Interview mit Robert Carlyle

"Die wichtigste Zutat für einen guten Film ist Vertrauen."

Robert Carlyle spielt in Plunkett & Macleane den Will Plunkett, einen abgerissenen Gauner aus der Unterschicht mit nur einem Ziel: Er will nach Amerika. Weil er dazu Geld braucht, tut er sich mit dem smarten Macleane zusammen. Mit seiner eigenen Spitzfindigkeit und seinem Haß auf Englands Oberschicht auf der einen Seite und Macleanes gutem Aussehen und gepflegten Umgangsformen auf der anderen Seite avancieren die beiden zu den meistgesuchten Straßenräubern des 18. Jahrunderts.

Frage: Sie gelten als Englands neues Sexsymbol.

Robert Carlyle: Hören Sie bloß auf. Das ist doch nur das, was die Presse aus einem macht. Das bin ja nicht ich. Ich bin jedesmal zutiefst erschrocken, wenn mich jemand so nennt und gucke mich erstmal erstaunt um, ob nicht jemand anderes gemeint sein könnte.

Frage: Der Erfolg hat Sie nicht verändert?

Robert Carlyle: Der alte Robert Carlyle ist immer noch da. Es sind nur die äußeren Umstände, die sich verändert haben. Ich bekomme plötzlich Fanpost aus Japan, das ist doch verrückt. Außerdem lebe ich immer noch in Glasgow, und die Jungs da kennen mich noch aus alten Zeiten. Die machen auch jetzt kein großes Aufheben um mich.

Frage: Liv Tyler sagte, Sie und Jonny Lee Miller seien "zwei ganz spezielle Typen". Was meinte sie denn damit?

Robert Carlyle: Ist doch klar. Sie kam als einziges Mädchen aus den USA in unseren eingeschworenen Haufen von britischen Männern. Und wo so viele Kerle zusammenkommen, geht es schon ein bißchen derber zu. Vielleicht hat sie das ein bisschen geschockt. Aber wir haben alles getan, damit sie sich nicht als Außenseiterin fühlt.

Frage: Plunkett & Macleane ist der erste Film des Regisseurs Jake Scott. Wie war es, mit einem Newcomer zu arbeiten?

Robert Carlyle: Jake hat vorher hauptsächlich Werbung und Musikvideos gemacht. Er war technisch superperfekt, aber er hatte noch nie mit richtigen Schauspielern zu tun. Da war er schon ein bißchen nervös. Jonny und ich waren für ihn sicher eine große Hilfe, weil wir schon so aufeinander eingespielt sind. Da konnte Jake sich auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe mich vorher sechs Mal mit dem Regisseur getroffen, um über das Projekt zu sprechen, und ich wusste: "Der Typ schafft es". Ich habe ihm einfach vertraut, und das Ergebnis gibt mir recht.

Frage: Sie drehen oft mit Menschen, die Sie gut kennen?

Robert Carlyle: Ja, das macht alles viel einfacher. Die wichtigste Zutat für einen guten Film ist Vertrauen, vor allem bei extremen Szenen und Situationen. Und mir fällt es nicht leicht, Menschen zu finden, denen ich trauen kann. Wenn ich mit Freunden drehe, bewege ich mich viel freier.

Frage: Wie sieht es mit Angeboten aus Hollywood aus?

Robert Carlyle: Die meisten interessieren mich einfach nicht. Auch bei dem Bond-Film habe ich zunächst gezögert, aber dann dachte ich mir, bei 007 kann man nicht viel falsch machen. Das ist einfach Kult.

Robert Carlyle
Filmplakat

Dirk Jasper FilmLexikon

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