Interview mit Oliver Stritzel

"Vorstellbar ist vieles, aber zu rechtfertigen nicht."

Oliver Stritzel, spielt die Hauptrolle in dem Sat.1-TV-Movie "Vergewaltigt - Das Ende einer Liebe"

Frage: In "Vergewaltigt - Das Ende einer Liebe" sind Sie der Unternehmer Thorsten Bach, der seine Frau vergewaltigt. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Oliver Stritzel: Das widersprüchliche an der Figur. Die intensiven Charaktere und die Dichte des Drehbuches - ein Schauspielerfilm. Hier steht nicht nur das Böse gegen das Gute. Die Bachs sind eine ganz normale Familie mit verborgenen finanziellen Nöten. Die Ehefrau hat Wünsche, mit denen Thorsten nicht konform geht. Sie werden sich fremd. Als sie ihm mitteilt, dass sein Erstgeborener nicht sein leiblicher Sohn ist, kommt es zu Eklat. In diesem Moment wird sie für ihn billig, verlogen. Er fällt über sie her - obwohl er sie liebt. Nachdem sie ihn verklagt, weiß er sich nur noch mit Psychoterror zu helfen. Es wird hier das Schicksal von zwei Menschen geschildert, die sich zerstören. Das Drehbuch bezieht deutlich Position. Körperliche Gewalt als Machtmittel oder Zeichen der Ohnmacht ist nicht zu akzeptieren. Dennoch bleibt Platz für die subjektive Sicht der einzelnen Charaktere. Die Regisseurin Susanne Zanke hat bei ihrer Inszenierung viel Wert auf das Subtile gelegt. Das war ein großes Glück.

Frage: Vergewaltigung in der Ehe ist ein äußerst brisantes Thema - wie haben Sie sich vorbereitet?

Oliver Stritzel: Letztlich wie auf jede andere Rolle. Ich spiele hier keinen Psychopathen, deshalb bedurfte es keines besonderen Studiums. Ich setze mich natürlich mit dem Stoff auseinander, mache mir ein Bild von der Figur. Am Set entwickelt sich dann oft noch ein Eigendynamik. Die Arbeit ist immer eine Mischung aus Vorbereitung und Flexibilität.

Frage: Wie war es, insbesondere diese Szene umzusetzen?

Oliver Stritzel: Nicht einfach. Durch die Technischen Umstände aber auch grotesk - da ist kaum Platz für Betroffenheit. Meiner Kollegin Susanne Schäfer, die ja das Opfer spielt, muss die Szene seelisch viel näher gegangen sein.

Frage: Können Sie sich menschlich erklären, dass es Männer gibt, die ihre Ehefrau vergewaltigen?

Oliver Stritzel: Kein Mensch auf dieser Welt kann sich sicher sein, dass es nicht andere gibt, die ihre Grenze ganz fürchterlich überschreiten. Allerdings: Vorstellbar ist vieles, aber zu rechtfertigen nicht.

Frage: Wie muss eine Rolle sein, damit Sie zugreifen?

Oliver Stritzel: Zwei Dinge sind wesentlich: Ist der Stoff glaubhaft? Und ist der Charakter glaubhaft? Es kann Verschiebungen geben, z.B. wenn das Sujet nicht ganz so Prickelnd ist, man aber auf den Charakter Gewicht legen kann. Im Idealfall klappt beides.

Frage: Sie haben 1980 in "Das Boot" gespielt, erhielten vor zwei Jahren den Adolf-Grimme-Preis für "Polizeiruf 110". Viele kennen Ihr Gesicht, die wenigsten Ihren Namen - angenehm oder eher schade?

Oliver Stritzel: Da müßte man vielleicht mal zählen. Ich verdiene mein Geld als Schaupieler seit 1977 und habe gute Produkte vorzuweisen. Es gibt keinen Grund zu klagen.

Frage: Man weiß über Sie so gut wie nichts Privates - außer, dass Sie vor 41 Jahren in Berlin geboren wurden und Schauspieler sind. Wie leben Sie?

Oliver Stritzel: Ich bin seit einem Jahr verheiratet. Meine Frau ist Redakteurin und Producerin. Seit zehn Jahren sind wir ein Paar. Wir leben in München.

Frage: Versuchen Sie sich selbst zu beschreiben.

Oliver Stritzel: Blond, und ich versuche, mir immer Mühe zu geben.

Frage: An welchen Projekten arbeiten Sie?

Oliver Stritzel: Für WDR drehe ich zur Zeit 'Schande' - nach einem Buch von Burkhard Driest, unter der Regie von Claudia Prietzel. Ich bin ein Vater, der sich an seiner jüngsten Tochter vergangen haben soll.

Oliver Stritzel. Foto: Sabine Kückelmann

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