Interview mit Otto Waalkes
Otto WaalkesOtto Waalkes ist der Hauptdarsteller in dem Film Otto - der Katastrophenfilm

Frage: Otto - der Katastrophenfilm ist fertig - Sie auch?

Otto Waalkes: Fix und fertig. Ich hatte ganz vergessen, wieviel Arbeit so ein Film macht - allein das ganze Geld auszugeben, mir tun jetzt noch die Finger weh!

Frage: Glauben Sie denn, dass das Publikum noch einen Otto-Film sehen möchte?

Otto Waalkes: Erstens musss der Mensch ja an irgend etwas glauben, und zweitens: Ich bin reifer geworden, das Publikum ist reifer geworden - ich glaube, wir passen wieder sehr gut zusammen.

Frage: Haben Sie eigentlich mal einen Ihrer Filme mit normalen Publikum gesehen?

Otto Waalkes: Sicher! Jeden! Die Stimmung war immer phantastisch - wahrscheinlich habe ich die Leute angesteckt mit meiner Begeisterung.

Frage: Was hat Sie gereizt, ausgerechnet einen Katastrophenfilm zu machen?

Otto Waalkes: Ich war sofort begeistert - wenn ich die Katastrophe spielen durfte, das war natürlich Voraussetzung. Eine Rolle, die mich immer schon gereizt hatte, eine neue Herausforderung. Otto - der Katastrophenfilm!

Frage: Was ist denn in diesem Film anders als in den ersten vier?

Otto Waalkes: Eigentlich alles - außer Otto natürlich.

Frage: Und was gefällt Ihnen daran besonders?

Otto Waalkes: Eigentlich alles - außer den Szenen, in denen Otto nicht vorkommt. Und das sind diesmal eine ganze Menge. Zum Beispiel am Anfang ... .

Frage: Der gefällt Ihnen also nicht?

Otto Waalkes: Doch, gerade weil ich noch nicht da bin. Also, meine Geburt gefällt mir sehr gut - wer hat schon Gelegenheit, seine eigene Geburt mitanzusehen? Und Baby-Otto habe ich schon im Fernsehen am liebsten gespielt. Überhaupt finde ich es gut, dass der Film so viel Ottobiographisches enthält.

Frage: Sie sind also wie im Film bei Ihrem alten Großvaterr aufgewachsen?

Otto Waalkes: Nicht direkt - aber in Ostfriesland bin ich aufgewachsen. Hoch im Norden, hinter den Deichen ... wissen Sie eigentlich, warum das Watt "Watt" heißt?

Frage: Nein.

Otto Waalkes: Naja, früher war es hier in Ostfriesland so trostlos, dass sich sogar das Wasser alle zwölf Stunden total zurückgezogenhat. Dann sind die Leute auf den Deich gestiegen und weil man nie genau weiß, ob da nun Ebbe oder Flut ist, haben sich alle immer gefragt: Watt denn nu?

Aber heute bin ich mächtig stolz auf meine Heimat - eine andere habe ich nämlich nicht.

Frage: Gibt es noch mehr Ottobiographisches in diesem Film?

Otto Waalkes: Oja, meine Erfahrungen mit der Arbeitswelt. Ich arbeiteda als Milchausfahrer, Wattführer, Chorleiter usw.

Frage: Und das haben Sie auch im richtigen Leben gemacht?

Otto Waalkes: Nein, nein, im richtigen Leben waren meine Erfahrungen mit richtiger Arbeit zu traurig - schon weil sie so kurz waren. Doch Ernst beiseite! Der Mittelteil des Films gefällt mir auch sehr gut, weil ich da mein musikalisches Talent entfalten kann. Deswegen ist der Mittelteil auch schön kurz.

Frage: Als Mitglied einer Damenkapelle - gab es das nicht schon mal?

Otto Waalkes: Eben, das hat sich bewährt! Das wusste schon Billy Wilder: "Manche mögen's heiß" war ja ein Remake des deutschen Films "Fanfaren der Liebe" und der geht zurück auf Shakespeare und der auf Homer und der - interessiert, oder?

Frage: Gewiss. Kommen wir deshalb zum Schluss.

Otto Waalkes: Des Films? Das ist natürlich das allerbeste - aber ich darf ja nichts verraten! Ich sage nur eins: Der Film hat wieder ein Happy End, wie jeder Otto-Film! Und für jeden Zuschauer! Auch wenn mancher nur happy ist, dass er endlich nach Hause gehen kann.

Frage: Schon wieder ein Kalauer - haben sich solche Scherze nicht überlebt?

Otto Waalkes: Ich bin froh, dass ich sie überlebt habe!

Frage: Sie sind jetzt in einem Alter, wo man ich doch fragen lassen musss, ob diese Art von Komik, die Sie verkörpern, diesem Alter noch gemäß ist?

Otto Waalkes: Tja, fragen lassen musss ich mich das wohl - aber mal ehrlich, was soll ich dagegen machen? Hätte ich früher sterben sollen? Vielleicht haben Sie recht - aber immer wenn ich entschlossen bin, was gegen mein Alter zu tun, fällt mir mein Motto ein: Einen hab' ich noch! Tja, und dann mache ich eben doch lieber so weiter.

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