Interview mit Michael Mendl

"Wir haben die Verantwortung, unsere deutsche Geschichte aufzuarbeiten."

Michael Mendl ist der Darsteller des General Weidling in dem deutschen Kinofilm Der Untergang.

Frage: Wie würden Sie Ihre Rolle als General Weidling beschreiben?

Michael Mendl: Es ist eine sehr kantige Rolle: General Weidling geht seinen eigenen Weg, und man könnte sagen, er unterliegt dabei einem Irrtum. Die Heeresführung meint, er habe seine Einheit vom Osten abgezogen. Und jeder, der das gegen Hitlers Befehl tut, wird ja standrechtlich erschossen. Natürlich stimmt das nicht ? im Gegenteil: Er kämpft seit Tagen an vorderster Front. Er geht also zum Rapport zum Führer, der Irrtum stellt sich heraus, und daraufhin wird er sogar befördert, zum General von Berlin. Da meint er, hätte man mich mal lieber nicht befördert, dann wäre dieser Kelch an mir vorübergegangen.

Er ist Preuße, hat aber durchaus eine eigene Vorstellung davon, was Pflicht und Gehorsam heißt ? also kämpft er zwar für das Vaterland, erkennt jedoch den Unsinn, und hat später die wunderbare Aufgabe, die Kapitulation auszurufen. Und ? das hat mir sehr gefallen ? er tut dies in etwa mit folgenden Worten: Während ihr alle im Dreck lagt und keine Munition und nichts mehr zum Fressen hattet, hatte unser Führer nichts Besseres zu tun, als sich umzubringen. Das zeugt doch von Charakter.

Frage: Gibt es Parallelen zwischen Ihrer Person und der historischen Figur des Generals?

Michael Mendl: Ich glaube, dass ich als Widder jemand bin, der immer mit dem Kopf durch die Wand will, und der vor allem Ungerechtigkeit nicht ertragen kann. Das habe ich in dieser Figur auch gefunden. Diese kleine, aber sehr wichtige Rolle zeigt die Widerspenstigkeit, den todernsten Zorn und seinen Gerechtigkeitssinn.

Frage: Sahen Sie in diesem Projekt auch Risiken?

Michael Mendl: Wir haben die Verantwortung, unsere deutsche Geschichte aufzuarbeiten. Und wenn man das in solchen Bildern erzählen kann, wie Bernd Eichinger sie geschrieben hat und Oliver Hirschbiegel sie umsetzte ? und das noch mit einer wunderbaren Besetzung ? dann war das eine Aufgabe, die man als Schauspieler gerne übernommen hat. Beim Lesen des Scripts hatte ich keine Befürchtungen ? wenn es allerdings in falsche Hände geraten wäre, da hätte man leicht ein Melodram daraus machen können so nach dem Motto: Ach Gott, der arme Kerl! Aber durch Oliver Hirschbiegel war die Garantie gegeben, dass das ganz bestimmt nicht der Fall sein würde.

Michael Mendl
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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