Interview mit Nadeshda Brennicke
Nadeshda Brennicke Nadeshda Brennicke spielt die Maya Kroner in dem Film Tattoo

Frage: Was hat Sie an dem Film Tattoo besonders gereizt?

Nadeshda Brennicke: Tattoo ist eine ziemlich düstere, obskure Geschichte mit doppeltem Boden. Trotz der molochartigen, perfiden Welt, die einen im Laufe des Films mehr und mehr zu verschlucken droht, hat man die Hoffnung, doch noch ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Ein ungewöhnlicher Stoff für einen deutschen Kinofilm mit einer sensiblen und wachen Besetzung.

Frage: Nach welchen Kriterien suchen Sie sich ihre Rollen aus?

Nadeshda Brennicke: Rollen sind wie Lebensabschnitte für mich. Man taucht in einen Charakter ein, mit dem man sich auf irgendeine Art und Weise identifiziert, ganz gleichgültig wie gewöhnlich, außergewöhnlich, pervers oder rein eine Figur auch sein mag. Wenn ich mich nicht mit den Figuren identifizieren kann, fällt es mir schwer, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Auf einmal hat man einen siamesischen Zwilling, und wenn man sich nicht halbwegs mit ihm arrangieren kann, dann kann das ziemlich ungemütlich werden. Manchmal kann es sogar leichte Schizophrenien auslösen. Ich bin aber der Ansicht, dass die richtigen Angebote immer zur richtigen Zeit kommen. Insofern fällt es mir auch nicht schwer, mich in verschiedene Rollen hineinfallen zu lassen.

Frage: Konnten Sie die Rolle mitentwickeln?

Nadeshda Brennicke: Schauspieler sind Egoisten. Regisseure sind Visionäre - manchmal zumindest. Ich halte Robert Schwentke für einen Visionär. Als Egoist fällt es einem schwer, die Sichtweisen anderer in sich aufzunehmen und sein Ego loszulassen. Doch das ist es, was eine Rolle wahrhaftig macht. Ich denke, dass es nicht einfach ist, mit mir zu arbeiten. Aber ich bin dankbar, auf Regisseure wie Robert Schwentke zu treffen, deren Vision ich respektieren kann.

Frage: Wie interpretieren Sie die Figur der Maya?

Nadeshda Brennicke: Maya hat ein Geheimnis. Sie hat sich ihre eigene Welt geschaffen. Sie lebt nicht mit, sondern gegen ihr Geheimnis. Sie sitzt im Gefängnis ihrer eigenen Psychose, bis sie endlich einen Menschen trifft, dem sie sich öffnet. Marc liefert sie sich voll und ganz aus. Sie schenkt ihm ihr Vertrauen, das dieser im Laufe der Geschichte missbrauchen muss.

Frage: Ist Ihnen Maya sympathisch?

Nadeshda Brennicke: Ja, aber ich glaube nicht, dass wir Freundinnen werden könnten.

Frage: Worin lag für Sie die besondere Schwierigkeit Ihrer Rolle?

Nadeshda Brennicke: Die Schwierigkeit lag weniger in der Rolle als solcher, sondern eher darin, sie und dieses Projekt wieder loszulassen. Es war eine außergewöhnliche Arbeit, die mich noch lange festhalten wird.

Frage: Wie hält man sich als Schauspieler bei so vielen Nachtdrehs fit?

Nadeshda Brennicke: Ich hasse Nachtdrehs. Ich bin ein Tagmensch und daher absolut sonnenabhängig. Glücklicherweise hielten sich in meinem Fall die Nachtdrehs in Grenzen, denn zu viele davon schlagen mir aufs Gemüt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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