Interview mit Rötger Feldmann
"Fit halten tu ich mich natürlich mit Bölkstoff"
Rötger Feldmann Die Feldmänner stehen Antwort und sitzen Rede über ihren Film Werner - Volles Rooäää!!!

Frage: Im letzten Buch ist "Werner" bis nach Afrika vorgedrungen. Im neuen Film ist er dagegen wieder der heimatlichen Scholle treu, also etwas bodenständiger, oder?

Rötger Feldmann: Genau. Werner - Volles Rooäää!!! ist ein echter Heimatspülfilm, in dem die Welt von "Werner" richtig gut rüber kommt. Das ist unsere Heimat und die wollen wir so zeigen, wie sie eben ist - und sie ist so, wie wir sie sehen.

Frage: Im Film rettet "Werner" sein Wohnviertel vor der Vernichtung durch einen Bodenspekulanten. Ist er jetzt unter die Sozialkritiker gegangen?

Rötger Feldmann: "Werner" geht es in erster Linie darum, bei allem einen riesen Spaß zu haben. Also was soll die blöde Frage?

Frage: Hier kommt noch eine. Die ersten "Werner"-Fans sind ja inzwischen grau geworden und benutzen Corega Tabs. Können die Kids heute mit der 70er Jahre Nostalgie überhaupt noch etwas anfangen?

Rötger Feldmann: Was heißt hier Nostalgie? Guck dich doch mal um. Alle Welt säuft Bier aus Bügelflaschen, die Kids laufen in Schlaghosen rum und Hendrix-Plagiate wie Lenny Kravitz oder Reserve-Stones wie Aerosmith füllen ganze Stadien mit ihrer 70er Jahre Mucke. In den 70ern hatten wir den höchsten Pegelstand an persönlicher Freiheit. Davon zehren wir in hundert Jahren noch. "Werner" hat sich diese Freiheit immer genommen und wird sie sich immer nehmen. Das finden die meisten Leute eben geil - nicht nur die Kids.

Frage: Durch den neuen Film kachelt "Werner" mit der 'Satten Liter Schüssel', ein Monstermotorrad, das gerade von Andi als Realversion nachgebaut wird. Wie sehen eigentlich die Konstuktionspläne für so eine Maschine aus? Helfen euch da Ingenieure?

Rötger Feldmann: Der Konstruktionsplan ist eine Comiczeichnung von mir, mehr nicht. Den Rest macht Andi mit Kopf und Händen. Unser Freund Düse baut den Motor - alles pi mal Daumen. Ein chipgesteuerter Ingenieur von heute wäre mit einer solchen Aufgabe völlig überfordert.

Frage: Mit euren Fahrzeugen setzt ihr euch über alle Bestimmungen hinweg und dann ärgert ihr die Obrigkeit auch noch mit Bruno und Helmut, den beiden Polizeitrotteln. Könnt ihr euch bei euerm Punktekonto überhaupt noch auf den Straßen sehen lassen?

Andi Feldmann:: Mit einem hohen Kontostand bist du bei der Behörde immer sehr beliebt. Ich soll ja bald den goldenen Punkt vom Flensburger Oberbürgermeister überreicht bekommen und Ehrenbürger der Stadt werden.

Frage: Soll ich das glauben?

Rötger Feldmann: Tu doch, was du willst. Unser Vater ist auch Ehrenbürger von Kappeln, alles hauptamtlich besiegelt, jawohl. Und was Bruno und Helmut anbelangt, das sind doch die beliebtesten Bullen von Deutschland, die besten Sympathieträger, die die Polizei je hatte. Wir kriegen waschkörbeweise Post von begeisterten Bullen, die sich für unsere Arbeit bedanken ...

Andi Feldmann: ... und wenn wir mal bespült auf dem Bürgersteig parken und Bullen vorbeikommen, dann nehmen wir gemeinsam n' Lütten und es gibt Autogramme auf die Kalkmützen, so ist das!

Frage: Rötger - du gehst stramm auf die fünfzig zu und trägst seit dreißig Jahren den gleichen abgewetzten Lederanzug. Wie machst du es, dass du dich fit und schlank hälst?

Rötger Feldmann: Fit halten tu ich mich natürlich mit Bölkstoff und für die Schlankheit ist mein Korsett verantwortlich, das ich morgens auf einer Kfz-Rahmenrichtbank zumache.

Frage: Welche Rolle spielt deine Frau Petra bei deiner Arbeit und sonst?

Rötger Feldmann: Petra sorgt dafür, dass ich den Bleistift richtig rum halte und morgens mein Bäuerchen mache. Ohne sie würde ich meine Hosen an den Füßen zuknöpfen und zu keinem Termin pünktlich erscheinen. Viele meiner Klamotten entwirft und näht sie selber. Wenn irgendwelche sengenden und brennenden Horden in unser Haus einfallen, was oft passiert, dann sorgt sie dafür, dass alle reichlich gespeist und getränkt werden. Sie kümmert sich um die anschließende Trümmerbeseitigung und versorgt mehrere Hektar Garten. Vor allem hat sie jede Menge Geduld - nun ja, alles andere ist privat, das gehört hier nicht her.

Frage: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Rötger Feldmann: Neben Büchern und Filmen planen wir das "Werner"-Land. Wir verhandeln zur Zeit über den Kauf von ungefähr hunderttausend Hektar Land. Wo, das dürfen wir noch nicht sagen. Hauptattraktionen werden eine gigantische cirka 40 Kilometer lange Achterbahn mit Kotzrutsche, eine große Bölk- und Rülpshalle, in der das Bier über einen reißenden Gebirgsbach am Volk vorbeiströmt, sowie eine Rennstrecke ohne Sicherheitsmaßnahmen, auf der jeder fahren kann, wie er will. Aber nur, wenn er vorher mindestens 10 Bölkstoff getrunken hat.

Frage: Ist das alles?

Andi Feldmann:: Ich baue gerade einen Schuhanspitzer für "Werner"-Stiefel. Der soll bei Salamander ins Programm kommen.

Frage: Was ist das Geheimnis von "Werner"?

Rötger Feldmann: "Werner" macht was er will. Die meisten Menschen dagegen machen, was andere wollen. "Werner" ist das gute Beispiel, dem keiner folgen kann oder sich nicht traut. Davon träumen tun sie aber alle.

Frage: Und wie macht ihr das?

Rötger Feldmann: Wir machen was "Werner" will.

Frage: Und wer ist "Werner"?

Andi Feldmann:: Wir!

Dirk Jasper FilmLexikon
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