die Frau weggestorben, er lebt allein mit seinem Ziehsohn im Wald. Ein kauziger Typ. Ziemlich brummig, er motzt den Jungen scheinbar die ganze Zeit nur an, aber er ist ein Mann mit einem großen Herz. Raue Schale, weicher Kern, wie man so schön sagt. Er ist einer, der sein Leben schon hinter sich hat, einer, der alles weiß, aber immer noch zu seinem Sohn sagt: Junge, Du musst was essen, bind Dir einen Schal um, damit Du Dir keinen Schnupfen holst. Dieser alleinerziehende Kauz ist absolutes Schauspielerfutter. Es gibt bei ihm was zu lachen, er hat Tragik, einfach alles.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Tobias Schenke?

Michael Gwisdek: Einen Riesenspaß hat das gemacht, wie es mir überhaupt eine Riesenfreude bereitet, mit jungen Leuten zu arbeiten. Da ist so eine Lebendigkeit, dass ich mich weigere, älter zu werden, was mir zwar vom Aussehen her nicht gelingen will, aber vom Benehmen her manchmal vielleicht doch.

Frage: Sie fühlen sich da nicht als Lehrmeister?

Michael Gwisdek: Überhaupt nicht, im Gegenteil. Wenn jemand da mit so einer Lockerheit arbeitet, wie der Tobi und da ein bisschen unbekümmerter rangeht, dann hat das schon riesengroße Vorteile. Schauspielerei kann man nicht in der Schule lernen, man muss sich wohl fühlen vor der Kamera und Spaß haben. Gute Laune ist ganz wichtig bei der Arbeit. An einen Dreh sollte man immer so rangehen, wie man sich am Ende der Dreharbeiten fühlen möchte: dass man sich kennt, dass man nicht zu zaghaft miteinander umgeht, sonst passiert es, dass man am Ende noch mal von vorn anfangen will, weil man sich dann erst richtig kennt. Man muss also gleich reinspringen, und da gehört auch ein bisschen Faxen machen dazu.

Frage: Sie haben schon mit Dutzenden von Regisseuren zusammengearbeitet. Welchen Eindruck haben sie von Carsten Fiebeler?

Michael Gwisdek: Es war ideal. Er hatte von Anfang an seinen Film im Kopf, und von dieser Idee hat er sich nicht abbringen lassen. Dadurch habe ich sofort Vertrauen zu ihm bekommen und er hat mich deswegen mein Handwerk machen lassen. Alle Voraussetzungen für einen unterhaltenden, spannenden und rührenden Film waren bei den Dreharbeiten gegeben.

Frage: An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Michael Gwisdek: Vor kurzem habe ich unter der Regie von Peter Kahane einen großen Fernsehfilm in Dresden abgedreht, außerdem ist ein Kinofilm in Planung, über den ich noch nicht viel sagen will, weil noch ein paar Mark fehlen. Und an ein eigenes Projekt denke ich ebenfalls schon wieder.

Michael Gwisdek in 'Kleinruppin forever'
Plakat 'Kleinruppin forever'

Dirk Jasper FilmLexikon

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