Romy Schneider ?
* 23. Sepbember 1938 in Wien, Österreich, als Rosemarie Magdalena Albach-Retty • ? 29. Mai 1982 in Paris, Frankreich • Schauspielerin • Biographie • Filmographie •
Romy Schneider Biographie 1938 wurde sie in Wien geboren: Rosemarie Magdalena Albach-Retty, die als Romy Schneider zum größten internationalen, vielleicht aber auch tragischstem Star des deutschsprachigen Films avancierte.

Rosemarie Magdalena war die Tochter von Magda Schneider und Wolf Albach-Retty. Romy Schneider wurde das darstellerische Talent sozusagen in die Wiege gelegt: Mutter Magda Schneider war in den 30er Jahren ein Star und auch später noch in vielen Filmen an der Seite ihrer Tochter zu sehen, Vater Wolf Albach-Retty war ebenfalls ein Schauspieler. Sie verlebte ihre Kindheit in Wien und Berchtesgaden und besuchte dann eine Klosterschule.

Romy wuchs nach der Trennung der Eltern bei der Mutter auf. Mit 14 spielte Romy ihre erste Filmrolle neben Mutter Magda, die Romys Karriere zunächst auch auf der Leinwand begleitete. Sie gab ihr Filmdebüt in Wenn der weiße Flieder wieder blüht (1953) und war von nun an lange auf die Rolle der naiven, süßen Tochter oder jungen Liebhaberin abonniert.

Der Film war eine kitschige Love-Story aus der österreichischen k.u.k.-Zeit und stellte mit seinem Erfolg die Weichen für zahlreiche Streifen ähnlicher Natur, besonders Sissi (1955). Zwei weitere "Sissi"-Fortsetzungen folgten, doch da sie das Klischee hasste, in das die Öffentlichkeit sie zwingen wollte, drehte Romy Schneider schon die letzte Folge der Sissi-Trilogie nur widerwillig. Sie erklärte, nie wieder Sissi spielen zu wollen und trat erst 1972 an der Seite von Helmut Berger in Luchino Visconti Film Ludwig II. noch einmal, doch diesmal als gereifte österreichische Kaiserin vor die Kamera. Das Image der lieblichen, unschuldigen Monarchin sollte Romy Schneider noch jahrelang verfolgen und war einer der Gründe für die extremen Rollen, die sie sich später aussuchte.

Mit seiner Prognose "Du wirst alle jungen Mädchen Europas zum Träumen bringen" hatte Regisseur Franz Marischka nicht zu viel versprochen. 1954 spielte Romy die junge Queen Victoria in Mädchenjahre einer Königin, ein Jahr später die Kaiserin Elisabeth von Österreich. Die Trilogie Sissi, Sissi - Die junge Kaiserin und Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin gehörte in den 50er Jahren zu den größten Erfolgen des Genres. Die Rolle der "Sissi" machte aus dem lebenslustigen Nachwuchstalent einen Superstar, das phänomenale Echo auf die zuckersüß verpackte k.u.k. Lovestory zog eben diese zwei Fortsetzungen nach sich. Strahlend, "lieb", selbstbewußt und intelligent, drehte Romy in den 50ern weiter sentimentale Kostümfilme und moderne Komödien. Sie wurde vom Publikum gefeiert und von der Kritik geschmäht.

Bei den Dreharbeiten zu Robinson soll nicht sterben lernte die junge Mimin ihren Partner Horst Buchholz auch im Privatleben schätzen. Prompt stürzten sich Presse und Publikum auf die erste "reale Romanze" des Jungstars, die mit Monpti (1957) ein Ende fand.

Mit 20 lernte sie bei der französischen Co-Produktion Christine (in der gleichen Rolle, ihre Mutter Magda Schneider 25 Jahre zuvor in Liebelei gespielt hatte) der französischen Nachwuchsdarsteller Alain Delon kennen. 1958 zog sie zu ihm nach Paris, die beiden verlobten sich 1959. Romy Schneider spielte in Paris mit Alain Delon am Theater. Aus der süßen Sissi der Anfangsjahre wurde dann in Frankreich eine große Schauspielerin, deren Leben von persönlichen Schicksalsschlägen gezeichnet war. Obwohl die Beziehung mit Alain Delon nach einigen Jahren scheiterte, hatte sich die junge Romy inzwischen auf dem internationalen Parkett als vielseitig und talentiert etabliert.

Walt Disney meldete sich aus Hollywood, aber Romy lehnte ab. Sie legte Wert darauf, endlich auf der Leinwand erwachsen zu werden. 1961 gab Luchino Visconti ihr eine entscheidende Rolle in Boccaccio 70 und etablierte sie europaweit als ernstzunehmende Schauspielerin. Nur in Deutschland wurde ihr die Rolle in Ausland verübelt, das Publikum und oberflächliche Kritikerklischees stempelten sie als ewige Sissi ab - eine lebenslange Fehde zwischen Romy und den deutschen Medien begann.

Da Sissi unter dem US-Titel Forever My Love auch in den USA ein Erfolg wurde, blieben Angebote aus Hollywood nicht aus. Doch es kam zu keinem Vertragsabschluß. Stattdessen ging Rom< Schneider 1958 mit ihrem Partner Alain Delon nach Paris, was das einheimische Publikum ebenso schmerzte wie ihre Weigerung, in einem vierten Sissi-Film mitzuwirken. Es fiel ihren Fans schwer, den Wandel ihres Idols zur erwachsenen, modernen Frau zu akzeptieren.

Mit Filmen wie Luchino Viscontis Boccacio 70 (1961) und Orson Welles' Der Prozess (1962) setzte sich Romy Schneider bald als ernsthafte Schauspielerin durch. Sie spielte unter Luchino Viscontis auch Theater, und nach ihrem Auftritt in Orson Welles' Franz Kafka-Verfilmung Der Prozess akzeptierte jetzt auch weitere Rollen aus Hollywood. 1962 ging sie nach Hollywood und drehte fünf relativ unbedeutende Filme, die nicht zu ihrer Individualität paßten, denn im US-Studiosystem konnte sie sich nicht aus den Bandagen des "Fräulein" befreien. Einige Filme in England folgten, aber Romys Karriere rutschte der Talsohle entgegen. Auch durch ihre Heirat mit dem Schauspieler Harry Meyen und der Geburt ihres Sohnes David wurde es Mitte der 60er Jahre ruhig um sie.

Romy Schneider mit Alain Delon in 'Der Swimmingpool' Das Jahr 1968 markierte dann die Wende zu Romys Aufstieg in Frankreich. Nach einem Abstecher nach Großbritannien kehrt Romy Schneider zum französischen Film zurück, um seit ihrem Mini-Auftritt in dem Thriller Nur die Sonne war Zeuge erstmalig wieder an der Seite ihrer einstigen großen Liebe Alain Delon (der sich nach Jahren der Verlobung von Romy getrennt und eine andere geheiratet hatte) zu drehen. Der Swimmingpool ist ein Streifen von prickelnder Erotik, die dieser vor allem dem sonnenumfluteten südfranzösischen Schauplatz verdankt, in dessen gleißendem Licht sich Romy Schneider und Alain Delon lasziv räkeln.

Der Swimmingpool wurde in Frankreich zu einem riesigen Publikumserfolg und leitete einen neuen Abschnitt in der Karriere von Romy Schneider<</B> ein, der ihren vorangegangenen Misserfolgen ein abruptes Ende setzte und ihr neue, faszinierende Auftritte in der Rolle einer gereiften Frau einbrachte. Romy spielte eine betörend sinnliche Frau und wurde seitdem von den Franzosen wie eine Institution verehrt.

Auch in Deutschland liefen die französischen Hits der 70er Jahre mit großem Erfolg, und Romy kam regelmäßig nach Deutschland, um sich selbst zu synchronisieren (häufig unter der Synchronregie ihres Mannes Harry Meyen). Aber sie fühlte sich in Frankreich deutlich wohler, sowohl was die Angebote und Regisseure als auch was das Publikum anging. In dieser Zeit entstanden eine Reihe ihrer schönsten Filme, in denen sie häufig an der Seite von Michel Piccoli zu sehen war, wie Die Dinge des Lebens, Cesar und Rosalie und Trio Infernal. Mit Filmen wie Abschied in der Nacht oder Die Bankiersfrau entwickelte sich Romy Schneider zur Symbolfigur des französischen Kinos in den 70er Jahren.

Vor allem die Filme mit Claude Sautet (Die Dinge des Lebens, Das Mädchen und der Kommissar, César und Rosalie, Mado, Eine einfache Geschichte) bildeten eine Serie kritischer und kassenträchtiger Erfolge, die Romy als lebenserfahrener, souveräner und ebenso kraftvoller wie sanfter Heldin gerecht wurden.

1976, 1979 und 1981 wurde sie mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet, 1977 erhielt sie für ihre Rolle in der Böll-Verfilmung Gruppenbild mit Dame das Filmband in Gold.

Romy Schneider mit Daniel Biasini Nach ihrer Trennung von Alain Delon heiratete sie 1966 den (erfolglosen) Schauspieler und Regisseur Harry Meyen; im selben Jahr, am 3. Dezember 1966 kam ihr Sohn David Christopher zur Welt. Aber die Ehe zerbrach und wurde am 17. Dezember 1975 geschieden, Harry Meyen beging (Jahre nach der Scheidung) Selbstmord. Bereits einen Tag nach der Scheidung, am 18. Dezember 1975, heiratete Romy Schneider ihren Sekretär Daniel Biasini; am 21. Juli 1977 wurde Tochter Sarah Magdalena geboren. Doch auch diese Ehe hielt nur bis 1981.

Das Jahr 1981 wurde zu Romy Schneiders Schicksalsjahr: Ihre Ehe wurde geschieden, sie musste sich einer schweren Operation unterziehen, und im Juli verunglückte ihr Sohn tödlich. Ein Schicksalsschlag, von dem sie sich nie mehr erholte: Der inzwischen 14jährige David fiel beim Spielen in die Metallspitzen des Gartenzauns und verblutete. Und am Todestag ihres Sohnes saßen die Paparazzi in den Bäumen auf der Jagd nach dem besten Foto.

Ein knappes Jahr später, nach Abschluß der Dreharbeiten für Die Spaziergängerin von Sans-Souci, wurde Romy tot an ihrem Schreibtisch sitzend gefunden - sie starb am 29. Mai 1982 in Paris im Alter von nur 41 Jahren an Herzversagen. In Frankreich wurde ihr zu Ehren der Romy-Schneider-Preis für junge Schauspieler gestiftet.

"Meine Fresse reißt alles raus", sagte Romy Schneider von sich selbst. Sie hatte ein klassisch schönes Gesicht, und sie hatte eine unglaubliche Präsenz auf der Leinwand - eben Starqualitäten. "Es war eine Art Magie", beschreibt es ihr Maskenbildner. "Sie konnte einem Angst machen", erinnert sich ihr bester Freund Michel Piccoli.

Romy Schneider ging ihren eigenen Weg, und ihr Leben verläuft in Brüchen. In Paris genoß sie das Leben, die Liebe und die neue Unabhängigkeit. Sie spielte sich frei und entwickelte sich zu einer reifen Schauspielerin und sündhaft attraktiven Frau. Sie feiert Erfolge, und sie fällt in Depressionen. Sie wird verehrt, und sie wird betrogen. Romy Schneider - so zeigen Gespräche mit Freunden, Regisseuren, Kollegen und Journalisten - war ein Mensch voller Widersprüche: die "Sissi" der Deutschen und der mondäne Filmstar der Franzosen.

Als angepaßter Backfisch spielte sie sich in die Herzen des deutschen Publikums. Mit siebzehn war sie schon auf dem Höhepunkt der Popularität in Deutschland, sechs Jahre später der Sprung nach Frankreich, der Beginn einer neuen Karriere, begleitet von Alain Delon und beschützt von Luchino Visconti.

Erst war sie Liebling der Yellow-Press - dieselbe Presse war es, die sie mit "Kübeln voller Dreck überschüttete" (Oswald Kolle), als sie Deutschland verließ und sich dem Frauenheld Alain Delon an den Hals warf. Die deutsche Presse ist empört: "Die süße Sissi hat sich von uns abgewandt, ihr Herz schlägt jetzt in Frankreich." Dort dreht sie Filme mit großen Regisseuren: mit Luchino Visconti, Orson Welles, Claude Sautet, Joseph Losey, Claude Chabrol, Constantin Costa-Gavras. Als Schauspielerin steht sie ganz oben, und in ihrem Privatleben sehnt sie sich nach einer Anerkennung außerhalb des Films, damit das Idol nicht die einzige Leistung ihres Lebens bleibt.

Regisseure und Kollegen erzählen von der Hingabe, mit der sie arbeitete. Hingabe bis zur Selbstaufgabe, bis zu wahren Tränen, körperlichen und seelischen Verletzungen.

Doch so sehr sie als Filmstar verehrt wurde - Romy Schneider schaffte es nicht, in ihrem Privatleben eine ähnlich ausgeglichene Entsprechung zu finden. Privat suchte sie Geborgenheit, Idylle, Familie, Glück. Die Öffentlichkeit interessierte sich vor allem für ihre Männergeschichten. Sie gilt als tragische Figur, die diesem Widerspruch nicht entrinnen konnte und deshalb zwangsläufig scheitern musste.


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Dirk Jasper FilmLexikon
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