Robert Benton
* 29. September 1932 in Waxahachie, Texas, USA • Regisseur, Autor • Biographie • Oscars •
Robert Benton Biographie In dem kleinen Ort Waxahachie im Süden von Texas wurde Oscar-Preisträger Robert Benton 1932 geboren. Dort wuchs er auch auf und machte seinen BFA (Bachelor Of Fine Arts) an der University Of Texas, bevor er nach New York ging, um an der dortigen Columbia University seinen Master Degree zu machen.

In New York traf Benton, der eigentlich Maler werden wollte, den Künstler Ben Shahn, der sein Leben entscheidend beeinflußte. Benton ist ihm dafür heute noch dankbar:

"Ich bewunderte ihn sehr. Er sagte einfach zu mir: 'Hör auf mit den akademischen Studien - wenn du malen willst, leb' in der realen Welt!' Ich folgte seinem Rat und versuchte zunächst, mich als freischaffender Cartoonist durchzuschlagen - allerdings ohne großen Erfolg."

Nach einigen nicht besonders lohnenden Jobs wurde Robert Benton Assisten des Art Directors vom Esquire-Magazin. 1954 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Zwei Jahre arbeitete er im texanischen Fort Bliss im dortigen Museum, und in seiner Freizeit malte er.

1956 kehrte er nach New York zurück, war ein Jahr lang freischaffender Illustrator und ging dann zurück zum Esquire, dessen Art Director er 1958 für vier Jahre wurde. Seine Ruhelosigkeit trieb ihn zu neuen Interessen und Aktivitäten - er begann zu schreiben.

Mit seinem Mitbewohner Harvey Schmidt, der später als Co-Autor von Fantasticks berühmt wurde, publizierte Benton zunächst ein Kompendium dessen, was chic und was nicht chic war im Big Apple unter dem Titel The IN And OUT Book. Später erschien The Worry Book. Außerdem schrieb Benton Artikel mit Gene Lichtenstein und Gloria Steinem. Mit dem Schreiben des ersten Film-Drehbuchs begann Robert Benton 1962 zusammen mit David Newman: Bonnie und Clyde.

1964 war das Szenario fertig, und noch im selben Jahr verließ Benton "Esquire", um sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Er blieb mit Newman als Zweier-Team zusammen, und beide schrieben zehn Jahre lang eine monatliche Kolumne für Mademoiselle, daneben Artikel für andere Publikationen. Sie arbeiteten außerdem mit Hal Prince an einem Musical, das sie It's A Bird ... It's A Plane ... It's Superman nannten und das 1966 am Broadway herauskam.

Das dynamische Duo Benton-Newsman hatte 1966 sein großes Erfolgsjahr. Im Sommer begann Arthur Penn mit der Produktion von Bonnie und Clyde. Mehr als zwanzig Regisseure vor ihm hatten das Projekt abgelehnt. Benton und Newman überarbeiteten das Drehbuch noch einmal. Penn drehte - der Rest ist Geschichte.

Der Erfolg des Films brachte den beiden einen Vertrag mit Warner Bros. ein. Robert Benton erinnert sich:

"Zum ersten Mal hatten wir ein sicheres Leben und konnten tun, was wir sollten. Wir schrieben das Drehbuch zu There Was A Crooked Man, in dem Kirk Douglas und Henry Fonda die Hauptrollen unter der Regie von Joseph L. Mankievicz spielten. Joe war einer der charismatischsten Menschen der Welt - und als der Film fertig war, sagte David Newman mir, dass er nun auch Regie führen wollte. Ich wurde wütend. 'Lieber Gott', sagte ich zu ihm, 'wir haben so hart gearbeitet und haben jetzt endlich Erfolg als Autoren, und nun willst du alles ruinieren!' Wir stritten uns fürchterlich, es war die dunkelste Phase in unserer Freundschaft. Aber er ging als Sieger daraus hervor - und in einem Anfall von Trotz sagte ich: 'Wenn du Regie führst, werde ich auch Regisseur!'"

Vorher setzten sich die beiden aber wieder als Autorenteam zusammen und schrieben zwei Drehbücher - für jeden eins zum Inszenieren. Stanley Jaffe, damals Präsident von Paramount Pictures, wollte unbedingt wieder unabhängig produzieren. Er las In schlechter Gesellschaft ("Bad Company"), das Buch, das Benton inszenieren wollte, und nahm es als erstes Projekt seiner neuen Produktionsfirma an. Robert Benton wurde so als Regisseur lanciert. David Newman führte Regie bei Money's Tight. Die gemeinsame Arbeit war damit zu Ende. Man schrieb das Jahr 1972. Benton und Newman entschlossen sich, getrennt zu arbeiten.

Inspiriert durch Detektiv-Genre-Filme wie Tote schlafen fest und Robert Altmans Der Tod kennt keine Wiederkehr schrieb Benton Die Katze kennt den Mörder (The Late Show). Er schickte das Buch seinem Agenten Sam Cohn, der auch Robert Altman vertritt. Robert Altman las das Drehbuch und beschloß, den Film zu produzieren, mit Art Carney und Lily Tomlin in den Hauptrollen - Benton führte Regie.

Zu einem Autoren-Quartett hatten sich, noch bevor das Late Show-Drehbuch fertig war, Benton und Newman sowie dessen Frau Leslie und Mario Puzo zusammengefunden. Sie schrieben das Drehbuch zu Superman. Ende 1978 kam der Film mit Christopher Reeve, Margot Kidder und Marlon Brando unter der Regie von Richard Donner heraus und wurde ein Erfolg bei Publikum und Presse.

Aber für Robert Benton bahnte sich bereits ein weiterer, größerer Erfolg an. Er machte seinen dritten Film als Regisseur, eine Love-Story und eine Ehegeschichte, natürlich nach einem eigenen Drehbuch: Kramer gegen Kramer wurde mit Dustin Hoffman und Meryl Streep verfilmt. Fünf Oscars in den Hauptkategorien bekam der Film: Benton erhielt einen für Regie und Drehbuch (nach einem Roman von Avery Corman), Dustin Hoffman wurde als Bester Hauptdarsteller, Meryl Streep als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Den fünften Oscar bekam Kramer gegen Kramer als Bester Film des Jahres 1979.

Gefühle, Beziehungen zwischen den Menschen, die Interaktion von Verhalten und Innenleben interessieren und faszinieren Robert Benton. Und er probiert ein neues Genre aus, den unheimlichen Psychothriller: In der Stille der Nacht erzählt von einem weiblichen Jack The Ripper. Benton schrieb das Drehbuch nach einer Story von Benton/Newman und inszenierte Meryl Streep als geheimnisvolle Femme fatale und Roy Scheider als Psychiater, der sich magisch von ihr angezogen fühlt.

Der Familie wendete sich Benton - im doppelten Sinne - in seinem nächsten Film wieder zu: "Ein Platz im Herzen" erzählt wie Kramer gegen Kramer von einer Familie im Übergangsstadium, aber vor dem Hintergrund sozialen Elends in der Depressionszeit der dreißiger Jahre. Die Story basiert auf Bentons eigener Familiengeschichte. Zwei Oscars gingen an diesen vielleicht persönlichsten Film des gebürtigen Texaners - einer an Benton selbst für das Beste Originaldrehbuch und einer an Sally Field als Beste Hauptdarstellerin, bereits ihr zweiter Oscar nach Norma Rae.

Mit einer romantisch beschwingten Komödie über das Abenteuer Ehe, Nadine kehrt Benton wieder nach Texas zurück. Und zusammen mit seiner Produzenten-Partnerin Arlene Donovan produziert er den Film Das Haus in der Carroll Street seines Regie-Kollegen Peter Yates.

Billy Bathgate nach E. L. Doctorows Roman und einem Drehbuch von Tom Stoppard wurde von Benton als leicht nostalgische Entwicklungs-Story eines jungen Mannes im Gangster-Ambiente inszeniert". Und Nobody's Fool schließlich ist das liebevolle und hinreißend witzige Porträt eines störrischen Losers und Lebenskünstlers in einer kleinen Gemeinde skurriler und exzentrischer Individualisten.


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