Interview mit Rod Steiger
Rod Steiger

Frage: Wie war Ihr Erstkontakt mit diesem Projekt?

Rod Steiger: Über die Drehbuchlektüre. Das Skript war sehr präzise in seinen Beobachtungen und dabei ganz leicht in der Szenenaufbereitung. Der Komödienaspekt hat mir sehr zugesagt, zumal ich in meiner bisherigen Karriere noch nicht sehr oft Gelegenheit hatte, in Komödien zu spielen.

Frage: Ihr Charakter, Floyd Benson, hat den Höhepunkt seiner Karriere schon ziemlich lange hinter sich. Kennen Sie solche Leute aus eigener Erfahrung?

Rod Steiger: Was glauben Sie denn? Lediglich ein Drittel aller Schauspieler hat regelmäßig Arbeit in ihrem Beruf. Viele finden ein halbwegs sicheres Auskommen in anderen Jobs, werden Lehrer, Taxifahrer oder Handwerker, und je nach dem wie lange Sie aus dem Beruf raus sind, wird die Nebenbeschäftigung zur Hauptsache. Ganz etwas anderes sind die psychischen Probleme, die damit verbunden sind. Als 'ehemaliger Schauspieler' haben Sie ganz schnell das Stigma eines Gescheiterten. Eins ist nach meiner Erfahrung gewiss: Ob und wie lange Sie in diesem Metier Fuß fassen, hat nur zu einem geringen Teil mit Ihren professionellen Fähigkeiten zu tun, als vielmehr mit Ihrer dicken Haut, Ihren Ellbogen, Ihrer charakterlichen Wettbewerbsfähigkeit.

Frage: Ihre Filmographie umfasst 112 Spielfilme ...

Rod Steiger: ... haben Sie die Pornos mitgezählt? Da würden Sie nämlich bestimmt auf 340 kommen. Aber Scherz beiseite: Ihre Zahl ist wohl ungefähr richtig. Und wenn ich Glück habe, sind sechzig Prozent davon so geworden, dass ich mich dafür nicht schämen muss. Auf mein ganzes Leben als Schauspieler hochgerechnet, heißt das, dass ich mir ein immerhin etwas größeres Stück Anstand bewahrt habe. Der ebenfalls nicht unerhebliche Rest ging mit Hurerei drauf.

Frage: Ihre 'Bande' besteht aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Wie haben Sie zusammengearbeitet?

Rod Steiger: Unsere Unterschiedlichkeit ist ja letztlich der Motor, der das Lachen in diesem Film hervorbringt. Der Himmel von Hollywood folgt nicht dem Lebenslauf einer einzelnen Person, sondern entsteht an der Schnittstelle verschiedener Existenzen und ihrer Unvereinbarkeiten, aber auch dem, was sie so ähnlich macht, einer Sehnsucht, etwas für die Selbstachtung zu tun, sich Respekt zu erwerben.

Frage: Stimmen Sie dem Bild zu, das Der Himmel von Hollywood von Ihrer Stadt zeichnet?

Rod Steiger: Aber ja. Allein schon deswegen, weil hier jenem perversem, von Film und TV beförderten Eindruck vom Leben auf unserem Planeten widersprochen wird, wonach jeder Mensch schön ist, ein edles Appartment hat, höchstens 28 Jahre alt ist und mit einem schwarzen Cabriolet zu einem verglasten Bürohochhaus fährt. Mehr davon!

Dirk Jasper FilmLexikon
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