Interview mit Ruth Maria Kubitschek
Ruth Maria Kubitschek Ruth Maria Kubitschek, Darstellerin in der Sat.1 - Serie Katrin ist die Beste

Frage: Welche Rolle spielen Sie in "Katrin ist die Beste"?

Ruth Maria Kubitschek: "Ich spiele eine Frau, von der man gar nicht weiß, was man von ihr halten soll. Ich bin mit einem Prälaten verheiratet und habe seit 30 Jahren ein Verhältnis mit Professor Naumann (Hans Korte). Das kommt in der Kleinstadt heraus, und es führt natürlich zu Komplikationen. Es hat mir Spaß gemacht, die Rolle so zu spielen, dass die Menschen verstehen, dass man 30 Jahre lang lügt und nicht den Mut hat, die Verhältnisse zu klären."

Frage: Welche Erinnerungen an die Dreharbeiten werden Sie wohl in zehn Jahren noch haben?

Ruth Maria Kubitschek: "Ich werde mich als erstes an die entzückenden Babys erinnern, die mitgespielt haben und an die jungen Mädchen, die unsere Kinder spielen. Weiter an die Gespräche, die ich mit unseren jungen Fahrern morgens im Bus hatte. Dann an die Arbeit mit Korte, mit dem Regisseur Hermann Leitner, an die Gespräche mit Michaela Merten über Steine und alles, was kommen wird auf dieser Erde."

Frage: Welchen Reiz hatte die Rolle für Sie?

Ruth Maria Kubitschek: "Eine sehr schöne Frauenrolle. Es ist uninteressant nur Hausfrau und Mutter zu spielen. Gissy ist eine selbständige Frau mit einem Beruf - sie könnte auch ohne Mann leben. Ich denke, man muss sowieso nicht unbedingt heiraten. Ich sehe so viele schlechte Ehen und schwierige Verhältnisse: Der Mann hat sich entwickelt, und die Frau kann oder will nicht mehr mitziehen. Aber meistens ist es die Frau, die sich weiter entwickelt hat. Das ist das Problem: Die Frauen sind aufgewacht, und die Männer sind im Tiefschlaf - auch was unsere Umwelt betrifft. Frauen sehen einfach, dass wir nicht mehr so weitermachen können. Eine Ehe ist nur dann wunderbar, wenn beide Partner gleichberechtigt sind. Das Wichtigste ist, dass sich die beiden Seelenlichter entwickeln können. Der eine Ehepartner sollte der Hüter des anderen sein. Man muss in der Liebe loslassen können."

Frage: Ist das auch der Grund dafür, dass Sie immer noch getrennt leben?

Ruth Maria Kubitschek: "Ja, bestimmt. Wir brauchen beide unseren Freiraum. Man muss jemanden haben, um durchs Leben zu gehen, aber es muss nicht unbedingt diese Enge sein."

Frage: Sind Alterslieben eigentlich schöner als die jungen stürmischen?

Ruth Maria Kubitschek: "Ich glaube ja. Es ist gut, dass man sich nur anzuschauen braucht, um Bescheid zu wissen. In der Jugend ist immer alles so furchtbar ernst und tragisch. Die Zeit heilt. Heute weiß man, dass man die Dinge nicht mehr mit Schmerz ertragen muss, heute kann man eine Entscheidung mit Klarheit fällen."

Frage: Machen Sie die vielen Komplimente, die Sie bekommen, eigentlich müde?

Ruth Maria Kubitschek: "Nein, Komplimente kann man nicht genug hören. Es ist sehr schön, wenn ich Menschen sehe. Sie sind immer sehr gerührt, und dann bin ich gerührt, weil ich eine große Liebe spüre, besonders von Frauen. Ich finde das sehr schön. Ich nehme es dankbar an, dass mich die Leute erkennen."

Frage: Sie leben in einem Schweizer Dörfchen am Bodensee. Wie reagieren die Menschen dort auf Sie?

Ruth Maria Kubitschek: "Ich lebe ja schon seit 1963 in der Gegend. Die Leute haben sich an mich gewöhnt. Es sei denn ein Tourist kommt, der fragt mich dann 'Was machen Sie denn hier?'"

Frage: Wie sind Sie eigentlich zur Esoterik gekommen?

Ruth Maria Kubitschek: "Das Wort erschreckt mich nach wie vor, weil es soviel Quatsch gibt in der Esoterik: Aura fotografieren etc. Das meine ich nicht. Ich hinterfrage, ich lese viel, ich meditiere, lehre auch das Meditieren, mache mir sehr viele Gedanken über die Ausbeutung der Erde. Die Erde hat nämlich keinen Hüter und keinen Anwalt, und das versuche ich zu machen - im kleinen Kreis. Wenn man etwas weiß, muss man das Wissen weitergeben, wenn man gefragt wird."

Frage: Sie wirken immer so ausgeglichen. Ist das Schein oder ist das wirklich so?

Ruth Maria Kubitschek: "Ich bin immer so, aber ich kann auch sehr wütend werden. Danach bin ich jedoch sofort wieder ausgeglichen. Wütend werde ich, wenn etwas blöd und unprofessionell gemacht wird. Ich habe meinen Beruf gelernt, bin diszipliniert und pünktlich, und es nervt mich, wenn die anderen es nicht sind."

Frage: Also rasten Sie nur im beruflichen Bereich aus?

Ruth Maria Kubitschek: "Ja, privat nicht mehr. Ich bin immer glücklich in mir und sehr fröhlich. Das Leben ist viel zu schön, um es mir mit schlechter Laune zu verderben."

Das Interview führte Mariam v. Humboldt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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