Interview mit Stefan Aust
Stefan Aust Interview mit Stefan Aust (52), neuer Moderator von "Talk im Turm" (sonntags, ca. 22.15 Uhr)

Frage: Ab 1. November 1998 übernehmen Sie "Talk im Turm" in SAT.1. Gleichzeitig moderieren Sie manchmal auch "SPIEGEL TV" auf RTL. Machen Sie sich da nicht selbst Konkurrenz?

Stefan Aust: Sicherlich werde ich nicht zur gleichen Zeit in zwei Sendungen auftreten. SPIEGEL TV-Magazin ist erwachsen geworden. Schon seit meinem Dienstantritt als Chefredakteur vom SPIEGEL hat die Redaktion das Magazin vollkommen selbständig hergestellt, und ich habe nur ausnahmsweise moderiert. In meiner Eigenschaft als einer von mehreren Geschäftsführern habe ich mich um die programmliche Linie gekümmert. Das werde ich auch weiterhin tun. Ich habe mir die Entscheidung nicht leichtgemacht, in einer Sendung als Moderator aufzutreten, die zumindest zeitweise parallel zu SPIEGEL TV-Magazin läuft. Aber Konkurrenz gibt es immer, und da ist es sicherlich besser, im sportlichen Wettstreit zwischen Mitarbeitern aus demselben Hause zu stehen. Die Redakteure und Moderatoren von SPIEGEL TV sind selbstbewußt genug, keine Angst vor Konkurrenz zu haben. Schon gar nicht vor meiner Konkurrenz.

Frage: Wie empfinden Sie es, in die TV-Fußstapfen von Herrn Böhme zu treten?

Stefan Aust: Erich Böhme hat 'Talk im Turm' in den vergangenen Jahren zur wichtigsten DisKusssionsrunde der Republik gemacht. Ich werde mich bemühen, die Sendung so gut und erfolgreich weiterzuführen, wie der Sender und Erich Böhme es von mir erwarten können. Sicherlich wird eine DisKusssionssendung auch vom Moderator geprägt, und da setzt jeder seine Aspekte. Erich Böhme hat gesagt: Der Unterschied zwischen uns sei, dass er entspannt ist und ich gespannt. Ich meine, das ist eine gute Definition der unterschiedlichen Herangehensweisen. Ich bin sehr gespannt auf das, was die Gäste zu sagen haben. Und ich hoffe, die Zuschauer sind es auch.

Frage: Werden Sie etwas am Konzept oder an der Kulisse verändern?

Stefan Aust: Am Konzept und Erscheinungsbild wird derzeit gearbeitet. Es wird keine grundsätzliche Veränderung geben. Wir werden versuchen, der Sendung ein etwas frischeres Erscheinungsbild zu geben.

Frage: Wer ist Ihr Wunschgast?

Stefan Aust: Wunschgäste sind alle, die in dieser Republik Akzente setzen. Das beginnt natürlich beim neuen Bundeskanzler und den wichtigsten Entscheidungsträgern der neuen Regierung und der neuen Opposition. Ganz sicher kommen auch Menschen zu Wort, die von politischen oder gesellschaftspolitischen Entscheidungen und Einflüssen betroffen sind.

Frage: Welches Thema brennt Ihnen am meisten auf den Nägeln?

Stefan Aust: Der Umzug der Hauptstadt nach Berlin und alle Probleme, Chancen und Veränderungen, die damit zu tun haben, wird sicher in diesem und kommenden Jahren das wichtigste Thema sein.

Frage: Welches Rezept haben Sie, die Quote zu steigern?

Stefan Aust: Das wichtigste ist die Qualität der Sendung. Wenn die stimmt, wird die Quote folgen.

Frage: "Talk im Turm" ist ja eine Live-Sendung mit Publikum. Wie gehen Sie mit unvorhergesehenen Situationen um?

Stefan Aust: Ich kann meine Reaktion darauf nicht vorhersehen und nur hoffen: geistesgegenwärtig und professionell.

Frage: Sie sind Geschäftsführer von SPIEGEL TV und Chefredakteur vom SPIEGEL. Warum übernehmen Sie auch noch "Talk im Turm"?

Stefan Aust: Eine gute Frage.

Frage: Wie machen Sie das: Arbeit, Familie, Freunde, Pferde? Was ist Ihr "Motor"?

Stefan Aust: Bis jetzt konnte ich in Streßsituationen immer noch ein Brikett mehr einwerfen. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Frage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Stefan Aust: Hoffentlich auf und nicht unter der Erde.

Das Interview führte Anke Walter.

Dirk Jasper FilmLexikon
© Sat.1 © 1994 - 2010 Dirk Jasper