Interview mit Rolf Hoppe
Rolf Hoppe Rolf Hoppe, 68, spielt in der Sat.1-TV-Serie "Sardsch" den Paten in den Folgen "Sardsch - Die Jagd beginnt", "Sardsch - Mörderisches Erbe" und "Sardsch - Bis aufs Blut"

Frage: Sie spielen sehr oft die Rolle des Bösen, Zwielichtigen, Geheimnisvollen. So auch in "Sardsch", wo Sie den Paten, den Widersacher von Thomas Kopper darstellen. Haben sie ein besonderes Faible dafür?

Rolf Hoppe: Nein, kein Faible. Ich würde auch sehr gern mal etwas anderes spielen. Aber es kommt nicht darauf an, wie ich mich fühle, wie ich mich sehe, sondern darauf, wie die Menschen mich sehen, die mir meine Rolle geben.

Frage: Im nächsten Jahr spielen Sie in dem Sat.1-Movie "Sterben ist gesünder" ...?

Rolf Hoppe: Ja, ein sehr gutes Drehbuch, an dem ich sehr hänge. Mal sehen, was daraus wird. Ein Schauspieler ist ja immer nur ein Teil des Ganzen und sehr abhängig von seinem Umfeld.

Frage: "Sardsch" thematisiert zu einem gewissen Grad die Ost-West-Problematik. Hat Sie gerade das gereizt?

Rolf Hoppe: Das würde ich nicht sagen. Für mich ist "Sardsch" ein Thriller. Gereizt hat mich, in diesem Film die Personifizierung des Bösen zu zeigen. Die Rolle ist anfangs relativ konturenlos und wird dann im Laufe der Zeit deutlicher. Das Irre der Figur, das Fiktive, schwebt wie das Böse über den Menschen. Als Drehort wurde eben die Gegend in und um Dresden gewählt. Alle diese Ost-Mafia-Fragen tauchen zwar auf, werden aber im Film nicht beantwortet.

Frage: Meinen Sie, die Geschichten sind Fiktion oder real? Haben Sie von der Ost-Mafia in Dresden, wo Sie zu Hause sind, schon etwas bemerkt?

Rolf Hoppe: Ich persönlich nicht. Klar, es gibt so was, aber das ist für mich kein Thema, das ich mit diesem Film abhandeln möchte und könnte. Es ist mir zu ernsthaft - alles ist ein bißchen irre. Allerdings hat die extrem gelagerte Figur schon realistische Ausgangspunkte.

Frage: Sie gehören ja seit Jahren zu den ganz großen Schauspielern in Ost und West. Was hat sich nach der Wende für Sie entscheidend verändert?

Rolf Hoppe: Ich hatte immer Arbeit. An sich hat sich nichts verändert. Obwohl, bis zu "Mephisto" durfte ich nicht reisen. In die Ostblock-Länder schon, aber erst danach durfte ich auch anderswo drehen - außer in West-Deutschland. Nach der Wende war es mein Glück, dass man mich ein bißchen kannte.

Frage: Haben Sie eigentlich - wie viele Ihrer Kollegen es getan haben - auch mal an Ausreise gedacht?

Rolf Hoppe: Nein, es gibt Bäume, die man verpflanzen kann - dazu gehöre ich nicht. Das ist eine menschliche Antwort, keine politische. Ich kann nicht weg - schon wegen meiner Familie und wegen der Menschen. Außerdem habe ich 25 Jahre am Staatstheater Dresden gespielt und hänge einfach an der Stadt.

Frage: Dresden ist aber nicht unbedingt der Nabel der Filmindustrie. Was macht für Sie den besonderen Reiz der Stadt aus?

Rolf Hoppe: Es sind die Menschen, ich bin da zu Hause. Es ist die Schönheit der Stadt, der Dreiklang zwischen Geschichte, Kunst und Natur, dieses Geheimnisvolle. Eine meiner schönsten Auszeichnungen war, als ich in einem "Merian"-Heft über Dresden unter dem Zwinger als Ur-Dresdner zu sehen war.

Frage: Zurück zu "Sardsch": Als Heinz Baranowski spielen Sie wunderbar Klavier. Ein Hobby von Ihnen?

Rolf Hoppe: Nein, ich kann nicht Klavier spielen. Das war der Hermahn, der Pianist aus dem Staatsschauspiel in Dresden.

Frage: Ihre große Leidenschaft sind Pferde. Was hat sie davon abgehalten, Ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen?

Rolf Hoppe: Nach dem Krieg habe ich als Pferdepfleger gearbeitet, und dann habe ich in der FDJ, in einer Laienspielgruppe, die Schauspielerei kennengelernt. Tierarzt konnte ich nicht werden, weil ich kein Abi hatte - ich musste ja arbeiten, um Brot zu verdienen. Dann lernte ich Brotbacken und hatte wenig Zeit für Pferde - sie wurden mein Traum.

Frage: Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Rolf Hoppe: Ich mache Lesungen auf Schloß Weesenstein bei Dresden.

Das Interview führte Anke Tollkühn.

Dirk Jasper FilmLexikon
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