Interview mit Olivia Williams
Olivia Williams

Frage: Was hat Sie bei diesem Projekt am meisten fasziniert?

Olivia Williams: Es ist wohl eine ziemlich außergewöhnliche Vorstellung, eine erschreckende Idee, aber was wäre eigentlich, wenn wirklich jemand die sterblichen Überreste Jesu Christi gefunden hätte? Nicht nur aus religiöser Sicht äußerst interessant, sondern vor allem aus politischer Sicht und dem Hintergrund internationaler Verwicklungen. Ein anderer Grund ist sicher, dass wir immer nach anständigen Drehbüchern suchen und in einem Film zu spielen, der mit der Entdeckung einer Leiche durch eine Archäologin beginnt, ist eine ziemlich attraktive Vorstellung. Es ist ein Fortschritt, die Archäologin zu spielen, statt nur die Freundin oder Frau des Archäologen.

Frage: Erzählen Sie uns etwas über Ihre Rolle.

Olivia Williams: Frau Doktor Sharon ist in Israel geboren, aber in England ausgebildet worden. In ihrem Beruf hat sie sich auf spezifische Arbeiten spezialisiert, die in Israel durchzuführen sind: bevor irgendein Gebäude errichtet werden darf, muss durch archäologische Ausgrabungen sicher gestellt werden, dass dabei keine wertvollen historischen Zeugnisse zerstört werden. Sie führt durch, was zunächst wie eine Routine-Ausgrabung im Fundament eines Gebäudes erscheint, entdeckt dabei aber ein Grab, bei dem alles darauf hinweist, dass es das Grab Jesu Christi ist.

Frage: Kannten Sie Antonio Banderas schon? Wie waren Ihre Erfahrungen in der Arbeit mit ihm?

Olivia Williams: Ich hab ihn vorher nicht gekannt. Wir haben uns erst kurz vor Beginn der Dreharbeiten kennengelernt und er erschien mir äußerst charmant und bescheiden, daher war ich sehr froh, mich für diese Arbeit entschieden zu haben. Und die Zusammenarbeit war eine wunderbare Erfahrung. Er hat eine mitreißende Persönlichkeit: er nimmt seine Arbeit sehr ernst, aber macht alles mit viel Spaß. Es war sehr interessant, seine Arbeitsweise zu beobachten und wir haben uns sehr gut verstanden. Genauso haben wir uns auch auf der Leinwand verhalten: wir konnten immer sehr ernst sein oder ziemlich albern. Es war wunderbar.

Frage: Hat er Sie in seiner Rolle als Priester überzeugt?

Olivia Williams: Was ich am meisten an Antonio bewundert habe, ist, dass er vor allem erst einmal Schauspieler ist und nicht der schönste Typ am Set sein will. Er ist hier, um einen Priester zu spielen und das hat er sehr ernst genommen. Er kommt aus einer Tradition, wo sich die Schauspieler verwandeln. Er ist nicht gerade der Typ, um einen Priester zu spielen, weil er dafür viel zu sexy ist, aber ich glaube er hat viel von sich selbst in die Rolle einfließen lassen und meiner Meinung nach war er sehr überzeugend.

Frage: Obwohl er ein Priester ist, scheint es doch eine Anziehung zwischen Ihren beiden Charakteren zu geben.

Olivia Williams: Das kann man schwer sagen. Im Drehbuch kommt es nicht vor. Sagen wir mal, es gibt keinen Sex im Drehbuch. Das Wichtige ist die Beziehung der beiden Charaktere und wie sie sich entwickelt. Aus der Sicht des Schauspielers ist es besonders interessant, darzustellen, was diese beiden Charaktere nicht können. Man muss abwarten, ob sich diese Gefühle wirklich von der Leinwand aus übertragen, aber es ist klar, dass die beiden was anstellen wollen, das ihnen verboten ist. Noch einmal: es ist ein Vergnügen mit Antonio zu arbeiten, weil er sehr gut dieses Gefühl rüberbringt, sich selbst zu beherrschen und gleichzeitig eine gewisse Sehnsucht zu verbergen. Dieser Film handelt vom Glauben contra Wissenschaft. Mein Glauben wird ständig auf die Probe gestellt. Eine Woche Hollywood reicht völlig, um jeden Glauben auf die Probe zu stellen. Dabei muss es nicht einmal der religiöse Glaube sein, sondern allein der in die Natur des Menschen. Hier (in dem Film) werden die Probleme als eine Art Religionskrieg beschrieben, aber mir erscheint es gar nicht als eine Frage der Religion.

Frage: Hat der Film Ihr Leben verändert?

Olivia Williams: Ich lebe schon lange außerhalb Englands und der Vereinigten Staaten und während der Filmpremiere war ich hier in Israel. Und bis auf die Tatsache, dass man mich im israelischen Supermarkt wiedererkennt, hat es mich nicht weiter berührt. Ich hab ziemlich viele E-mails aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt von Bekannten bekommen, die mir allerlei komische Fragen zum Film stellten, aber ich kann nicht gerade sagen, dass ich wegen eines Weltruhmes überlastet wäre.

Frage: Warum, glauben Sie, haben die Zuschauer so auf den Film reagiert?

Olivia Williams: Ich glaube, es ist ein genaues und ausgearbeitetes Drehbuch. Die meisten sind immer ziemlich sauer darüber, wenn ich die Drehbücher lobe, aber ich kann mich hier nur wiederholen. Mein Freund, der Schauspieler Bill Murray, beschuldigt mich immer, dass ich mich wie eine preziöse Britin aufführe. Aber es ist einfach ein phantastisches, aufregendes Drehbuch.

Frage: Wie war Ihre Erfahrung mit der Arbeit des Regisseurs, Jonas McCord?

Olivia Williams: Er ist ein ganz außergewöhnlicher Mensch. Ich glaube, er hat erreicht, was er wollte und das hat er vor allem auf Wegen außerhalb des Normalen durchgesetzt. Er redet in klangvollen spiritistischen Begriffen von dem, was er mit diesem Film erreichen will und es ist einfach schwierig, nein zu sagen. Keiner möchte ihn enttäuschen. Wir alle glauben, dass der Film ein großer Erfolg wird und ein MUSS für die Zuschauer.

Dirk Jasper FilmLexikon
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