Interview mit Sophie Rogall
Sophie Rogall Sophie Rogall ist die Hauptdarstellerin in dem Film Fickende Fische

Frage: Sophie, du hast für Fickende Fische ein Serienangebot ausgeschlagen ...

Sophie Rogall: Ja, weil ich mich total in dieses Drehbuch verliebt habe. Ich fand das Buch so ehrlich, es war so sehr in der Sprache von 16-Jährigen und so sehr in unseren Gedanken. Ich konnte mich sofort damit identifizieren. Man ist eben nicht mehr klein, aber auch noch nicht groß. Man fragt sich eigentlich den ganzen Tag, wer man eigentlich ist.

Frage: Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Nina und Sophie?

Sophie Rogall: Nina hat viel mehr hinter sich. Sie hat mit 15 schon ein ganz schön dickes Fell, weil ihre Mutter ausgerechnet zu Beginn ihrer Pubertät, wenn man die Mutter am meisten braucht, nach Afrika abgehauen ist. Sie musste von einem Tag auf den anderen lernen, sich allein durchzuboxen, und sie hat sich eine ziemlich harte Schale zugelegt. Das war bei mir nie so. Mit meinen Eltern hatte ich immer das beste Verhältnis, ich wurde eher mit Liebe überschüttet, als dass ich allein gelassen wurde.

Frage: Deine Filmfigur erlebt die erste große Liebe. Hast du sie selbst schon hinter dir?

Sophie Rogall: Ja, das ist noch gar nicht so weit weg. In dieser Hinsicht habe ich mich eher mit Jan identifiziert - ich habe mich damals genau so gefühlt wie er im Film. Ich war eine totale Einzelgängerin zu der Zeit, hatte kaum Freunde und war völlig in meiner eigenen Welt, und durch diese erste Liebe bin ich regelrecht fürs Leben aufgewacht. Es ist wie ein Schritt in die Welt. Und witzigerweise habe ich damals auch mein ganzes Zimmer umgeräumt - wie Jan und Nina im Film!

Frage: Wie bist du bei den Dreharbeiten mit der Vorstellung umgegangen, dich in einen HIV-Infizierten Jungen zu verlieben?

Sophie Rogall: Ich habe lange darüber nachgedacht, aber ich bin zu keinem Schluss gekommen. Ich weiß nicht, ob ich wie Nina sagen würde: Das ist die Liebe meines Lebens, da ist die Krankheit egal, oder ob ich eher doch zu feige wäre, mich darauf einzulassen.

Frage: Spielt das Thema AIDS bei dir und deinen Altersgenossen überhaupt eine Rolle? Sophie Rogall: Nein, fast gar nicht, es wird wenig drüber nachgedacht. Eine Bekannte meiner Mutter ist HIV positiv, aber sonst hatte ich bisher keine nahe Berührung mit der Krankheit. Wenn man sich so wie wir damit befasst, überlegt man sich noch mal genauer, was das für ein Leben bedeutet. Deshalb finde ich es auch wichtig, dass es diesen Film gibt.

Frage: Dies ist dein erster Kinofilm. Schauspielerische Erfahrungen hast du aber schon vorher sammeln können ...

Sophie Rogall: Ich bin mit 14 bei einer Tanzaufführung von einer Kinderagentin angesprochen worden. Damals wollte ich nicht, aber mit 16 überkam mich die Lust, und ich bin zu Castings gegangen. Da hat es dann auch mit der Rolle in "Bei aller Liebe" geklappt. Aber ich habe noch nie so intensiv mit einer Figur beschäftigt wie mit Nina bei Fickende Fische. Ich bin ihr sehr nah gekommen.

Frage: Was reizt dich an der Schauspielerei?

Sophie Rogall: Ich habe ja bis jetzt nur kleine Serienrollen gespielt, und hier habe ich plötzlich gemerkt, wir toll es ist, sich wirklich mit einer Figur zu beschäftigen und ihr total nah zu kommen. Ich werde Nina in meinem Leben nicht mehr ablegen, die wird immer da sein für mich. Letzte Weihnachten habe ich mich sogar dabei ertappt, dass ich darüber nachgedacht habe, wie wohl Nina Weihnachten feiert. Ich habe an sie gedacht wie an eine gute Freundin ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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