Interview mit Thomas Heinze
Foto: Sat.1 / Ralf Jürgens Thomas Heinze spielt die Hauptrolle in dem Sat.1-Movie "Schlank bis in den Tod"

Frage: Wie würden Sie reagieren, wenn ihre Frau Nina Kronjäger sich plötzlich zu dick fände und auf den Schönheitswahn hereinfiele?

Thomas Heinze: Darauf fallen wir doch alle herein. Es wird zunehmend schwerer, sich dem ganzen Werbe- und Medienrummel zu entziehen. Wenn Nina extreme Probleme hätte, würde ich sie bitten, zu einer Therapeutin zu gehen. Als Schauspieler sind wir ja von Haus aus ein bißchen anfällig dafür, aber ich achte sehr darauf, dass die Selbstbespiegelung bei mir nicht überhand nimmt. Ich möchte nicht einer dieser alten, eitlen Säcke werden.

Frage: Können Sie verstehen, dass eine Frau magersüchtig wird?

Thomas Heinze: Ich kann das durchaus nachvollziehen - bei Frauen noch eher, als bei Männern, denn Frauen werden sehr nach ihren Äußerlichkeiten beurteilt. Wir Männer sagen eher: ,Na ja, ich seh' zwar Scheiße aus, aber ich bin ein geiler Typ und hab 'ne Menge Kohle'. Ob man als Frau beruflich qualifiziert ist, spielt letztendlich keine Rolle - das Aussehen öffnet alle Türen.

Frage: Nina Kronjäger hat sich für die Rolle fünf Kilo abgehungert. Haben Sie sich ihr angeschlossen?

Thomas Heinze: Ich wollte nicht so unfair sein und vor ihren Augen 'rumschlemmen, deshalb habe ich ihre Trennkost mitgemacht. Aber abgenommen habe ich nicht.

Frage: Bedurfte Ihre Rolle besonderer Vorbereitungen?

Thomas Heinze: Die Vorbereitung war nicht schwer. Ich spiele zwar einen Koch im Film, aber man sieht mich nicht kochen - das hätte ich auch nicht gekonnt. Mir schmeckt immer, was ich koche, aber ich würde es Freunden nicht anbieten wollen. In den Szenen, in denen ich auftauche, geht es vorrangig um unsere Beziehung.

Frage: War es ein Traum von Ihnen, einmal mit Ihrer Frau zu drehen?

Thomas Heinze: Ich kenne Nina schon lange als Schauspielerin - noch bevor sie meine Freundin und Frau wurde. Ab dem Moment, wo wir zusammen waren und ich sie für Rollen vorschlug, gab es immer Vorbehalte, und man hat mir die Objektivität abgesprochen. Wir haben schon zweimal zusammen Theater gespielt, und nun endlich den ersten Film gemacht.

Frage: Wie haben Sie sich kennengelernt?

Thomas Heinze: Als ich die Schauspielschule verließ, hat sie gerade angefangen. Wir haben in einer WG zusammen gewohnt. Nach sieben Jahre trafen wir uns zufällig in Zürich wieder - da hat's gefunkt.

Frage: Ihnen lastet das Image des Machos an. Können Sie damit leben?

Thomas Heinze: Bis 'Allein unter Frauen' war ich eher der Typ Trottel, aber mit dem Film wurde mir der Macho-Stempel aufgedrückt. Ich sehe mich natürlich nicht so. Im Grunde ist es mir egal, was man über mich denkt und schreibt. Ich habe mit der Zeit eine Unempfindlichkeit entwickelt - wenn ich mir alles zu Herzen genommen hätte, wäre ich schon lange draufgegangen.

Frage: Wie führen zwei erfolgreiche Schauspieler ein Privatleben, wenn jeder an einem anderen Drehort ist?

Thomas Heinze: Wir haben es so eingerichtet, dass wir nie gleichzeitig drehen. Wenn Nina dreht, begleite ich sie und umgekehrt. Das ist wichtig, weil man sich sonst teilweise bis zu acht Monate nicht sieht - das ist für manche Beziehungen vielleicht ganz gut, aber nicht für unsere.

Das Interview führte Mariam von Humboldt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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