Paul Verhoeven
* 18. Juli 1938 in Amsterdam, Niederlande • Regisseur, Drehbuchautor • Biographie • Oscars • Filmografie •
Paul Verhoeven Biographie Paul Verhoeven gilt als einer der provokantesten, wagemutigsten, kontroversesten und einfallsreichsten Regisseure im Filmgeschäft. Vier seiner holländischen Filme gehören bis heute zu den Toperfolgen der niederländischen Filmindustrie. Heute ist er einer der bekanntesten und einflussreichsten Filmemacher, die in den USA arbeiten.

Seine Filmographie ist breit gefächert, und doch haben all seine Filme eines gemeinsam: Sie bestechen durch ihre kompromisslose Vision, ihre Faszination mit den moralischen Dilemmas des modernen Menschen und ihrer Leidenschaft für das Kino. Verhoeven genießt den Ruf eines Regisseurs, dessen Arbeit ebenso ungezügelt wie ehrlich ist und aufgrund ihrer ungeschminkten Darstellung von Sex und Gewalt oft brutal wirkt.

Internationales Aufsehen erregte er erstmals 1973 mit seinem Oscar-nominierten Erotikfilm Türkische Früchte mit Rutger Hauer in der Hauptrolle. Mit seinen niederländischen Folgearbeiten, dem Zweiter-Weltkrieg-Drama Soldiers (1977), der Teenager-Story Spetters - Knallhart und romantisch (1980) und dem Film-noir-Schocker Der vierte Mann (1983) nach dem Roman von Gerard Reve etablierte er sich als einer der interessantesten und vielseitigsten Filmemacher.

Der weltweite Durchbruch gelang Verhoeven allerdings erst 1987, als er sich mit RoboCop erstmals dem Science-Fiction-Genre zuwandte. Darauf folgten der futuristische Actionhit Die totale Erinnerung - Total Recall (1990) mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle, der Erotikthriller Basic Instinct (1992), mit dem Sharon Stone zum Weltstar avancierte, das Erotical Show Girls (1995) und der Science-Fiction-Film Starship Troopers (1997) - allesamt nicht nur große Publikumserfolge, sondern entweder aufgrund ihrer drastischen Gewaltdarstellung oder ihrer kontroversen Freizügigkeit auch heiß diskutierter Tagesgesprächsstoff.

Verhoeven wurde in Amsterdam geboren und begann sich während seines sechsjährigen Studiums an der Universität von Leiden, das er mit einem Doktor in Mathematik und Physik abschloss, für das Kino zu interessieren. Ab 1960 inszenierte er Kurzfilme wie En hagedis teveel, De lifters und Feest, um sich danach in der königlichen niederländischen Marine als Dokumentarfilmer zu versuchen.

Nach Beendigung des Wehrdienstes fand Verhoeven eine Anstellung beim holländischen Fernsehen. Seine informativen Dokumentarfilme, darunter musssert, das Profil eines berüchtigten holländischen Verräters, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Nazis kollaborierte, erfreuten sich großer Beliebtheit. 1969 gelang ihm der nationale Durchbruch mit der Abenteuerserie "Floris" über einen heldenhaften holländischen Ritter im Mittelalter.

Der Erfolg ermutigte Verhoeven, mit Was sehe ich...! (1971) den Sprung ins Filmgeschäft zu wagen. Zwei Jahre später wurden internationale Kinogänger dank seines zweiten Filmes Turks Fruit auf den aufstrebenden Filmemacher aufmerksam. Turks Fruit wurde 1973 für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Darauf folgten Das Mädchen Keetje Tippel (1975) und Soldaat van Oranje, ein packendes Zweiter-Weltkrieg-Drama über den holländischen Untergrund, der für einen Golden Globe vorgeschlagen wurde.

Verhoeven inszenierte als nächstes mit Spetters einen kompromisslosen und kontroversen Film über Teenager in Holland. Nach dem TV-Film All Things Pass kam De Vierde Man, ein Film-noir-Thriller über einen Schriftsteller, der durch seine Obsession mit einem jungen Mann in die Arme einer attraktiven Frau getrieben wird, die ihre drei vorherigen Liebhaber getötet haben könnte - oder auch nicht. De Vierde Man gewann den Los Angeles Film Critics Award als Bester Fremdsprachiger Film, den International Award des Toronto Film Festival und den Preis der Jury von Avoriaz.

Im Jahr darauf wagte Verhoeven den Sprung nach Hollywood. Sein erster US-Film war Flesh and Blood (1985) mit Rutger Hauer in der Hauptrolle, ein brutaler Blick auf das Leben im Mittelalter.


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Dirk Jasper FilmLexikon
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