Omar Sharif
* 10. April 1932 in Alexandria, Ägypten, als Maechel Shalhoub • Schauspieler • Biographie • Oscars • Filmografie • Adresse: Omar Sharif c/o Anne Alvares Correa, 18 rue Troyon, F-75017 Paris •
Omar Sharif Biographie Exotischer Lebemann, verführerischer Casanova, glutäugiger Vollblutschauspieler - auf Omar Sharif paßten alle Begriffe, die mit Leidenschaft, Feingeist, Erotik und Filmkunst zu tun haben. Aber Maechel (Michael) Chalhoub - sein richtiger Name - ist alt geworden, über 60 Jahre, einsam, krank und fast arm, zumindest wenn man sein heutiges Vermögen mit dem von früher vergleicht. Der Abstieg des Lawrence von Arabien oder des Doktor Schiwago begann in der 70er Jahren.

Omar Sharif wurde als Sohn eines reichen Holzhändlers libanesischer Herkunft geboren. Als er vier Jahre alt war, zog die Familie nach Kairo, wo er später das Gymnasium und das British Victoria College besuchte. Schon während seiner Schulzeit gründete Omar Sharif eine Schauspielgruppe, für die er mit 14 Jahren als Schauspieler (unter anderem Hamlet) und Direktor tätig war. Er arbeitete drei Jahre lang im Geschäft seines Vaters. Seine Berufsausbildung als Schauspieler wollte er an der Royal Academy of Dramatic Art in London absolvieren. Er bewarb sich zwar, lernte aber den Regisseur Jussef Shahine kennen und bekam seine erste Filmrolle. 1953 erhielt er als Omar el Cherif seine erste Hauptrolle in einem ägyptischen Film: The Blazing Sun, der 1954 in die Kinos kam.

Er konvertierte vom Katholizismus zum Islam, nahm den Namen Omar El-Sharif an und heiratete 1955 den ägyptischen Filmstar Faten Hamama. 18 weitere Filme in seiner Heimat folgten, aufgrund seines blendenden Aussehens entwickelte er sich rasch zum Publikumsliebling. 1958 drehte er mit Goha seinen ersten westlichen Film, daraufhin erhielt er vom Produzenten Sam Spiegel die Rolle des Scheik Ali im Lawrence von Arabien. Mit Lawrence von Arabien errang Omar Sharif den internationalen Durchbruch und er wurde mit dem Oscar für die beste Nebenrolle ausgezeichnet. Hollywood lockte den Ägypter mit Geld, aber es entpuppte sich auch als goldener Käfig: der Vertrag mit der Columbia knebelte ihn, so dass er keinen anderen Film machen konnte - und er hatte Angst, weil er ein Ägypter aus "Nasser-Land" war und die meisten Menschen, mit denen er arbeitete, Juden.

Trotzdem, sein Jugendtraum, jemand zu sein, über den die Welt redet, erfüllte sich. Die Zuschauer, vor allem die Frauen, liebten ihn. Sein Leben blieb jedoch unerfüllt, durch seine US-Karriere entfremdete er sich von seiner Frau und Kollegin Faten Hammama und ließ sich schließlich scheiden. Für sie war er vom Katholizismus zum moslemischen Glauben übergetreten, obwohl er bis heute keine religiöse Überzeugung hat und Religion seiner Meinung nach nicht die Völker vereint, sondern spaltet.

Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Tarek (geb. 1957), der in Doktor Schiwago seinen Vater als kleines Kind verkörpert. Faten sei die einzige Frau gewesen, die er jemals geliebt habe, äußerte Omar Sharif 1995 gegenüber der Zeitschrift "News". Dabei hatte der Schauspieler viele Affären: Barbra Streisand, Sophia Loren, Ingrid Bergman, Anouk Aimée - die Liste ist lang. Zu einer dauerhaften Bindung kam es nach seiner Scheidung jedoch nicht mehr. Allerdings heiratete er noch einmal: 1977 Sohair Ramzi. Eine angeblich nur fünf Minuten dauernde Affäre mit der italienischen Journalistin Paola de Luca bescherte ihm seinen unehelichen Sohn Ruben (1971 geboren), zu dem er keinen Kontakt pflegt. "Ich kann nur denjenigen meinen Sohn nennen, dessen Mutter ich auch geliebt habe."

Omar Sharif 1970 Seine Rolle als Filmehemann der Jüdin Barbra Streisand in Funny Girl und Funny Lady löste zur Zeit der heißen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Ägypten einigen Wirbel aus. Gerade mit dem Dollar-Segen kam der finanzielle Niedergang des Lebemannes Omar Sharif. Die Liebe zum Spiel hatte seine Mutter in ihm gesät, als sie ihm das Bridgespielen beibrachte. 1973 wurde er sogar Weltmeister im Bridgespiel. Im Laufe seines Lebens soll der Schauspieler etwa 12 Millionen Dollar in den Casinos dieser Welt verloren haben; in nur sechs Stunden angeblich die halbe Million Dollar Gage für seinen Film Dämonen.

Omar Sharif verlor den Boden unter den Füßen und seine Wurzeln, rauchte täglich vier Packungen schwere Orient-Zigaretten und tanzte betrunken viele wilde Nächte durch. Sein aufwendiges Leben kostete ihn sein ganzes Vermögen, so dass er schließlich TV-Werbung machen musste. Er selbst sieht sich heute als Opfer der 68er Revolution: "Junge Regisseure stiegen auf, die Filme über den Zustand der Gesellschaft machen wollten, und dazu brauchten sie Darsteller aus ihrem eigenen Land." In den letzten Jahren wurden Omar Sharif nur wenige kleine Rollen angeboten - er nimmt sie an, wenn er Lust hat und um etwas Geld zu verdienen. "Vielleicht spiele ich auch, um nicht müde zu werden", verriet er der Zeitschrift "Gala" anläßlich der Dreharbeiten zu Katharina die Große 1994 in Babelsberg.

In den letzten Jahren ist er vereinsamt: dem Casanova von einst sind Frauen gleichgültig geworden. Auch das Rauchen hat er sich abgewöhnt, nur ab und zu gönnt er sich einen Whisky. Den erlauben ihm die Ärzte, nachdem sich Omar Sharif 1993 einer schweren Herzoperation unterziehen musste, im Mai 1994 erneut zusammenbrach und eine Woche im Krankenhaus verbringen musste - nach fünf Stunden am Bridge-Tisch. Das Glückspiel musste Omar Sharif aufgeben, mit dem Bridgespielen finanziert er heute zum Teil seinen Lebensunterhalt. Seine Spiel-Kolumnen erscheinen regelmäßig in den Zeitungen, auf Turnieren winken ihm große Gewinne und er wird oft als Zugpferd zu Spielveranstaltungen eingeladen.

Seine Freunde sind heute nicht mehr bekannte Hollywood-Stars, sondern Rennpferd-Trainer, Jockeys, Spieler. Omar Sharif ist zurück nach Kairo gegangen, hat seine Villa in Los Angeles aufgegeben, in seinem Appartement in Paris ist er nur noch selten. "Nur in Kairo habe ich wirkliche Freunde. Ich war 30 Jahre in der Fremde und allein", bekennt er wehmütig. In Ägypten hat der große alte Mann jetzt drei Filme gedreht und für Mediaset TV produziert er zur Zeit die vierteilige Serie Gulliver's Travels, aber Omar Sharif will sich nicht mehr anstrengen, nur noch seine Ruhe haben.


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Dirk Jasper FilmLexikon
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