Pedro Almodóvar

* 25. September 1949 in Calzada de Calatrava, Ciudad Real, Spanien • Regisseur, Drehbuchautor, Produzent • Biographie • Oscars • Filmografie •

Biographie Pedro Almodóvar wurde in den fünfziger Jahren in Calzada de Calatrava in der spanischen Provinz Ciudad Real, also im Herzen der La Mancha geboren. Im Alter von acht Jahren zog er mit seiner Familie nach Extremadura, wo er unter der Obhut franziskanischer Padres seine schulische Ausbildung absolvierte.

Ohne Geld und konkrete Jobaussichten, aber mit dem festen Entschluss, Filmemacher zu werden, ging der sechzehnjährige Pedro Almodóvar in die Hauptstadt Madrid. Da der damals noch regierende Diktator General Franco die dortige Filmhochschule soeben geschlossen hatte, blieb dem Neuankömmling nichts anderes übrig, als sich autodidaktisch fortzubilden, zunächst weniger in theoretisch-technischer als vielmehr in praktisch-inhaltlicher Hinsicht.

Mit anderen Worten: Er stürzte sich kopfüber in das pulsierende Treiben der Metropole, das für den unerfahrenen Provinzler, trotz starker Reglementierung durch das diktatorische Regime, vielerlei Aufregendes bot. Leben lernen, lautete sein Motto. Nachdem er sich eine Zeit lang mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hatte, nahm schließlich den Posten eines Büroangestellten bei der nationalen Telefongesellschaft an, den er zwölf Jahre lang bekleidete.

Von seinem ersten Gehalt kaufte er sich eine Super-8-Filmkamera, denn sein eigentliches Ziel hatte er keineswegs aus dem Auge verloren. Während der zwölf Jahre seines Angestelltenverhältnisses führte er ein Leben, das dem des Versicherungs-angestellten Franz Kafka gar nicht unähnlich war: Tagsüber, bei der Arbeit, studierte er aufmerksam die Sorgen, Nöte, Dramen und Marotten der sich im Zuge der anbrechenden Konsum-Ära formierenden spanischen Mittelklasse, die er in seinen späteren Filmen immer wieder bissig-ironisch porträtiert.

Am späten Nachmittag und in den Abendstunden entfaltete er sein künstlerisches Talent: Er schrieb Kurzgeschichten für verschiedene Underground-Magazine, gründete die parodistische Punk- Rock-Formation ?Almodóvar and McNamara?, realisierte zahlreiche Bühnenprojekte im Rahmen der inzwischen legendären Independent-Theatertruppe ?Los Goliardos? und schoss seine ersten experimentellen Super-8-Filme in Eigenregie.

Das Jahr 1980 markiert in Pedro Almodóvars Biographie ein wichtiges Datum: Zeitgleich mit der Geburt der spanischen Demokratie lief nach eineinhalbjähriger, höchst komplizierter und anstrengender Drehzeit die Komödie Pepi, Luci, Bom Y Otras Chicas Del Montón als erster seiner Filme in den kommerziellen Kinos des Landes an und avancierte prompt zu einem Überraschungs-erfolg, obwohl darin, abgesehen von der bekannten Darstellerin Carmen Maura, ausnahmslos schauspielerische Newcomer zu sehen waren.

Im Verlauf der achtziger Jahre etablierte sich der Regisseur mit weiteren Filmen als feste Größe in der spanischen Filmlandschaft. Seine turbulent-absurden Komödien dieser Zeit, denen immer auch ein melodramatischer Zug anhaftet, präsentieren die spanische Gesellschaft der Post-Franco-Phase in grotesker Überzeichnung als wahre Freak-Show. Bruchlose bürgerliche Normalität sucht man hier vergebens, sie existiert allenfalls als Fassade, hinter der Neurosen und Obsessionen lauern.

Kaum eine Figur kommt vor, die nicht zumindest transsexuell, drogensüchtig, inzestuös verstrickt oder alles zugleich wäre. Verstrickt, verzwickt und vertrackt sind auch die Plots seiner schrillbunten, vor keinerlei Kitsch zurückschreckenden Machwerke konzipiert. In verschiedenen Handlungssträngen wird scheinbar nicht Vereinbarendes angehäuft um dann mehr und mehr miteinander zu verschmelzen.

Am Ende hängt dann irgendwie alles mit allem zusammen und ein wahrhaftes Labyrinth der Leidenschaften zeichnet sich auf der Leinwand ab. So kreuzen sich in dem gleichnamigen Film (1982) die Schicksale höchst gegensätzlicher Charaktere.

Nach Kloster zum heiligen Wahnsinn (1983), in dessen eindrucksvollster Szene eine Nonne eine Vase auf den Boden wirft, um nur mal so zum Spaß unverletzt über Glasscherben zu gehen, und Womit habe ich das verdient? (1984), in dem eine wahrhaft vom Schicksal gebeutelte Hausfrau und Mutter ihren Jüngsten aufgrund finanzieller Not an einen pädophilen Zahnarzt verscherbelt, brachte Pedro Almodóvar 1986 Matador auf die Kinoleinwand.

Dieser Film nimmt auf bitterböse Weise eine merkwürdige Eigenheit des spanischen Nationalcharakters aufs Korn: Die Todesbesessenheit, die im Stierkampf ihren blutigsten Ausdruck findet. Im Film hält sie aber auch Einzug in das Schlafzimmer der Protagonisten, wo eine deutlich nekrophile Atmosphäre herrscht.

Im gleichen Jahr gründete Pedro Almodóvar gemeinsam mit seinem Bruder Agustín die Produktionsfirma El Deseo. Die erste Produktion, die daraus hervorging war Das Gesetz der Begierde (1987). Im Mittelpunkt dieses Films steht ein homosexueller Regisseur, der eine gefährliche Liebschaft mit einem Bewunderer eingeht. In der Folgezeit zeichnete El Deseo für die Produktion aller zehn weiteren Regiearbeiten Almodóvars sowie für zahlreiche Projekte vielversprechender junger Filmemacher verantwortlich.

Große internationale Beachtung fand Pedro Almodóvars 1988 entstandene Komödie Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die wiederum Carmen Maura in der Hauptrolle zeigt und mit Europäischen Filmpreisen nur so überhäuft wurde. Auf die bissige Eheparodie Fessle mich! (1990) und das Mutter-Tochter-Drama High Heels ? Die Waffen einer Frau (1991) folgt 1993 die an Absurdität kaum zu überbietende Mediensatire Kika (1993), in der Pedro Almodóvar das heikle Kunststück gelingt, eine mindestens zehn Minuten dauernde Vergewaltigungsszene als brüllend komische Slapstick-Nummer erscheinen zu lassen.

In Mein blühendes Geheimnis (1995) und Live Flesh ? Mit Haut und Haar (1997) macht sich wieder ein melodramatischerer Zug bemerkbar. Dieser klingt sehr stark auch in dem 1999 entstandenen Meisterwerk Alles über meine Mutter an, mit dem der Regisseur seinen bis dato größten Triumph feiern kann: Der Film wird mit dem Oscar als Bester Fremdsprachiger Film sowie einem Golden Globe, einem César, drei Europäischen Filmpreisen, dem David de Donatello, zwei BAFTA-Awards, sieben Goyas und fünfundvierzig weiteren Preisen ausgezeichnet.

Diesen Erfolg kann der Nachfolgestreifen Sprich mit ihr sogar noch übertreffen: Oscar für das Beste Originaldrehbuch, fünf Europäische Filmpreise, drei BAFTA-Awards, einen César usw. Nur in Spanien hält man sich mit solchem Lob zurück.

Das Jahr 2003 kann die Produktionsfirma der Almodóvar-Brüder als ihr insgesamt erfolgreichstes verzeichnen, denn abgesehen von Sprich mit ihr entwickelten sich auch die Filme der von El Deseo unterstützten jungen Regisseurinnen und Regisseure zu Lieblingen des Publikums und der Kritik.

Zu diesen Produktionen zählen unter anderem Dunia Ayasos und Félix Sabrosos Descongélate (2003) sowie Isabel Coixets Sterbedrama Mein Leben ohne mich (2003), das zwei Nominierungen für den Europäischen Filmpreis erhielt und in ganz Europa, vor allem aber in Japan, überraschend zum Kassenknüller avancierte.


Oscars
Filmografie
  • 1974: Film Político Dos Putas, O Historia De Amor Que Termina En Boda
  • 1975: El Sueno, O La Estrella Homenaje La Caída De Sódoma Blancor
  • 1976: Sea Caritativo Muerte En La Carretera
  • 1977: Sexo Va, Sexo Viene
  • 1978: Salome ¡Folle ... Folle ... Fólleme Tim!
  • 27. Oktober 1980: Pepi, Luci, Bom Y Otras Chicas Del Montón
  • 29. September 1982: Labyrinth der Leidenschaften (Laberinto De Pasiones)
  • 1983: Kloster zum heiligen Wahnsinn (Entre Tinieblas)
  • 25. Oktober 1984: Womit habe ich das verdient? (¿Qué He Hecho Yo Para Merecer Esto?)
  • 7. März 1986: Matador
  • 7. Februar 1987: Das Gesetz der Begierde (La Ley Del Deseo
  • 23. März 1988: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs (Mujeres Al Borde De Un Ataque De Nervios
  • 22. Januar 1990: Fessle mich! (¡Átame!)
  • 23. Oktober 1991: High Heels ? Die Waffen einer Frau (Tacones Lejanos)
  • 29. Oktober 1993: Kika
  • 22. September 1995: Mein blühendes Geheimnis
  • 29. Oktober 1997: Live Flesh ? Mit Haut und Haar
  • 8. April 1999: Alles über meine Mutter
  • 15. März 2002: Sprich mit ihr
  • 19. März 2004: Schlechte Erziehung - La Mala Educatión
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