Interview mit Nadja Uhl
Nadja Uhl Nadja Uhl spielt die Hauptrolle in dem Sat.1-TV-Film "Gefährliche Lust - Ein Mann in Versuchung" und der Sat.1-TV-Serie "Stan Becker - Auf eigene Faust"

Frage: Was hat Sie an diesen Filmen gereizt - immerhin sind beide sehr spannend - ein Krimi und ein Erotic Thriller?

Nadja Uhl: Beide Drehbücher waren gut, meine Rolle plausibel. Ich habe mich beson-ders bei 'Cape Town Blues' aus der Reihe 'Stan Becker - Auf eigene Faust' auf die Zusammenarbeit mit Heinz Hoenig und Otto Sander gefreut. Außer-dem, wann kommt man schon einfach mal so nach Kapstadt? Die Location war einfach traumhaft. Bei 'Gefährliche Lust' reizte mich diese kompli-zierte Dreiecksbeziehung zwischen meinem Freund Gedeon Burkhard, Denise Virieux und mir. Denise ist wirklich eine zauberhafte Frau, mit der ich sofort wieder arbeiten würde.

Frage: Wie wählen Sie Ihre Rollen aus?

Nadja Uhl: Ich muss arbeiten - je mehr, desto besser. Wenn ich dann auch noch Glück habe und das Drehbuch ein hohes Niveau hat, freue ich mich sehr. Ich bin ja eigentlich noch ein No-Name - und als solcher darf ich mir natürlich nie die Frage stellen, ob das tatsächlich Geschichten sind, die die Welt braucht ... Dafür, dass ich noch unbekannt bin, bekomme ich gute Rollen. Und habe richtig viel zu tun.

Frage: Heinz Hoenig und Gedeon Burkhard - beides sind Männer, auf die Frauen fliegen. Wie war es, mit den beiden zu arbeiten?

Nadja Uhl: Heinz Hoenig ist ein richtiger Mann - und eine echte Naturgewalt. Da prallen Kräfte aufeinander. Nachdem wir unsere Kräfte gemessen hatten, war er sehr charmant und amüsant. Wir haben uns super verstanden. Er weiß halt, dass er etwas zu sagen hat, und das tut er laut und mit aller Kraft. Ich musste mich ihm gegenüber behaupten, musste meiner Meinung treu bleiben. Er will Menschen auf ihren Wahrheitsanspruch prüfen. Also sind wir aneinandergerasselt. Danach war's gut. Er ist sehr authentisch, haßt Menschen, die Mist erzählen oder eitel und verdorben sind. Nach der Prüfung entwickelt er sich zu einem riesengroßen Brummbär.

Frage: Und Gedeon?

Nadja Uhl: Er ist einfach ein super Vollprofi. Immer perfekt, immer freundlich, immer fair als Kollege. Er versteht seinen Job auch als Marketing. Und spielt hervorragend auf dieser Klaviatur.

Frage: Was würden Sie für Erfolg tun?

Nadja Uhl: Ich erreiche am meisten, wenn ich mich nicht verkrampfe, wenn ich die Dinge nicht zu verbissen sehe. Ich habe mich noch nie unter Druck gesetzt. Ich bin halt fürs Laster und Faulsein geschaffen. Niemals würde ich einem Menschen irgendwohin Puderzucker blasen, nur um etwas zu erreichen. Diplomatie ist nicht meine Stärke. Ich muss morgens noch in den Spiegel schauen können.

Frage: Wie wichtig ist Erfolg?

Nadja Uhl: Es ist doch die ideale Kombination, einen Job zu haben, der Spaß macht, der mich glücklich macht - und andere auch. Anerkennung für das zu bekommen, was man getan hat, ist wundervoll. Jeder möchte doch geliebt werden.

Frage: Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden?

Nadja Uhl: Ich bin in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Dorf aufgewachsen. Da gab's kaum Fernsehen und schon gar kein Theater. Aber seit dem Kindergarten wollte ich unbedingt Schauspielerin werden. Die anderen haben mich dafür belächelt, aber meine Familie hat mich immer darin unterstützt. Das machen sie heute noch - ganz bodenständig, ohne Spinnerei.

Frage: Sind Sie denn "vorbelastet"?

Nadja Uhl: Nein, meine Mutter ist Kindergärtnerin, meinen leiblichen Vater hab' ich nie kennengelernt. Keiner in meiner Familie hat etwas mit meinem Beruf zu tun.

Frage: Haben Sie Vorbilder?

Nadja Uhl: Nein, eigentlich nicht. Allerdings finde ich Romy Schneider ganz irre. Sie hat sich so wunderbar entwickelt - von einem nichtssagenden, hübschen Mädchen zu einer unglaublich spannenden Frau.

Frage: Was ist für Sie Luxus?

Nadja Uhl: Ausschlafen. Ganz lange um die Häuser ziehen. Und dann wieder ausschlafen. Luxus ist für mich auch, die Mittel zu haben, das zu tun, was ich möchte. Wozu brauche ich sonst die Freiheit, die mir mein Leben bietet?

Frage: Wie würden Sie sich beschreiben - in einem Satz?

Nadja Uhl: Das ist schwer. Vielleicht himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Ich brauche mehr Sätze! Ich neige manchmal zu extremer Nachdenklichkeit, dann wieder zu totaler Lebenslust. Ich bin ein durch und durch ehrlicher Mensch - und versuche, immer ehrlich mit anderen umzugehen. Ich scheitere oft an meinen Ansprüchen. Bin unpünktlich und manchmal unzuverlässig.

Frage: Wann empfinden Sie Glück?

Nadja Uhl: Glück ist für mich, Menschen um mich zu haben, bei denen ich mich zu Hause fühle - die ich liebe, und die mich lieben.

Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Nadja Uhl: Ich hänge wahnsinnig gern abends vor der Glotze oder ziehe mit Freunden um die Häuser. Ich gehe gern klettern - und im Winter snowboarden.

Frage: Sie leben in Berlin mit Ihrem Freund zusammen?

Nadja Uhl: Mike Dehghan. Er ist wie ich beim Film. Wir haben uns während eines Drehs kennengelernt. Er hat sich vom Fahrer zum Aufnahmeleiter und Produktionsassistenten hochgearbeitet, ist extra meinetwegen von München nach Berlin gezogen.

Frage: Wollen Sie Kinder?

Nadja Uhl: Irgendwann unbedingt.

Frage: Aber die Karriere ...

Nadja Uhl: Wenn's darauf ankäme, würde ich mich immer gegen die Karriere und für das private Glück entscheiden.

Dirk Jasper FilmLexikon
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