Interview mit Ralf Bauer
Ralf Bauer Interview mit Ralf Bauer, 32, Deutschlands Mädchenschwarm Nummer Eins, der eine Hauptrolle in Workaholic spielt (Sat.1, 08.11.1998, 20.15 Uhr).

Frage: Eine wichtige Frage vorab: Hast du eine neue Freundin?

Ralf Bauer: Nein, es war noch nicht die Richtige dabei.

Frage: Und wieso die kurzen Haare?

Ralf Bauer: Ich drehe zur Zeit in Namibia und spiele einen Leutnant. Aber ich wollte sowieso kurze Haare haben.

Frage: Ist Schauspieler für dich Beruf oder Berufung? Seit wann wußtest du, was du werden willst?

Ralf Bauer: Am Anfang war es ein Beruf, und mittlerweile ist es Berufung. Ich hab' mit 16 als Statist in Baden-Baden angefangen - das hat mir so gut gefallen. Der Beruf war von dem Moment an klar, an dem ich auf der Bühne gestanden habe. Damals habe ich noch Badisch gesprochen, und meine Stimme ist immer weggekippt. Das ging natürlich nicht. Ja, und dann bin ich davon nochmal abgekommen, weil ich Starmodel in Paris werden wollte.

Frage: Wie bist du als Model entdeckt worden?

Ralf Bauer: Das war in Baden-Baden, von einem Fotografen und einer Redakteurin von 'Karina', Burda-Moden. Die Fotos wurden ganz gut, und deshalb bin ich so etwas wie ein Haus-Model von Burda geworden. Ich dachte, wenn ich nach Paris gehe, liegt mir die Welt zu Füßen - so war es aber nicht. Ich blieb dort neun Wochen, und es lief überhaupt nicht so, wie es sein sollte. Das war mit 19 Jahren. Dann bin ich nach Hamburg an die Schauspielschule gegangen.

Frage: Wo ist heute dein Lebensmittelpunkt?

Ralf Bauer: Ich bin aus Hamburg wieder weg und nach Baden-Baden zurückgekehrt - die Stadt habe ich sowieso nie aufgegeben. Aber Lebensmittelpunkt? Jein. Eigentlich ist Baden-Baden zu weit vom Flughafen Frankfurt entfernt - wohin ich ja oft muss, weil ich viel verreisen muss - aber dort sind eben mein Elternhaus und viele Freunde von früher.

Frage: Hast Du dein Traumhaus in der Toscana schon gefunden?

Ralf Bauer: Nein, noch nicht. Aber ich habe bald frei, und dann werde ich mich in Richtung Toscana und Ligurien aufmachen.

Frage: Mit "Gegen den Wind" wurdest du bekannt. Wie ist das heute, würdest du heute auch noch eine Serie drehen?

Ralf Bauer: Ja, das würde ich schon wieder machen, aber Schauspieler geben sich natürlich nie mit dem zufrieden, was sie gerade haben, sie wollen sich nebenbei immer mit etwas anderem beschäftigen - was ja auch richtig ist. Man sollte versuchen, nebenbei auch Einzelstücke zu machen, denn die Zeit des Serienstars ist irgendwann mal vorüber, und dann gibt es möglicherweise keine Produzenten, die an einen glauben und einen fördern, weil der Schauspieler immer nur eine Rolle gespielt hat.

Frage: Aber Fernseharbeit an sich, im Gegensatz zum Kino, ist genauso reizvoll?

Ralf Bauer: Es gibt im Grunde genommen keinen großen Unterschied. Nur für den Zuschauer: Er muss sich aufmachen, ins Kino gehen, 20 Mark für seine Eintrittskarte bezahlen. Und er kann nicht wegzappen.

Frage: Erotikszenen - schwierig, peinlich oder einfach Routine?

Ralf Bauer: Die sind immer merkwürdig und in jedem Film anders. In Workaholic war es z. B. tierisch kalt! Dieser Gedanke: 'Jetzt bin ich ganz nackt vor der Partnerin, vor dem ganzen Team', schob sich an die Seite, weil ich vor Kälte so gezittert habe! Die Szenen gehören dazu, aber sie werden für mich nie Routine. Ich finde es auch saublöd, wenn manche Leute sagen: 'Wenn der Bauer mitspielt, müssen wir noch eine Nacktszene einbauen'. Einfach Quatsch!

Frage: Kannst du auch vor Wut schreien? Und weinen?

Ralf Bauer: Tränen lasse ich oft vor der Kamera 'raus. Es gibt da manchmal so auf-gestaute Sachen ... In manchen Rollen sind Flenn-Szenen eingebaut, in denen meine Tränen von allein laufen. Wenn's die Leute vertragen können, brülle ich auch. Miriam, die Frau, mit der ich zusammengewohnt habe, kann das bestätigen.

Frage: Wie ist das, in der Presse als Traummann, als Sex-Symbol bezeichnet zu werden? Wie gehst du mit dem Image um?

Ralf Bauer: Hochgekommen ist das seit Workaholic. Für gewisse Rollen ist das Image okay. Und es ist besser als mit einem Quasimodo-Stempel versehen zu sein ...

Frage: Wie reagieren eigentlich deine Eltern und Freunde auf deinen Erfolg und dein Image?

Ralf Bauer: Meine Mutter hat mir mal erzählt, eine Nachbarin hätte am Telefon gesagt: 'Ich hab' Ralf im Film gesehen, er war nackt!' Meine Mutter hat cool reagiert, sie ist stolz auf mich. Bei meinen Freunden spüre ich über-haupt keinen Neid. Es ist angenehm, wenn man auch Menschen kennt, die mit diesem Beruf überhaupt nichts zu tun haben. Alle freuen sich über meinen Erfolg. Alles ganz normale Leute: Versicherungsmakler, Speditionskaufmann, Psychologe, Pizzabäcker. Ich bin chaotisch und melde mich manchmal eine Weile nicht, und es ist wunderbar, wenn man dann nach einiger Zeit einfach wieder anrufen kann und alles ist gut.

Frage: Was kennzeichnet deine Traumfrau?

Ralf Bauer: Schwer zu sagen, viel Charme auf jeden Fall! Ornella Muti kann beispielsweise vor mir stehen - wenn sie keinen Charme hat, läuft nichts. Bei mir kommt's immer auch auf die Augen an.

Frage: Bist du treu?

Ralf Bauer: Es wäre böse, wenn ich sagen würde nein. Aber ich flirte sehr gern ...

Frage: Welches war deine schrillste Fanpost?

Ralf Bauer: Ein BH - benutzt, parfümiert, im Umschlag mit Brief und Telefonnummer. Meistens kommen aber normale Briefe.

Dirk Jasper FilmLexikon
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