Interview mit Peter Lohmeyer
Peter Lohmeyer

Frage: Wie kam es zu dem Film Der Cuba Coup, bzw. wie kamen Sie nach Kuba?

Peter Lohmeyer: Auf der Berlinale 1997 hat mich Daniel Díaz Torres angesprochen für meinen ersten kubanischen Film, wobei ich damals erst einmal überhaupt kein Spanisch konnte und ihn gefragt habe, wie wir denn drehen sollten. Er sagte: Du hast nur fünf Sätze auf spanisch. Mehr nicht, der Rest ist deutsch und englisch. Als ich dann in Kuba ankam, erzählte mir dieser kubanische Regisseur: Es hat sich etwas geändert. Du hast jetzt fünf Sätze auf deutsch, der Rest ist spanisch. So sind die Kubaner.

So mussste ich mich auf Spanisch durch den ersten Film mogeln, und aus dem ersten Film ist dann der zweite entstanden, Der Cuba Coup. Darauf bin ich sehr stolz, denn ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in einer anderen Sprache einen Film mache. Man träumt ja bei uns immer von Hollywood. Aber Kuba ist da noch einmal eine ganz andere Schiene. Das ist der zweite kubanische Film, und ich glaube, das kubanische Volk wartet jetzt auf meinen dritten kubanischen Film. Wir werden sehen.

Frage: Wie sind aus Ihrer Sicht die Produktionsbedingungen in Kuba im internationalen Vergleich?

Peter Lohmeyer: Man kann das nicht vergleichen. Man kann nichts auf der Erde mit Kuba vergleichen. Aber eigentlich hat man das Ergebnis ja gesehen: Egal wie die Bedingungen sind, man kriegt in hundert Minuten einen wunderbar schönen Film hin, und das freut mich am meisten. Ich werde öfter gefragt: Ist Drehen in Kuba etwas anderes als in Deutschland? Irgendwie ist es überall das gleiche. Irgendwie ähnelt sich jeder Requisiteur in jedem Team der Welt. Ich habe in Irland gearbeitet, in Frankreich, in Argentinien. Was anders ist, ist ein bisschen die Moral. Für die Kubaner steht, seit die Sowjetunion zusammengebrochen ist, einfach das Leben im Mittelpunkt. Ist ja auch richtig so. Nur kommt dann die Arbeit zu kurz. Und wenn von 60 Leuten zehn arbeiten, ist es manchmal ein bisschen anstrengend, wenn die anderen sich alle unterhalten. Oft mussste ich mich sehr zurückziehen, um mich zu konzentrieren, auf meine Sprache, meine Schauspielerei.

Frage: Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit den kubanischen Schauspielern?

Peter Lohmeyer: Obwohl es das gleiche scheint, ist es etwas anderes, denn es gibt mehr Kommunikation. Die kubanischen Schauspieler haben etwas ganz Besonderes. Nirgends auf der Welt sehen die Schauspieler so in die Augen. Das ist nicht so wie bei uns. Man guckt nicht in die toten Augen von London, sie sehen einen wirklich an. Alles eine unglaubliche Erfahrung, die mir niemand nehmen kann, egal wie viele Leute den Film nun in Deutschland sehen. Ich hoffe, ihn werden ganz viele sehen, weil es sich einfach lohnt, ihn zu sehen. Aber was ich gewonnen habe, ist eine ganz große Erfahrung für mein Leben.

Frage: Sind Sie in Kuba so etwas wie ein Star?

Peter Lohmeyer: Die anderen Schauspieler wie Enrique Molina oder Coralia Veloz sind Stars hier. Ich werde jetzt auch auf der Straße angesprochen und bin schon ein kleiner Star. Das Schöne ist, wie einen Menschen ansprechen, mit welchem Respekt. Star sein hier heißt etwas anderes als bei uns, ob das nun der Sozialismus ist oder wie auch immer. Du bist nicht etwas, was irgendwie schwebt, sondern der normale Mensch, und mit dem redet man dann über die Arbeit. Anderseits bedeutet Star sein in Kuba auch nicht, viel mehr Geld zu haben. Um ein Beispiel zu nennen: Coralita Veloz lebt heute noch davon, dass sie ihren Billardtisch bei sich zu Hause an Leute aus der Nachbarschaft vermietet, um etwas Geld zu verdienen. Man stelle sich das mal bei uns mit Iris Berben vor, dass sie, wenn sie jetzt z.B. in Berlin leben würde, ihren Swimmingpool an Leute aus Wedding vermietet.

Dirk Jasper FilmLexikon
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