Stanley Kramer ?
* 29. September 1913 in Brooklyn, New York, USA • ? 19. Februar 2001 in Woodland Hills, Kalifornien, USA • Regisseur, Produzent, Autor • Biografie • Oscars® • Filmografie • Autogramm
Stanley Kramer Biographie Er war der Regisseur von "Das Urteil von Nürnberg" und von vielen Katharine Hepburn-Filmen. Seine Werke wurden mit 16 Oskars ausgezeichnet, insgesamt erhielten seine Filme über 80 Oscar-Nominierungen, aber er selbst erhielt nie diese Auszeichnung. Kramer galt als einer der populärsten Vertreter des engagierten Hollywood-Films. Im Alter von 87 Jahren starb er im Februar 2001 in einem Altersheim bei Los Angeles.

Die Filmkarriere des gebürtigen New Yorkers hatte in den Deißiger Jahren als Redakteur und Schreiber begonnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er seine eigene Produktionsfirma. Sein erster Film erschien 1948, sein letzter Film, The Runner Stumbles, wurde 1979 veröffentlicht. Seine eigene Doppelrolle als Produzent und als Regisseur verschaffte Kramer eine damals für einen Filmemacher noch sehr ungewöhnliche Unabhängigkeit. Sie ermöglichte es ihm, seine Filmbotschaften ohne Einmischung von Studiobossen zu drehen.

Kramer war ein "Independent", lange bevor es den Begriff gab. 1948 gründete er seine eigene Firma, deren erste Komödie aber erfolglos blieb. Doch Kramer spornte der Misserfolg an. Bereits bei seinem zweiten Projekt bewies er Gespür für die Starqualitäten von Nachwuchsschauspielern. Unter der Regie von Mark Robson stieg Kirk Douglas 1949 als fanatischer Boxer in Zwischen Frauen und Seilen in die erste Garde auf.

Den Vorwurf, er mache "Filme mit Botschaften", nahm er als Anerkennung. Für bloßes "Entertainment" hatte er keinen Sinn; ihm lag - anfangs nur als Produzent, später auch als Regisseur - viel daran, dass seine liberale Grundüberzeugung auch die Filme prägte, für die er einstand: Er setzte sich mit dem Militarismus in Die Caine war ihr Schicksal auseinander, er attackierte 1967 in Rat mal, wer zum Essen kommt den Rassismus weißer Amerikaner, gegen die nukleare Aufrüstung protestierte Kramer mit dem Streifen Das letzte Ufer, und er arbeitete die Zeit der NS-Diktatur in Urteil von Nürnberg auf. In Wer den Wind sät ließ er 1960 seinen Lieblingsstar Spencer Tracy einen Anwalt spielen, der in einem Provinznest einen Biologielehrer gegen religiöse Fanatiker verteidigen musss, die ihn wegen der Verbreitung der Evolutionslehre Darwins angreifen.

Mit diesen Werken zementierte Kramer auch seinen Ruf als linksliberaler Produzent. dass Kritiker ihn anfangs als Anti-Amerikaner brandmarkten, nahm der unermüdliche Moralist gelassen zur Kenntnis. Er machte Filme mit Gewissen, die mehr durch Pathos als durch analytische Schärfe bestachen. Vielleicht lag darin der Grund, dass Hollywood diesen "aufgeklärten Liberalen" verdauen konnte und viele seiner sozialkritischen Dramen zu Publikumserfolgen wurden.

In einem Interview hat Kramer einmal sein Image als "Regisseur mit Botschaft" selbst angesprochen: "Ich habe das Gefühl, dass meine filmischen Ausdrucksmittel völlig unangemessen waren. Man hat mir die Marke 'Filme mit Botschaft' aufgeklebt, und solche Themen haben meine Arbeit zu sehr dominiert. Ich würde mich am liebsten etwas einfacher und, wenn Sie so wollen, künstlerischer ausdrücken."

Kramers Frau, die Schauspielerin Karen Sharpe Kramer, hatte einmal gesagt, dass dieses Verhalten auch für ihren Mann typisch gewesen sei. Er habe an die Wahrheit, die Gerechtigkeit und den Wert des einzelnen Menschen geglaubt.

Aber nicht alle Filme Kramers befassten sich mit gesellschaftlichen Problemen. 1963 drehte er die Komödie Eine total verrückte Welt mit dem Stummfilmstar Buster Keaton. Das sei die glücklichste Erfahrung gewesen, die er je mit einem Film gemacht habe, sagte Kramer später.

Regisseur Steven Spielberg hat Kramer einmal als einen der großen Filmemacher bezeichnet, nicht nur wegen der Kunst und Leidenschaft, die er auf die Leinwand bringe, sondern auch wegen des Einflusses, den er mit seinen Filmen auf das Bewusstsein in dieser Welt ausgeübt habe.

Kramer hatte sich in vielerlei Jobs in der Hollywood-Hierarchie hochgerackert, Ende der vierziger Jahre als Produzent selbständig gemacht - und repräsentierte zwei Jahrzehnte lang mit beträchtlichem Erfolg eine handfeste, im Einsatz von Pathos und Sentiment bewusst populistische Art von Schauspieler-Kino.

Stars wie Kirk Douglas, Marlon Brando, Sidney Poitier und Maximilian Schell öffnete Kramer den Weg zum Ruhm. Neben Spencer Tracy gehörten Gary Cooper, Katharine Hepburn, Grace Kelly und Maximilian Schell zu seinen bevorzugten Darstellern und persönlichen Freunden.

Allerdings geriet das viele Jahre als Herausforderung zum Mitdenken und Stellung beziehen beliebte Genre des "message movie" seit Beginn der siebziger Jahre bei der Kritik als zu simpel in Verruf. Das Publikum empfand den "erhobenen Zeigefinger" mehr und mehr als unangebracht.

1980 zog sich Kramer deshalb mit seiner Familie nach Seattle im nordwestlichen Bundesstaat Washington zurück. Sieben Jahre später gingen die Kramers wieder nach Hollywood, aber vor allem wegen des angenehmeren Klimas. Beim Ruhestand blieb es.

Stanley Kramer starb im Februar 2001 in einem Altenheim für Künstler und Schauspieler in Woodland Hills, einem Vorort von Los Angeles, an Lungenentzündung.


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