Porträt: Suzanne von Borsody
Foto: Annette Stössel "Ich bin ein Chamäleon" Kaum eine deutsche Schauspielerin hat es besser verdient, Charakterdarstellerin genannt zu werden. Suzanne von Borsody ist einer der TV-Stars in Deutschland. Klug und schön schlüpft sie in jede Rolle. Sie ist unvergleichlich wandelbar - denn wenn sie spielt, ist sie. Es scheint so, als hätte sie alles, was sie vor der Kamera oder auf der Bühne darstellt schon einmal gehört, gefühlt, gedacht, getan.

Die Tochter von Schauspieler Hans von Borsody und Schauspielerin und Regisseurin Rosemarie Fendel gab ihr Fernseh-Debüt 1978 in "Adoptionen". Eher nebenbei - trotz der bekannten Eltern. Suzanne wollte lieber Malerin werden, fing ein Kunststudium an. "Zur Schauspielerei kam ich eher per Zufall. Ich erhielt ein Angebot von Daniel Christoff, und von da an ging es einfach weiter."

Schon ein Jahr später erhielt sie für die TV-Serie "Beate S." die Goldene Kamera und den Adolf-Grimme-Preis. Wieder ein Jahr danach den Förderpreis des Deutschen Darstellerpreises des Verbandes der Fernseh- und Filmregisseure.

Nach der Trennung ihrer Mutter vom leiblichen Vater wurde Regisseur Johannes Schaaf der neue Lebensgefährte von Rosemarie Fendel und Ziehvater Suzannes.

Auch die Bühnenbretter eroberte Suzanne von Borsody, die 13 Jahre lang Ballett getanzt und drei Monate eine Gesangsausbildung gemacht hatte. Drei Jahre gehörte Suzanne von Borsody dem Frankfurter Theater an, wo sie in "Dantons Tod" und in "Der Kirschgarten" spielte. Weitere Stationen waren Bremen, wo sie als "Minna von Barnhelm" begeisterte, dann das Düsseldorfer und das Zürcher Schauspielhaus. Zwei Jahre war sie Gast der Salzburger Festspiele mit Lessings "Nathan der Weise". Alexander Kluge setzte sie in seinem Film "Die Macht der Gefühle" ein. Von 1987 bis 1993 war sie am Berliner Schillertheater.

"Die Theaterarbeit gab mir meine finanzielle Sicherheit, und nur in den Sommerpausen drehte ich fürs Fernsehen - manchmal auch ziemlichen Müll". Seit der Schließung des berühmten Schillertheaters stand Suzanne fast ununterbrochen vor der Kamera - auch für Hans W. Geißendörfers Oscar-nominiertes Kinodrama "Justiz". Der Lindenstraße-Produzent schwärmte von Suzanne: "Eine hervorragende Schauspielerin mit großer Intelligenz, Präsenz und Sinnlichkeit".

Sie spielte im Nachkriegs-Epos "Deutschlandlied", war in SAT.1 unter anderem neben Michel Piccoli in "Tödliches Geld - Das Gesetz der Belmonts" sowie in der Serie Wolffs Revier und in "Babyfon - Mörder im Kinderzimmer" zu sehen.

Die Wahlberlinerin sagt: "Erfolg macht erotisch". Mit ihrem Kollegen Heino Ferch (Comedian Harmonists) lebt sie in einer mit Souvenirs vollgestopften Altbauwohnung in Berlin-Friedenau. Sie liebt es, mit jungen, mutigen Regisseuren zusammenzuarbeiten - auch wenn die Gage dabei nicht stimmt. "Denn sonst muss ich mich fragen: Wo ist das Flämmchen geblieben, das einen dazu gebracht hat, nicht bei der Post zu arbeiten?".

Das, was Suzanne von Borsody treibt, ist ihre ständige Suche. Ihre Neugier nach dem Neuen, Unbekannten. Wenn sie erzählt von sich und dem Leben, sind ihre Hände immer in Bewegung. Mal streichen sie eine Strähne ihres blonden Haars aus der Stirn, mal greifen sie wieder zu einer Zigarette. "Hauptsache, ich fühle mich zu Hause - bei mir".

Sie geht gerne auf Reisen, lernte Tauchen auf Bali, beim Drehen in Miami stieg sie auf Inline-Skates. "Jede Reise und jede Rolle ist eine Begegnung mit mir selbst. Ich finde es wunderbar, mich über andere Menschen kennenzulernen".

Jetzt, mit 40, kann sie sich sogar vorstellen, eine Familie zu gründen. Denn: "Von Kindern kann man ja soviel lernen".

Dirk Jasper FilmLexikon
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