Interview mit Susanna Simon
Susanna Simon spielt im Sat.1-TV-Film "Rache für mein totes Kind" die Hauptrolle

Frage: In "Rache für mein Totes Kind" spielst du Julie, die mit ihrer Familie auf einem einsamen Hof an der Nordsee lebt. Könntest du dir so ein Leben vorstellen?

Susanna Simon: Nein, überhaupt nicht. Als wir für den Film fünf Wochen auf dem Hof in St. Peter Ording gedreht haben, waren wir völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Da habe ich gemerkt, dass ich ein überzeugter Stadtmensch bin.

Frage: Wie würdest du das Verhältnis zwischen Julie und ihrem Mann Paul beschreiben?

Susanna Simon: Schwierig. Der Umzug auf den Einödhof sollte ja für Julie und ihre Familie nach dem schweren Autounfall ein Neuanfang werden. Doch ihr Privatleben hat sich seitdem nie wieder normalisiert. Immer wider stand die Frage im Raum, wer von beiden nun wirklich an dem schweren Unfall die Schuld hatte. Während Julie immer wieder von ihren Ängsten heimgesucht wird, weigert sich Paul vehement über das Geschehene nachzudenken.

Frage: Im Film begeht Julie schließlich Ehebruch mit dem Fischer Fred. Wie wichtig ist Dir Treue?

Susanna Simon: Sehr, sehr wichtig.

Frage: Dann geschieht das Unfaßbare. Freds Tochter kommt auf tragische Weise ums Leben. Wie erklärst du Dir, dass Fred Julie die Schuld am Tod seiner Tochter gibt?

Susanna Simon: In gewisser Weise ist es auch Julies Schuld gewesen. Sie hat aus Versehen eine Kiste auf den Deckel der Kühltruhe gestellt, in der sich Freds Tochter Rachel versteckt hielt. Sie hat auch nicht reagiert, als sie Geräusche hörte. Das alles hat sie später Fred erzählt und gemerkt, dass sich bei ihm von da an eine Wandlung vollzog. Fred wurde eifersüchtig. Während Julie noch ihre komplette Familie hatte, hatte er nach dem Tod seiner Frau nun auch noch seine Tochter verloren.

Frage: Wie ist das in deinem Leben: Du bist jetzt 29, denkst du auch ans Heiraten und Kinderkriegen?

Susanna Simon: Ja schon, aber ich träume noch nicht davon.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseurin Vivian Naefe?

Susanna Simon: Sehr angenehm. Der Film ist ja eine Art Kammerspiel zwischen drei Personen. Da wir abgeschottet an der Nordsee drehten, waren wir schon nach kurzer Zeit wie eine Art Kleinfamilie.

Frage: Seit den Produktionen "Die verlorene Tochter" und "Winterkind" bist du einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Wie gehst du mit der Popularität um, und wie hat sich Dein Leben verändert.

Susanna Simon: Es ist komisch, denn jetzt beginnt die Phase, wo mich die Leute im Bus oder im Restaurant erkennen. Manchmal weiß ich wirklich nicht, wie ich damit umgehen soll. Es gibt Tage, da sehe ich auf den Boden, wenn ich auf die Straße gehe und bin erstaunt, dass mich die Leute ansprechen. Dann wird mir klar, dass ich langsam zu einer Person der Öffentlichkeit werde und sage mir: Es gehört einfach dazu.

Frage: Wie gehst du mit schlechten Kritiken um?

Susanna Simon: Das finde ich völlig in Ordnung und berechtigt. Hauptsache, es gibt überhaupt eine Reaktion auf meine Arbeit.

Frage: Was sind deine nächsten Pläne?

Susanna Simon: Zur Zeit probe ich am Deutschen Theater in Berlin das amerikanische Stück "In einem anderen Teil des Waldes". Es ist eine deutsche Erstaufführung, und die Premiere ist im April.

Frage: Was machst du am liebsten, wenn du gerade nicht drehst?

Susanna Simon: Dann fahre ich tatsächlich gerne aufs Land.

Das Interview führte Rolf Grabner.

Dirk Jasper FilmLexikon
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